Der erste Job ist wie der erste Freund, den vergisst man auch nie wieder

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Wirtschaft Karriere
10/06/2020

Mein erstes Mal: Die ersten 100 Tage im Job

Plötzlich ist er da: der erste Job. Wie geht es jungen Leuten damit? Der KURIER hat bei drei jungen Erwachsenen nachgefragt.

von Claudia Weber

Für Valentina war das erste Mal pure Freude. Für Philip recht einfach und für Hannah war das erste Mal mit kleinen Enttäuschungen verbunden. Drei junge Menschen, drei unterschiedliche Joberfahrungen.

Der erste Job ist wie der erste feste Freund, auch den vergisst man nie wieder. Er prägt uns und ebnet den Weg für neue Erfahrungen. Das erste Mal Arbeiten öffnet die Tür zu einer neuen Welt, wohingegen sich das Tor zur Schule schließt. Als Valentina Otzelberger diese Tür betrat, war das „wunderbar aufregend“ für die 15-Jährige. Mit Anfang August startete sie eine Lehre als Konditorin. „Obwohl ich den Betrieb schon etwas vom Probearbeiten kannte, war ich furchtbar nervös.

Außerdem hatte ich große Angst, etwas falsch zu machen. Schon am ersten Tag stellte sich heraus, dass meine Bedenken völlig unbegründet waren. Das gesamte Team ist extrem zuvorkommend. Ich wurde von Beginn an herzlich aufgenommen und die familiäre Arbeitsweise ist in einer Konditorei nicht selbstverständlich“, sagt Valentina.

Die Freude überwiegt

Fix und fertig sei sie die ersten Tage dennoch nach Hause gekommen: „Am Anfang habe ich meine Freizeit ausschließlich damit verbracht, mich auszuruhen und Schlaf nachzuholen.“ Die Freude überwiegt, aber die Anfangszeit war sehr anstrengend für Valentina: „Die größte Umstellung von der Schule in den Arbeitsalltag ist mit Sicherheit die körperliche Arbeit. Gerade wenn man in einem handwerklichen Beruf tätig ist, muss man schon eine gewisse Fitness und Ausdauer mitbringen.“ Für Valentina stand bereits nach den ersten Wochen fest, dass das Arbeiten „hundertmal besser als die Schule“ ist. „In der Schule war ich durchgehend gestresst, da ich stets die Angst hatte, nicht genügend auf Tests und Schularbeiten vorbereitet zu sein oder eine Hausübung vergessen zu haben.“

Philip Gombas ist auch froh, dass die Schulzeit endlich zu Ende ist: „Ich wollte nicht mehr lernen und fand den Übergang zur Arbeit sehr leicht.“ Der 22-Jährige machte seinen Abschluss in Informationstechnologie an einer HTL. Jetzt arbeitet er beim Verein Menschenrechte Österreich und ist dort in der Verwaltung und im IT-Support tätig. „Ich will alles richtig und eine gute Arbeit machen. Das ist mir wichtig.” Für ihn ist klar, dass es jetzt um’s Geld geht und er sich nun keine „Blödeleien“ mehr erlauben darf.

„In der Schule hatte ich mehr Spielraum, auch einmal etwas falsch machen zu können. Jetzt hätte das größere Konsequenzen. Ich kann gekündigt werden und leichter hinausfliegen als aus der Schule“, sagt Philip. Seine Schwester Hannah hat nach der Matura gleich zu studieren begonnen. Ende Juni dieses Jahres hatte sie den Bachelor in Marketing & Sales in der Tasche.

Es ist nicht so wie auf der FH

Zwei Wochen später fing sie auch schon an, in einer Privatklinik zu arbeiten. „Ich hatte bei dem schnellen Übergang gar keine Zeit für Ängste“, lacht die 21-Jährige. „Aber ich musste meine Erwartungen an den Job hinunterschrauben.“ Hannah war anfangs frustriert. „Ich dachte, wenn ich eine super Ausbildung habe, öffnen sich mir alle Türen. Mir wurde erst später klar, dass die Spitzenposition nicht gleich mit dem ersten Job kommt.“ In der Arbeit mache sie hauptsächlich Dinge, die nichts mit ihrem Studium zu tun haben. Auch das Einfinden ins Team war für die junge Frau anfangs eine Herausforderung. „Man denkt, alle hätten das gleiche Mindset. Aber es ist eben nicht so wie auf der Fachhochschule.”

Herausforderung: soziales Miteinander

Auf die Social Skills kommt es an. Darin sieht auch Arbeitspsychologin Astrid Roth eine der größten Herausforderungen für junge Leute im ersten Job. „In der Schule war man unter Gleichaltrigen. Plötzlich muss man mit unterschiedlichen Generationen zusammenarbeiten. Damit ist das Fachliche weniger eine Herausforderung für die Jobstarter als das soziale Miteinander“, sagt Roth.

Wie verhalte ich mich richtig im Job? Wie finde ich mich zurecht? Wie kann ich mich organisieren? Das sind laut Expertin die großen Fragen, mit denen Jobeinsteiger konfrontiert werden. „Plötzlich wird einen nicht mehr ständig gesagt, was man zu tun hat. Jetzt heißt es, Eigenverantwortung übernehmen und etwas Eigenes aus sich selbst heraus schaffen.”

Alles auf Anhieb können zu müssen oder keine Fehler machen zu dürfen; die Furcht davor, etwas nicht zu schaffen, das sind laut Roth die größten Ängste der Jobanfänger. „Ihnen muss bewusst sein, dass Führungskräfte Perfektion nicht verlangen. Sie geben einen die Zeit, sich einzuarbeiten und die ideal handelnde Führungskraft bindet den Neuling gut in das Team und in die Firmenkultur ein.“

Die größte Lernaufgabe für die Jobneulinge ist laut Roth zu verstehen, was Arbeit an sich und Eigenverantwortung bedeutet. Dass eine fixe Anstellung Freude und Sinn stiftet. „In der Schule konsumieren die Jungen Wissen. In der Arbeit geben sie das Wissen dann her. Zusätzlich bekommt man rasch Rückmeldung über das eigene Handeln. Daran wächst und lernt man“, erklärt Roth.

Damit die ersten Tage im neuen Job leichter fallen, rät Roth zu Mut und zum Fragen stellen. Kennt man sich wo nicht aus, solle man sich ruhig trauen, das auszusprechen. Beobachten, wie es die Mitarbeiter machen, hilft ebenfalls sich in die Firmenkultur einzugliedern.

Tauchen schwerwiegende Probleme auf, solle man zuerst mit Freunden und Eltern darüber sprechen. Dann zähle auch hierbei Offenheit und Mut, sein Anliegen in der Firma kundzutun. Roth: „Plötzlich hat man viel mehr Freiraum in seinem Schaffen, mehr als in der Schule. Damit muss man lernen umzugehen. Das Wichtigste dabei ist, dass man Vertrauen in seine Fähigkeiten hat.”

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