Wirtschaft | Karriere
05.12.2011

Postbus-Chef: "Ich antworte blitzartig"

Büro von innen: Kleine Modellbusse auf der Fensterbank, ein Posthorn an der Wand. Heinz Stiastnys Büro ist Programm.

Der Blick von der Straße auf das graue Gebäude in der Wagramer Straße im 22. Bezirk verrät nichts über seine Bewohner - keine aufdringliche gelbe Leuchtschrift an der Hausmauer, keine Fahnen mit Firmenlogo, die im Wind wehen. Nichts. Nur IDZ Tower ist oberhalb der amerikanisch anmutenden Drehtür zu lesen.
Empfang, Lift, 6.Stock, Glastür - ein Schild auf dem geschrieben steht: Postbus ÖBB GmbH.

Heinz Stiastny ist der Chef des größten Personentransportunternehmens Österreichs. 235 Millionen Fahrgäste nutzen das Angebot jährlich - mit der Bahn fahren weniger. Heinz Stiastny hat 4000 Mitarbeiter, die Telefonnummern hat er von 30 eingespeichert. "Ich habe aber sehr viel Kontakt mit den Mitarbeitern draußen. Wenn ich einen Postbus stehen sehe, gehe ich hin und spreche mit den Lenkern", sagt Stiastny, auf seiner weißen Ledercouch rastend.

Rund 30 ist sein Büro groß. Neben der Couch, befindet sich ein Schreibtisch und ein kleiner Besprechungstisch im Raum. Auf den ersten Blick wirkt Heinz Stiastny's Büro hell aber unpersönlich - vielleicht liegt es an der niedrigen abgehängten Zimmerdecke aus weißen Platten, den beiden hässlichen runden Trägersäulen oder dem Fensterschrank, wo jede noch so kleine braune Lade einen Schlüssel trägt. "Nein, keine ist verschlossen", sagt Stiastny. Hinter den Schrankfenstern offenbart sich Stiastnys große Leidenschaft: die Musik. CDs, unter anderem vom Rat Pack, sind gestapelt. "Weihnachtsgeschenke", sagt Stiastny.

Bei genauerem Hinsehen finden sich überall in seinem Büro Hinweise auf sein Hobby: Hinter seinem Schreibtisch sind drei Bilder aufgestellt, eines davon ist signiert - von Rudolf Schock. "Einer der grandiosesten Sänger, die es je gegeben hat", klärt Heinz Stiastny auf. Der Postbus-Chef singt auch selber - nicht nur im Büro. "Zwei, drei Mal pro Jahr trete ich mit Freunden für karitative Zwecke auf." So auch nächste Woche für Licht ins Dunkel. "Das ist mir ein großes Anliegen", erklärt er und holt ein Modell vom "Licht ins Dunkel"-Sternebus, den er neben den anderen Modellbussen auf seiner Fensterbank geparkt hat. "In jedem Bundesland ist heuer ein Sternebus unterwegs. Man kann ab fünf Euro einen Stern kaufen und ihn dann mit einer Botschaft auf den dunkelblauen Bus kleben", freut er sich.

24/7

Im Advent ist Heinz Stiastny an den Wochenende in den Bundesländern unterwegs, um die Sternenbusse zu unterstützen. Er hat keinen klassischen Nine-to-five-Job. "Ich bin immer erreichbar. Ich schalte mein BlackBerry nie aus, auch nicht in der Nacht", sagt Stiastny. Auch wenn er das Handy mehr als Fluch und nicht als Segen für die Menschheit betrachtet, ist es sein ständiger Begleiter und neben seinen Visitenkartensammlung eines der wichtigsten Arbeitsutensilien. "Ich bin ein leidenschaftlicher BlackBerry-Arbeiter, ich antworte kurz und blitzartig", sagt Stiastny.

Kurz gefragt - "Hier wird nicht viel gefeiert"

Wie sind Sie hierhergekommen? Ich wurde vor vier Jahren berufen.

Was wollten Sie werden? Ich kann nicht sagen, dass ich einen Wunschberuf hatte. Ich wollte immer mit Menschen zu tun haben. Irgendwann bin ich draufgekommen, dass ich irrsinnig gerne Sänger geworden wäre. Jetzt ist es zu spät.

Ihr hässlichster Arbeitsplatz? Zu Beginn meiner Laufbahn war ich Filialspringer im Bankengeschäft. Da hab ich schon einige Filialen kennengelernt - das kann man sich nicht vorstellen.

Ihr Traumarbeitsplatz? Wäre ich hauptberuflich Sänger, die Bühne im Volkstheater.

Das größte Glück im Job? Dass ich mit Menschen zu tun habe.

Wie wird hier gefeiert? Wir sind ein Staatsbetrieb, hier wird nicht viel gefeiert.

Wohin soll's gehen? Es macht mir großen Spaß hier.