Businessman holding baby at bus stop

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Studie
03/27/2013

Ohne Nachteil: Mann in Karenz

Zwei Jahre nach der Karenz verdienen Väter gleich viel wie Männer ohne Unterbrechung.

von Andrea Hlinka

Männer mögen vielleicht mit Imageproblemen zu kämpfen haben, wenn sie in Karenz gehen. Vor einem Karriereknick oder finanziellen Einbußen brauchen sie sich nicht zu fürchten. Das zeigt die aktuelle Studie „Karenzväter in Zahlen“ von Joanneum Research, die im Rahmen eines Sparkling Science Projektes erstellt wurde. „Insgesamt zeigt die Datenanalyse, dass das Risiko für einen Karriereknick bei Männern in Karenz weit geringer ist als bei Frauen. Natürlich gibt es auch Verlierer, aber die Gewinner überwiegen“, sagt Studienleiterin Sybille Reidl. Die Studie analysiert Akademiker in Karenz – weil sie, laut den Studienautoren, eher in Karenz gehen, als Nicht-Akademiker. Weitere Erkenntnisse:

Anzahl 2011 waren 21.293 Männer in Karenz. Das sind 8,4 Prozent aller Karenzgeldbezieher. Das ist ein enormer Anstieg im Gegensatz zu 2002, als der Anteil bei nur 3817 Männern (2,3 Prozent) lag. Weil Männer kürzer in Karenz bleiben – nur 4,2 Prozent aller Kinderbetreuungstage gehen auf das Konto von Männern – sind auch die Auswirkungen der Auszeit auf die Karriere geringer, als bei Frauen.

Dauer 159 Tage gingen Väter 2002 im Schnitt in Karenz, in den darauffolgenden acht Jahren ist die Anzahl auf 128 gesunken. Aber immerhin: 44 Prozent der Karenzväter gingen 2010 länger als ein halbes Jahr in Karenz. Dass zwar mehr Akademiker, die aber immer kürzer in Karenz gehen, wird auf die Einführung von Kinderbetreuungsgeld-Varianten mit kürzeren Bezugszeiten und höheren Geldleistungen zurückgeführt.

Alter Das durchschnittliche Alter der Akademiker in Karenz lag 2002 bei 35 Jahren, 2011 ist es auf 37 Jahre angestiegen.

Arbeit Während ihrer Karenz gingen in den Jahren 2003 bis 2010 zwischen 45 und 54 Prozent der Akademiker in Karenz durchgehend oder zumindest teilweise einer Beschäftigung nach. Der Großteil davon arbeitete während dieser Zeit im angestammten Job. Dass viele Männer in der Karenz arbeiten, sehen die Studienautoren als Indiz für deren Erwerbszentrierung. Männer würden sich stark über öffentliche Präsenz identifizieren und im beruflichen Umfeld eine wesentliche Bestätigung ihres Selbstwertgefühls erfahren. „Ein gänzlicher Ausstieg fällt vielen daher schwer“. Ein weiterer Grund für das Dranbleiben: Männer wollen die Nachteile so gering wie möglich zu halten.

Geld Und das gelingt gut, denn finanzielle Einbußen hatten nur 30 Prozent der Väter – sie werden von den Forschern auf Teilzeitarbeit zurückgeführt. Die Hälfte der Männer hatte jedoch zwei Jahre nach der Karenz ein höheres Einkommen als zuvor. Bei 20 Prozent hatte sich finanziell nichts verändert.

Für mehr Bewusstsein

Die Daten

In der Studie wurde untersucht, wie sich die Karenz bei Akademikern auf ihre Einkommens- und Karriereentwicklung auswirkt. Die Studie analysiert Daten des Hauptverbandes der Sozialversicherungsträger und ist Teil des Forschungsprojekts „Väterkarenz – Auswirkungen auf Karrieren von Männern“, das im Rahmen des Förderprogramms Sparkling Science durchgeführt und vom Wissenschaftsministerium gefördert wird. Die Interpretation der Daten erfolgte in Workshops mit Schülern des Gymnasiums Rahlgasse, im 6. Bezirk. Weitere Infos unter www.sparklingscience.at.

Unterstützung

Durch Karenzzeiten sollte kein Nachteil entstehen, darüber herrscht Einigkeit. Infos zur Planung von Karenz und Karriere auf www.waff.at, www.abzaustria.at, www.maennerinkarenz.at, www.arbeiterkammer.at

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