Narzissten sind die Aufsteiger

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Foto: Getty Images/iStockphoto/THinkstock Narzissten  sind in manchen Situationen dem Unternehmenserfolg zuträglich – doch  sind sie für die Unternehmenskultur auch zerstörerisch, weil sie keine Beziehungen eingehen können

Sie halten sich für die Könige der Büros – tatsächlich bringt sie ihr Ego oft in die Chefetage.

In den Chefetagen sind Narzissten häufig vertreten – und sie werden immer mehr. Das sind Chefs, die Mitarbeiter klein halten, um selbst groß zu sein, die stark im Austeilen sind, aber Mimosen im Einstecken, die nicht diskussionsbereit sind und manipulieren. Denen jegliches Einfühlungsvermögen fehlt und die ständig nach Bewunderung suchen. So beschreibt Psychiater Reinhard Haller die Merkmale des Narzissten.

Dieser Meinung, dass Narzissten auf dem Vormarsch sind, ist nicht nur Haller, sondern sind alle drei Größen, die am Donnerstag bei der Veranstaltung "Leadership im Zeitalter des Narzissmus. Welche Management-Persönlichkeiten braucht ein Unternehmen", vortrugen: Neben Haller, Johannes Steyrer, Betriebswirt und Psychotherapeut von der WU Wien und Günter Lueger, Leiter des Solution Management Centers.

Dass diese Typen auf dem Vormarsch sind und in der Führungsebene häufiger vertreten als Normalos, ist keine Mutmaßung, sondern wurde von zahlreichen wissenschaftlichen Studien belegt: Eine zeigte, dass Narzissten in Assessment Center besser abschneiden, eine andere, dass ihnen mehr Führungsstärke zugesprochen wird, eine dritte, dass Gewissenhaftigkeit oder soziale Verträglichkeit weniger wichtig für den Aufstieg sind als Narzissmus. "Zielstrebig sein, an sich glauben, rücksichtslos sein – das sind natürlich gute Eigenschaften, um Karriere zu machen", sagt Haller. Zudem sind sie eben nicht nur zerstörerisch, sondern gelten als charismatisch, redegewaltig und visionär – bis es kippt und sie abstoßend werden und der Leidensweg für die Mitarbeiter beginnt, sind sie mitreißend und bewundernswert.

Selbstdarsteller

Jean Twenge, Professorin am Institut für Psychologie der San Diego State University,  führte mit Kollegen eine Langzeitstudie zum Thema Narzissmus unter fast 20.000   Studierenden durch: 1985 hatte nur jeder siebente Studierende eine erhöhte narzisstische Veranlagung gezeigt, 2006  war es bereits jeder vierte Studierende in den USA. „Narzissmus hat so viele negative Konsequenzen“, zitiert der schweizer Tagesanzeiger die Psychologin, „und trotzdem scheint unsere Kultur Narzissmus weitgehend zu akzeptieren.“ Mit ein Grund für die Zunahme ist für Twenge der Trend zur Selbstdarstellung: „Die modernen Technologien sorgen dafür, dass der Narzissmus zunimmt“, meinte Twenge. Das Phänomen thematisierte sie in ihrem Buch „Generation me“, einem Bestseller.    

Der iGott

Für manche Jobs sind narzisstische Manager durchaus die richtigen: Wenn es um Veränderung geht oder um bahnbrechende Innovationen. Steve Jobs ist der beste Beweis dafür – der Apple-Gründer galt als Narzisst in Reinformat. Obwohl er seine Umgebung, wie seine Biografie wissen will, terrorisierte, entwickelte sich Apple unter seiner Führung zum weltumspannenden Konzern: "1997 lag der Wert einer Appleaktie bei 3,30 US-Dollar. 2012 bei 497 US-Dollar", belegt Johannes Steyrer in seinem Vortrag. "Aber die Chance, dass Jobs in einer Klinik gelandet wäre und nicht einer der erfolgreichsten Manager der Welt wurde, war um ein Vielfaches höher", sagt Steyrer. Lange nicht alle Narzissten würden in den Olymp kommen.

Doch wie kann man mit solchen Menschen auskommen? Laut Reinhard Haller soll man sich dem Duft des Narzissten entziehen. Nicht klein beigeben, sondern auf das eigene Recht bestehen und Grenzen aufzeigen. Ihm zudem den Spiegel vorhalten und Lob dosieren. "Lob ist seine Droge. Nur wenn Sie ihn loben, lässt er Sie heran. Dann fahren Sie das Lob langsam herunter." Dann kommt ein sehr untypischer Tipp für einen Psychiater: Würde nichts nützen, bliebe nur die Flucht. Narzissten kann man nicht heilen.

(kurier) Erstellt am
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