Per Online-Dating zum Studium

Drei Gründer bringen eine neue App auf den Markt: Sie matcht Studierwillige mit Hochschulen.

Christoph Trost (li.), Verena Mai und Roger Kerse haben sich in Frankreich kennengelernt Über Fragen findet die App passende Studiengänge heraus

Als Christoph Trost im Sommer 2014 nach Frankreich zur European Innovation Academy reiste, hatte er noch keine Ahnung, was er gründen wollte. Er wusste nur, dass er es wollte. Im Gründer-Workshop traf der Bachelor-Absolvent (Internationales Management) Verena Mai, die in der Nähe von Nizza Entrepreneurship studierte. Sie hatte sich ebenso wie er bei der Studienwahl schwer getan: "Ich war die erste Studentin in der Familie, hatte ganz andere Vorstellungen vom Studium, als es dann in der Realität war. Später wollte ich den Master im Ausland machen, das war ein extremer Uni-Dschungel" , erzählt sie. Schon länger hatte Mai die Idee gehabt, eine Online-Plattform zur Studienwahl zu entwickeln. Gemeinsam mit dem estnischen Programmierer Roger Kerse arbeiteten Mai und Trost dann auf der Academy an dieser Idee.

Damit sie besser zusammenarbeiten konnten, zog Christoph Trost von Graz nach Wien, Verena Mai war dorthin aus Frankreich zurückgekehrt. Co-Gründer und App-Programmierer Roger Kerse arbeitete von Tallinn, Estland, aus. Ihre erste Plattform "Learning Places" ging im November 2014 online: Wirtschafts-Studierende konnten auf der Webseite Reviews zum Studium posten.

Im heurigen April schafften die drei es mit "Learning Places" ins Wiener Gründerprogramm von INiTS (Innovation into Business). Bald merkten sie, dass ihre Idee wenig Anklang fand: "Wir redeten mit vielen Schülern und Studenten und bemerkten, dass sie zuallererst einen Überblick über das Studienangebot haben wollten", erzählt Christoph Trost. "Reviews zum Studium sind erst später für sie interessant."

Zweiter Versuch

Also musste die Idee an die Nachfrage angepasst werden. Das Ergebnis ist UNIspotter (www.unispotterapp.com), eine App zur Studienwahl, die Studierwillige mit passenden Studienrichtungen matcht. Europaweit sei die App bisher einzigartig. Und laut den Gründern nötig, denn: "Die meisten Jugendlichen suchen über Google nach einem Studium", sagt Mai. UNIspotter kehrt den Prozess um: "Wir fragen die Leute nach ihren Vorstellungen und präsentieren ihnen eine Auswahl passender Studienrichtungen."

Testphase

Ähnlich einer Dating-Plattform werden die User nach Beantwortung diverser Fragen mit Studienrichtungen gematcht. Abgefragt wird in der bisherigen Erstversion Allgemeines: unter anderem, ob man in Voll- oder Teilzeit studieren oder ein Auslandssemester machen will. Das Basiskonzept wollen die drei mit der Betaphase ab Ende Oktober weiterentwickeln. "Wir suchen noch Tester, damit wir den Matching-Algorithmus verbessern können", sagt Trost. Über die interessensbezogene Auswahl von Schlagworten sollen die User auf Studienrichtungen stoßen, die sie sonst nicht in Betracht gezogen hätten, erklärt Verena Mai: "Das Schubladendenken unter den Schülern ist groß. Viele schrecken vor einem Technikstudium zurück, aber wenn sie Schlagworte wie 3-D-Druck lesen, interessiert es sie doch. Mit unserer App wollen wir auch mehr Frauen in die Technik bringen."

Europa ist das Ziel

Noch konzentriert sich das Team auf Österreich: "Hier haben wir einen super Testmarkt, werden aber eher kein Geld verdienen", sagt Trost. Ab 2016 will man daher die größten Uni-Hotspots in Deutschland und England in die App aufnehmen. Elitäre Hochschulen wie die britische Lancaster University hätten bereits Interesse angemeldet. Verena Mai ortet jedenfalls einen großen Markt: "In Europa gibt es 100.000 Studienprogramme, die wegen der EU-Mobilität spannend sind." Die App ist daher auch nur auf Englisch erhältlich. Geld verdienen will das Trio über die Hochschulen, die für das Matching mit den besten Studienanfängern eine Gebühr zahlen sollen. "Für die Expansion suchen wir noch einen Investor", sagt Trost.

5 Tipps

Was jeder Entrepreneur wissen muss

Verena Mai und Christoph Trost über resolute Beginner und den externen Blick

1. Fang einfach an. Verena Mai:  Teste lieber deinen Prototyp so früh wie möglich in der Zielgruppe und hole  Feedback ein. Sonst plant man ewig, traut sich nicht drüber oder  merkt zu spät, dass das Produkt gar nicht nachgefragt ist. Wir  haben einen App-Prototyp aus Karton  in zwei Tagen entwickelt und  mit Schülern getestet – und  die Hälfte der Funktionen wieder rausgeschmissen.

2. Plane nur grob. Verena Mai: Man glaubt, man braucht einen   hundertprozentigen   Business-Plan. Aber: Es kommt vieles  anders, als man denkt. Christoph Trost: Zwei, drei Seiten Businessplan reichen für den eigenen Überblick.

3. Hol dir Know-how von außen. Christoph Trost: Wir haben über  INiTS  und über das Manageers-Programm Mentoren bekommen, die uns sehr weiterhelfen.  Wir wussten, was wir nicht gut abdecken, ist das Wissen über Marketing. Daher haben wir uns  um einen Mentor aus diesem Bereich bemüht. Wenn man so fokussiert ist und sich reinsteigert, ist ein Blick von außen wichtig.

4. Mach, was dir Spaß macht. Christoph Trost: Die Entscheidung „Gründung statt Job“  war schon schwierig. Viele Freunde fragen mich, warum ich das mache, ich könnte ja gut verdienen.  Aber der Spaß bei  der Arbeit ist mir viel wichtiger als Geld. Wenn es nicht hinhaut, kann ich mir immer noch einen Job suchen.

5. Sei Autodidakt. Christoph Trost:Man muss als  Gründer alles selber machen und sich vieles selbst aneignen. Ich habe durch die Gründung mehr gelernt als im Studium.

(kurier) Erstellt am
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