Sinnsuche für Chefs: Wofür das Ganze?

Wozu eigentlich morgens in die Arbeit gehen? Na, für die Kohle! Zeit, die Motive zu hinterfragen – und zu ändern.

Zu was fühlst du dich berufen?“ Als Alexandra Sigg 18 Jahre alt war, stellte ihr Vater diese Frage. Ihre Antwort: „Ich möchte mit Menschen arbeiten.“ Heute verhilft die Geschäftsführerin der Beratungsfirma Avenida Führungskräften zur Sinn-Findung – mit Seminaren auf Mallorca und in der Sahara (www.avenida-coaching.de).

„Zu Beginn der Karriere fragen sich die wenigsten, was ihre Berufung ist“, sagt Sigg. Stattdessen würden die Aussicht auf Status, Geld und Aufstiegschancen die Berufswahl entscheiden. Sei die Führungsposition endlich erreicht, fehle dennoch etwas Wesentliches – die Erfüllung. „Gerade in den mittleren Jahren geraten viele Führungskräfte in die Sinnkrise“, sagt Sigg. Unzufriedenheit, Leistungsabfall, Depression, Burn-out seien die Folge. Um den Sinn im Führungsjob wiederzuentdecken, empfiehlt Sigg folgende Schritte:

Wille zur Veränderung Zu sagen, „ich will“, sei ein großer Schritt, sagt der Coach. „Und sich dann die Frage stellen: ,Was bin ich bereit, an Altem, Materiellem loszulassen und was möchte ich dafür Neues, Immaterielles haben?“

Bewusstwerdung Versteht man den Zusammenhang zwischen Berufswahl, dem Verhalten im Job und den Folgen wie Krankheit und Krise, mache der Werdegang meist Sinn. „Daraus kann dann der Sinn eines neuen Berufs abgeleitet werden“, sagt Sigg.

Neuorientierung Wenn Ihr Job Sie nicht erfüllt, müssen Sie nicht gleich kündigen. Vielleicht hilft eine Änderung der Einstellung. „Oft reicht es schon, zu erkennen, welch positiven Beitrag man mit seinem derzeitigen Job leistet“, so der Coach. Wichtig: „Die Motivation für das Neue herausarbeiten, eine Vision von der erfüllenden Version des Jobs entwickeln.“ Voraussetzung: „Hören Sie auf Ihr Bauchgefühl.“ Mit Stille und Meditation könne man lernen, auf die Intuition zu hören. „Nur wer intuitiv ist, kann empathisch führen“, sagt Sigg. Und sich ernsthaft die Fragen beantworten: „Was brennt in mir? Was begeistert mich?“

Umsetzung Den Job-Alltag nutzen, um es anders zu machen: „Fehler sind keine Fehler mehr, sondern Lernaufgaben“, rät Sigg zu einer neuen Haltung. Wichtig: „Sich von anderen wertschätzend abgrenzen und auf die eigenen Bedürfnisse – und die der anderen – achten.“

Dass ein sinnvoller Job eine Frage der Einstellung ist, beweist eine Studie des Psychologen Jesper Isaksen aus dem Jahr 2000 über monotone Arbeit. 75 Prozent der Befragten sahen in ihrer Tätigkeit sehr wohl Sinn. Weil sie ihren Job wichtig nahmen, soziale Kontakte pflegten und sich als Teil eines großen Ganzen sahen. Fazit: Der Wille zum Sinn macht die Arbeit letztlich sinnvoll. Das gilt auch für Chefs.

 

Jeder siebte Manager brennt aus

Jede siebte Führungskraft in Österreich ist zurzeit von Burn-out betroffen. Dies ist das Ergebnis einer im Auftrag des Wirtschaftsforums für Führungskräfte (WdF), die am Mittwoch in Wien präsentiert wurde.

Ein Prozent gab an, „derzeit“ von einem Burn-out betroffen zu sein, sechs Prozent sagten, sie stünden „unmittelbar davor“. Sieben Prozent der 203 Befragten waren in der Vergangenheit schon einmal ausgebrannt. Generell seien von Burn-out mehr Frauen und auch – das treffe für alle Gesundheitsprobleme zu – mehr Beschäftigte der zweiten Führungsebene betroffen, so Studienautor Felix Josef. Als höchste Risikofaktoren wurden bei den Führungskräften von 59 Prozent Stress und psychische Belastung (2009: 56), von 52 Prozent Bewegungsmangel (2009: 50) und von 42 Prozent Gewichtsprobleme (2009: 34) identifiziert. Ihre Work-Life-Balance als ausgewogen empfinden nur mehr 14 Prozent (2009: 17) der Befragten.

( Kurier ) Erstellt am 19.12.2011