So wird länger arbeiten verhindert

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Foto: IRINA FISCHER - FOTOLIA 3217474/Irina Fischer/Fotolia Wo geht’s raus? Altersteilzeit war als gleitender Übergang in den Ruhestand gedacht, wurde aber als Frühpensionierungsinstrument zweckentfremdet

Arbeitsmarkt 55plus: Sieben Gründe, warum die Potenziale der Älteren nicht genutzt werden

Schon Gedanken über die Pension gemacht? Auf Reisen gehen, Enkel schaukeln, Garten pflegen, und sonst? Im Schnitt dauert die  Lebensphase zwischen Pensionsantritt und körperlicher Gebrechlichkeit (Pflege) immerhin 20 Jahre. Wer in dieser Zeit aktiv ist, sich gebraucht  und wertgeschätzt fühlt,  steigert seine Lebenserwartung.

Einer deutschen Studie zufolge wollen 47 Prozent der 55- bis 64-Jährigen auch in der Pension noch erwerbstätig sein. Am liebsten stundenweise, flexibel und frei einteilbar. Für Österreich gibt es zwar keine diesbezügliche Erhebung, aber allein aus demografischen Gründen  steigt das Interesse am längeren Arbeiten und damit auch die Beschäftigungsquote bei den über 55-Jährigen.
 Es könnten noch weit mehr sein, wenn man die größten Barrieren für längeres Arbeiten beseitigen würde, meint Arbeitsrechtsexperte Wolfgang Mazal von der Universität Wien. Er  hat die „sieben schlimmsten Baustellen“ Österreichs bei der Nutzung der Talente Älterer zusammengefasst:


Falsche Entlohnung Das Senioritätsprinzip,  also die steigende Gehaltskurve je nach Dauer des Dienstverhältnisses, hat zu einer „fatalen Personalentwicklung“ geführt, die in der heutigen Zeit weder Jung noch Alt nützt. „Den Jungen wird das Geld vorenthalten, den Älteren wird das Geld dann vorgehalten“, fasst Mazal zusammen. Konsequenz: Ältere werden aus Kostengründen abgebaut. Damit die Jobs erhalten bleiben, hat  eine Abflachung der Gehaltskurve oberste Priorität.
Lange Arbeitszeit Die Österreicher sind Arbeitsbienen, bei der täglichen und wöchentlichen Arbeitszeit im EU-Vergleich an vorderster Front. „Die Arbeit frisst uns auf“, meint  Mazal. Konsequenz:  Ein früher Ausstieg aus dem Hamsterrad ist erstrebenswert.
Teilzeitskepsis Die Teilzeit gilt als Pensionsfalle und hat daher einen schlechten Ruf. Die Altersteilzeit, eigentlich gedacht als ein sanftes Übergleiten in den Ruhestand, wird zur Frühpensionierung zweckentfremdet. Mazal: „Das Blocken der Arbeitszeit in Vollzeit und gar nicht war nie geplant, ich halte das für einen Irrsinn“.
Hierarchiefixierung Ein produktives Miteinander zwischen Jung und Alt im Unternehmen  scheitert oft an strikten Hierarchien und gegenseitigem Misstrauen. Fehlende Teamkultur und das Gefühl, nicht mehr gebraucht zu werden, fördern einen frühen Ausstieg.
Mangelnde Fortbildung Einen Weiterbildungskurs mit 55? Das zahlt sich nicht mehr aus. Lebenslanges Lernen gilt offenbar nur  für Jüngere. „Die Fortbildungskultur ist ein Reflex auf die Pensionierungskultur“, meint Mazal.  
Zuverdienstgrenzen Frühpensionisten dürfen bis zum gesetzlichen  Pensionsantrittsalter nur geringfügig dazuverdienen. Für den Experten ist es in Zeiten akuten  Fachkräftemangels „fatal, dass Arbeiten vom Staat bestraft wird“.
Frauenpensionsalter Das um fünf Jahre frühere gesetzliche Frauenpensionsalter hält Mazal für „eine Benachteiligung der Frauen“ am Arbeitsmarkt. Eine Angleichung an das Männerpensionsalter wäre mit einfacher Mehrheit im Parlament möglich und würde mit einem Schlag auf die Beschäftigung Älterer wirken.  

(KURIER / Anita Staudacher) Erstellt am
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