Wirtschaft | Karriere
30.04.2018

Smalltalk-Tabus: Mit Anlauf ins Fettnäpfchen

Im Lift, beim Business-Lunch oder der Firmenfeier: Bei der Kunst der lockeren Konversation ist aber nicht alles erlaubt.

Nur über sich selbst zu reden Wer ewige Monologe hält und sein Gegenüber nicht zu Wort kommen lässt, begeht jedenfalls eine Smalltalk-Todsünde. Besser: Den Dialog forcieren, indem man am Gegenüber interessiert ist und auch mal Fragen stellen. „Die Gesprächsanteile sollten möglichst ausgewogen sein“, sagt Coach und Moderatorin Regina Jankowitsch. Mit Sympathiewerten kann man punkten, wenn man gut zuhört und anschließend auch interessiert nachfragt.

Interessiert nachfragen Diesem Thema hat die Harvard Universität eine aktuelle Untersuchung gewidmet. Das Ergebnis: Unabhängig von Geschlecht und Setting entwickeln Menschen gegenüber ihren Gesprächspartnern vor allem dann positive Gefühle, wenn sie den Eindruck haben, man interessiert sich für sie. Follow-up Fragen, also Fragen, die ein bereits bestehendes Gesprächsthema vertiefen sollen, beginnen häufig mit „Wie“ oder „Warum“ und vermitteln ein Interesse am anderen überdurchschnittlich gut. Denn: Wer fragt, zeigt Interesse – und wer sich interessiert, zeigt Wertschätzung. Ziel ist ein vertiefendes, persönliches Gespräch, das dabei hilft, das eigene Netzwerk zu erweitern.

Blickkontakt nicht zu halten Wer den Blickkontakt zu seinem Gegenüber während des Gesprächs nicht hält, wirkt schnell unhöflich. Dasselbe gilt für Gesprächspartner, die während des beruflichen Smalltalk nach anderen interessanten Gesprächspartner Ausschau halten, nervös auf die Uhr oder auf das Smartphone schielen.

Themen unbedacht wählen Früher hieß es: Themen wie Politik, Krankheit, Ehe, Religion, Geld und Gehalt haben beim Smalltalk nichts verloren. „Heute lässt sich jedes Thema adressieren“, betont Jakowitsch. Vor Menschen, die man gar nicht kennt, sollte man jedoch keine Extrempositionen einnehmen. Nach einer Wahl ist zum Beispiel das Wahlergebnis Talk of the Town. „Wenn ein aktueller Bezug da ist, bietet sich dieses Thema auf jeden Fall für ein Gespräch an“, so Jankowitsch. Allerdings sollte man sich diesen Themen mit Bedacht und sehr vorsichtig nähern.

Aufdringlich sein Wer zu einer Gruppe dazustößt, die gerade in ein Gespräch vertieft ist, sollte eine Zeit lang zuhören. Erst dann darf man sich nach und nach mit eigenen Wortmeldungen zum aktuellen Gesprächsthema einbringen. Schlecht: Sofort zu Schwadronieren beginnen und sich so unangenehm in den Mittelpunkt stellen, die anderen außen vor lassen.

Den ganzen Abend bleiben Der Smalltalk mit ein und demselben Gegenüber dauert in der Regel rund 15 bis 20 Minuten. In dieser Zeit sollten Gemeinsamkeiten gefunden werden: gemeinsame Bekannte, ähnliche Hobbys, gleiche Ausbildungen oder einfach nur der Bezug zum gerade stattfindenden Event oder dem Gastgeber sind willkommene Themen. „Danach sollte man sich mit Handschlag verabschieden“, sagt Jankowitsch. „Den ganzen Abend kleben zu bleiben, kann als unhöflich empfunden werden.“ Beim Verabschieden die Visitenkarte zu überreichen, ist heute kein Muss mehr – schließlich findet man das Gegenüber ganz leicht im Internet. Es kann auch charmant sein, nur eine Visitenkarte vom Gegenüber zu bekommen, wenn die eigenen bereits verteilt wurden – und sich dann per Mail beim Gesprächspartner zu melden. Auf diese Weise lässt sich der Kontakt clever herstellen.

Non-verbale No-Gos Beim Gespräch soll man dem Gegenüber den Oberkörper zuwenden, das signalisiert Offenheit. Auch gut: Die Hände zeigen. No-go: Die Hände in die Hosentaschen stecken. Zu wenig Abstand zum Gegenüber ist ein Tabu. Jemanden am Ellenbogen, an der Schulter oder an anderen Stellen zu berühren ist nicht erst seit #metoo ein Problem. „Vor allem vom Mann zu einer Frau“, betont Regina Jankowitsch.