Lieber solo oder doch zu zweit?

Laura Karasinski, Designerin, in ihrem Atelier, Wo…
Foto: gilbert novy Grafikerin Laura Karasinski gründete im Alleingang: „Man darf sich nicht verunsichern lassen“.

Als Solopreneur arbeitet man flexibler, im Gründerteam muss man sich gut ergänzen.

Egal wohin sie kam, sie war das Mädchen mit dem Notizbuch. Den schwarzen Ledereinband hat Laura Karasinski bis heute aufbewahrt. Denn die Comics und Collagen, die Karasinski als Teenager in ihr Buch kritzelte, machten die heute 23-jährige Grafikstudentin zur Unternehmerin. Nachdem sie ihren künstlerischen Werken eine Facebook-Seite gewidmet hatte, sendeten Unternehmen erste Aufträge. Über Mundpropaganda und Empfehlungen wurden es immer mehr, „also habe ich eine Designagentur gegründet“, sagt sie. Für die Bäckerei Ströck entwarf Karasinski ein Flaschenetikett, derzeit ist sie mit einer kompletten Imagekampagne betraut. Für das Magazin „2012“ von Red Bull machte sie die künstlerische Kuration, für eine P2-Make-up-Edition von Palmers das Logo. Ganz solo.

Jeder zweite Unternehmer in Österreicher tut es allein, Tendenz steigend. Viele wollen solo gründen, sagt Gabriele Tatzberger, Chefin der Wiener Start-up-Initiative Mingo, die Gründer gratis berät: „Man kann selbst bestimmen, muss sich mit niemandem absprechen, ist flexibel.“ (siehe auch Tipps unten).

Den Schritt in die Unabhängigkeit nicht allein zu wagen, stand für Laura Karasinski nie zur Debatte. Als „Solopreneur“ ist sie Kreativdenkerin, Marketingleiterin, Gestalterin. „Klar muss man sich mit der Steuererklärung, mit Marketing auseinandersetzen“, sagt sie. „Das habe ich mir Schritt für Schritt angeeignet.“

Junge Alleinunternehmer bestärkt sie: „Man wird wegen des Alters oft nicht ernst genommen. Aber man darf sich nicht verunsichern lassen, muss zeigen, was man kann.“ Auch wenn Karasinski ihr Unternehmen solo führt, alleingelassen fühlt sie sich nicht: „Ich habe meine Buben“, lacht sie verschmitzt. Und meint Webdesigner, Fotografen und Filmemacher. Auch Tatzberger rät Solopreneurs, Kompetenzen über Netzwerke und Kooperationen ins Unternehmen zu holen: „Hier muss man stärker in Netzwerken aktiv sein.“

Ehevertrag

honorarfrei - Christoph Richter und Andreas Langeg… Foto: ZOOMSQUARE /Andreas Langegger Gründer-Duo: Christoph Richter und Andreas Langegger gründeten die Immobilien- Plattform „Zoomsquare“ Letztlich entscheiden Unternehmensidee und Geschäftsmodell, in welcher Konstellation die Gründung Sinn macht. Viele Start-ups entstehen in Gründungsteams und wachsen rasch. „Am besten ist es, sich einen Partner zu suchen, der einen ergänzt“, meint Tatzberger. Der Introvertierte und der Extrovertierte, der Kreative und der Techniker seien ein gutes Gespann.

Auch die beiden Techniker Christoph Richter, 31, und Andreas Langegger, 33, ergänzen sich gut. Ende 2012 gründeten sie die Immobilien-Plattform „Zoomsquare“. Sie lernten einander bei einem Start-up-Wochenende kennen. „Wir waren schnell auf einer Wellenlänge – wie beim Dating“ , sagt Richter. Die Alleingründung kam für ihn nicht in Frage, „ich wusste, ich brauche für meine Idee ein Team, ich bin nicht Experte auf allen Feldern.“ Mittlerweile wurde aus der OG eine GmbH, das Team besteht aus sechs Menschen. Im Duo eine Firma zu gründen, sei finanziell einfacher. Damit der „Worst Case“, die Trennung, glimpflich verlaufe, haben die beiden alle Zuständigkeiten per Vertrag geregelt, „wie in einem Ehevertrag“, sagt Richter: „Wenn einer von uns nicht mehr dabei sein will, muss er einen Teil der Anteile im Unternehmen lassen.“ Es sei wichtig, alles auszudiskutieren, ergänzt Langegger: „Man muss offen sein, Vertrauen haben.“

Egal ob allein oder zu zweit: Gründer lieben nichts mehr als ihre Unabhängigkeit. So schlug Laura Karasinski eine Fixanstellung als Junior-Art-Director bei Demner, Merlicek & Bergmann aus, „ein großartiges Angebot, aber ich wollte meine Agentur nicht aufgeben.“

Tipps

5 TIPPS FÜR EINZELGÄNGER

1. Sich einarbeiten: Überlegen Sie, wie Sie Ihr Geschäftsmodell allein hochziehen können. Eignen Sie sich nötiges Know-how an.

2. Start-up-Events besuchen: Dort lernen Sie wichtige Kooperationspartner kennen – wie den Webdesigner für die Homepage.

3. Dienstleistungen auslagern: Die Buchhaltung dem Steuerberater überlassen, dann bleibt mehr Zeit für das Unternehmerische.

4. Selbstüberschätzung meiden:Informieren Sie sich, wie sich die Idee alleine umsetzen lässt, wann Sie Mitarbeiter einstellen sollten.

5. Bauen Sie Ihr Netzwerk aus: Suchen Sie sich Unterstützung, die im Notfall – zum Beispiel bei Krankheit – aushilft.

5 TIPPS FÜR GRÜNDERPAARE

1. Den richtigen Partner suchen: Gründen Sie mit jemandem, der Sie in Fähigkeiten und Interessen ergänzt – und dem Sie vertrauen.

2. Regeln Sie per Vertrag: Egal ob bester Freund oder nicht: Zuständigkeiten und Beteiligungen müssen festgelegt werden.

3. Entwickeln Sie Strukturen:Schnelles Wachstum erfordert viel Strukturarbeit, die Definition neuer Verantwortlichkeiten.

4. Gehen Sie vom Worst Case aus:Wenn Sie befreundet sind und die Firma scheitert: Sprechen Sie über die Folgen für Ihre Freundschaft.

5. Bleiben Sie in Ihrem Bereich:Und lassen Sie Ihrem Partner den seinen. Vertrauen Sie auf seine Fähigkeiten.

(kurier / Nicole Thurn) Erstellt am
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