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Wirtschaft Karriere
11/10/2021

So entkommen Sie der Stress-Spirale

Arbeitsbedingter Stress zerstört Gesundheit und Wohlbefinden. Um unserer heutigen Stress-Gesellschaft entgegenzuwirken, sind Arbeitnehmer und Arbeitgeber gefordert.

von Theresa Kopper

Ständig erreichbar, Mittagspause verkürzt und trotzdem mit dem Arbeitspensum nicht fertig geworden. Unzufriedenheit und Überlastung – im Alltag vieler Beschäftigter sind diese Gefühle ein ständiger Begleiter.  

Stress ist in der modernen Arbeitswelt zu so etwas wie einer Volkskrankheit geworden. Mehr als die Hälfte der Arbeitnehmer fühlt sich am Arbeitsplatz sehr oder eher gestresst, wie eine Stepstone-Onlinebefragung zuletzt ergab.  Das kann auch für Unternehmen zum Problem werden, nämlich dann, wenn die Krankheitstage wegen psychischer Belastungen zunehmen. Doch es gibt Möglichkeiten, dem Teufelskreis zu entkommen – und Stress im Job vorzubeugen. 

Dauerstress macht krank

Wichtig sei zunächst, die Symptome der Überlastung rechtzeitig zu erkennen, erklärt Günter Niederhuber, Experte für Burnout und Stressmanagement in Wien. Denn grundsätzlich ist Stress nicht schlecht. „Viele Dinge, die wir heute im Alltag als selbstverständlich wahrnehmen, sind im Grund durch Stress entstanden. Es sind Lösungen auf Herausforderungen, denen sich Menschen stellen mussten. Und eines ist auch klar: Wir brauchen diese Abwechslung von An- und Entspannung, das macht das Leben interessant.“ 

Problematisch werde es allerdings dann, wenn die ständige Anspannung im Dauerstress resultiert, man überhaupt nicht mehr abschalten kann und beispielsweise Schlafprobleme entwickle. „Solche Warnsignale darf man  nicht mehr ignorieren. Dann sollte man etwas dagegen tun“, rät Niederhuber. 

Bekämpfung der Ursache

Um wahrzunehmen, ob man im Dauerstress ist, gelte es,  in sich hineinzuhören und darauf zu achten, ob man sich innerlich hektisch und nervös fühlt und nicht mehr abschalten kann. Ist das der Fall, solle man versuchen, der Ursache der Belastung auf den Grund zu gehen. Diese kann entweder an äußeren Faktoren liegen, beispielsweise dem zu hohen Arbeitspensum, aber auch an persönlichen Stressverstärkern, wie zum Beispiel Perfektionismus. „Ich erarbeite mit meinen Klienten, sich selbst zu reflektieren und unterstütze sie dabei, eine Lösung zu finden, um die Ursache zu bekämpfen“, sagt Niederhuber. 

Oft lassen sich Probleme im Arbeitsumfeld einfach unter Kollegen lösen. Immerhin sind sie es, die oft Unzufriedenheit und Überlastung vorbeugen, indem sie für ein gutes und vertrauensvolles Arbeitsklima sorgen. Hilfreich ist auch der enge Austausch, um für gegenseitige Unterstützung zu sorgen und klare Absprachen, wer für welche Aufgaben zuständig ist. 

Liegt der Grund für den Stress hingegen weniger an äußeren Faktoren, sondern mehr an einem selbst, sollte man dort ansetzen. „Und hier wird es oft schwierig. Denn diese Menschen müssen dann lernen, ihre persönlichen Stressverstärker zu verändern und die eigenen Bedürfnisse wieder an erste Stelle zu stellen. Das ist ein Prozess, der sich Wochen, oft Monate hinziehen kann und professionelle Hilfe benötigt“, weiß Niederhuber.

Stressreduktion im Sinne des Arbeitgebers

Damit es nicht so weit kommt,  sind auch Arbeitgeber gefordert. Sie sollten Stressfaktoren im Unternehmen  identifizieren und bewusst dagegen vorgehen. „Viele Arbeitgeber wissen gar nicht, wie es ihren Mitarbeitern geht und was sie leisten. Hier braucht es aber Mut hinzuschauen und das gesamte Team in ein Boot zu holen“, meinen Bettina Rockenschaub-Sahl und Karoline Wagner-Sahl, Gründerinnen der Stresskompetenz-Werkstatt  Less Stress. Sie unterstützen Unternehmen bei der Auseinandersetzung mit betrieblichem Stressgeschehen und wissen: „Entspannte und ausgeglichene Mitarbeiter sind produktiver und haben weniger krankheitsbedingte Ausfälle. Stressmanagement ist also auch im Sinne der Arbeitgeber.“ 

Was diese tun können?  Ein gutes Betriebsklima ermöglichen und Rahmenbedingungen bieten, in denen Mitarbeiter auch die Möglichkeit haben zu sagen, dass es ihnen zu viel wird. „Eine wertschätzende, offene Kommunikationskultur und Führungskräfte, die dahingehend geschult sind, sind das Um und Auf“, sagt Rockenschaub-Sahl. Zudem sieht sie Arbeitgeber auch in der Pflicht, Grenzen zu setzen, was die ständige Erreichbarkeit angeht. „Gerade im Homeoffice tendiert die Mehrheit der Arbeitnehmer dazu, noch mehr zu leisten und keine Pausen zu machen. Natürlich liegt es am Arbeitnehmer, solche zu machen. Doch auch Arbeitgeber müssen das Thema aufgreifen und Bewusstsein schaffen. Erholung steigert immerhin die Leistung.“

Du bist, was du isst

Die Pausengestaltung ist auch Wagner-Sahl ein Anliegen. „Diese sinnvoll und achtsam zu nutzen, ist mein Tipp. Das fängt schon beim Essen an.“ Die 
Speisen vor dem Computer zu verzehren, sei ein No-Go. „Besser ist es, die Zeit des Mittagessens bewusst zu nutzen, um herunterzufahren und Kraft für den restlichen Arbeitstag zu tanken.“

Auch was man zu sich nimmt, spiele dabei eine Rolle. Süßes wie Schokolade führe maximal zu einer kurzen Stressreduktion, ausgewogene Ernährung   hingegen habe einen längerfristigen Effekt. „Aber auch hier ist wieder der Arbeitgeber in der Pflicht beispielsweise immer auch ein oder zwei gesunde Gerichte in der Kantine anzubieten oder Obst und Tee bereitzustellen.“ Solche Anreize würden schon ausreichen, damit Mitarbeiter klügere Entscheidungen treffen. 

Entspannung auch in der Freizeit

Ob Stress krank macht, hängt aber auch davon ab, wie man seine Freizeit gestaltet. Eine der besten Ausgleichsmöglichkeiten ist Bewegung. Sie reguliert die Stresshormone, hilft die Anspannung  zu senken und steigert das Wohlbefinden. Am Ende des Tages muss aber jeder selbst herausfinden, was einem gut tut und wie er am besten entschleunigt, da sind sich alle Experten einig.  

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