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Wirtschaft Karriere
09/18/2012

Leistung gewinnt, Seniorität verliert

Österreich liege bei den Einkommen im Ländervergleich gar nicht schlecht. Und: Leistung wird wichtigstes Kriterium.

von Sandra Baierl

Er ist Experte im Bereich Vergütung, führt Markt¬analysen durch und designt Gesamtvergütungssysteme für Firmen. Gregor Lötsch von Aon Hewitt kennt die Gehälter der Österreicher und Deutschen, nicht im Einzelfall, aber die Statistiken. Die weisen für Deutschland meist höhere Summen aus als für Österreich.

KURIER: Wieso verdienen die Österreicher so wenig?
Gregor Lötsch: Ganz so ist das ja nicht. Man kann die Vergleiche zu anderen Ländern nicht ausschließlich über die Bruttobeträge anstellen. Man muss die unterschiedlichen Steuern, Kaufkraft und Lebenskosten berücksichtigen. Die Gehälter in Österreich liegen nicht schlecht. Bei uns kommt netto mehr heraus, das 13. und 14. Gehalt ist steuerlich begünstigt, die Lebenshaltungskosten sind geringer als etwa in vielen Teilen Deutschlands. Sie haben aber recht, was die Einstiegsgehälter angeht: Sie sind 2011 in Deutschland stark angestiegen. Deutschland hat den Vorteil, dass die Firmenbandbreite größer ist – da gibt es richtig große Konzerne. Zudem ist das Pensionsalter höher, Mitarbeiter sind also länger im Erwerbsprozess mit höheren Einkommen. Und die Profitabilität ist anders, weil das BIP-Wachstum größer ist.

Heißt also, die Österreicher müssen zufrieden sein.
Ein Gehalt ist dann gut, wenn es fair zustande gekommen ist und der Mitarbeiter die Auffassung hat, dass er mit seiner Leistung Einfluss darauf hat.

Viele haben aber keinen Einfluss auf ihr Gehalt.
Stimmt, weil über Leistung vielleicht auf der obersten Ebene gesprochen wird, nicht aber bei einzelnen Mitarbeitern. Das ist schlecht, weil das Engagement der Mitarbeiter nicht honoriert wird. Viele Unternehmen haben Schwierigkeiten, Ziele zu setzen.

Zwingen Zielvorgaben für Mitarbeiter die Chefs zu strengeren Beurteilungen?
In gewisser Weise schon. Personalverantwortliche können keine Beurteilungen ohne die direkten Vorgesetzten abgeben. Als Chef muss man begründet zwischen den Leistungen der Mitarbeiter differenzieren und daran die Vergütung richten. Bewertung ist aber keine leichte Sache, weil man sich dadurch auch unbeliebt macht. Aber wenn die Führungskraft nicht über Leistung spricht, wer sonst?

Worauf begründen sich Gehaltssteigerungen? Seniorität wird unwichtiger.
Seniorität wird weniger wichtig, Leistung und Ziele dafür immer mehr, sowie interne Fairness und externe Wettbewerbsfähigkeit.

Zur Vergütung gehören auch Nebenleistungen.
Die Barvergütung ist nur eine Seite der Medaille, gerade bei den betrieblichen Nebenleistungen wie Pensionsplan, Dienstwagen oder Kindergarten kann viel Wert für Mitarbeiter geschaffen werden. Leider sparen Firmen gerne Leistungen aus Kostengründen ein. Sie vergessen dabei aber, dass man damit individuell und günstig auf die Bedürfnisse der Mitarbeiter eingehen könnte.

Merken Sie, dass sich die Gehaltskurven ändern? Also Jüngere höhere Gehälter bekommen, dafür aber weniger Erhöhungen haben?
Wir sehen, dass die Unternehmen die Gehaltskurve umstellen wollen, in der Praxis gibt es aber viele technische Sperren und soziale Errungenschaften, die sich nicht so leicht ändern lassen. Sie tun es also nicht. Über die Gesamtvergütungskurve könnte man aber in Zukunft einiges verändern.

Ein Beispiel?
Etwa, indem Ältere weniger Erhöhung, aber andere Leistungen bekommen, wie Gutscheine für Gesundheitsleistungen, eine Arbeitszeitverkürzung. Ich würde mir mehr Mut in den Personalabteilungen wünschen, die Gehaltsbudgets effektiv und individuell zu steuern.

Womit kann man in Einstellungsgesprächen bei Gehaltsforderungen punkten?
Für Einsteiger sind die Spielräume eng. Da sollte man nicht enttäuscht sein. Ich empfehle, zügig eine Neuverhandlung zu vereinbaren, wo man über die erbrachte Leistung sprechen kann. Neben der Leistung ist die Enge des Talentmarkts bei einer Gehaltsverhandlung entscheidend. Damit kann man pokern. Aber das ist ein hartes Zocken und man muss dann auch die Konsequenz ziehen. Ich bin aber auch hier für eine Gesamtbetrachtung: Für einen Kurs, für Gutscheine, eine Extraleistung. Hier sollte man ein bisschen kreativ sein und als Mitarbeiter seine Bedürfnisse artikulieren.

Studie: Wie die Gehälter wachsen

3,3 Prozent Österreichs Arbeitnehmer dürfen sich im kommenden Jahr auf durchschnittlich 3,3 Prozent höhere Einkommen freuen – und zwar über alle Ebenen – geht aus einer Studie der Unternehmensberater Aon-Hewitt hervor. Bei einer geschätzten Kerninflation von 2,2 Prozent macht das real 1,1 Prozent mehr in der Geldbörse. Bei den wichtigsten Faktoren für individuelle Gehaltserhöhungen deute sich indes ein Kulturwandel an: 60 Prozent der befragten heimischen Unternehmen geben Leistung als Spitzenreiter für eine Gehaltserhöhung an. Seniorität ist mit acht Prozent am wenigsten wichtig geworden.

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