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Wirtschaft Karriere
04/27/2019

Lehrlinge vor der Entscheidung: Gehen oder Bleiben?

Die Welt sehen oder zu Hause bleiben? Zwei Lehrlinge sprechen über die Wahl ihrer Lehrstelle.

von Ornella Wächter

Manche zieht es bei ihrer Berufswahl in die Stadt, andere wiederum schätzen die ländliche Idylle – beides funktioniert. Jakob Reiter fand eine Stelle als Zimmerer-Lehrling in der Gemeinde Langenstein, Tina Buschenreiter begann eine Lehre im Großhandel in St. Pölten.

„Für mich war die Nähe zum Heimatdorf wichtig“

Jakob Reiter ist Zimmerer-Lehrling in Langenstein, 20 Autominuten von seinem Elternhaus entfernt

Jakob Reiter gehört nicht zu den Jugendlichen, die erst rausfinden müssen, was sie einmal werden wollen. Bereits mit 15 war für ihn klar, dass es „etwas mit Holz“ sein muss. „Ich habe immer schon gerne mit Holz gearbeitet. Weil: Am Ende vom Tag sieht man immer ein Ergebnis.“ Auf einer Berufsmesse in Wels hatte er sich  über mögliche Ausbildungsbetriebe im Mühlviertel und Umgebung informiert.

Seine Wahl fiel auf die Baufirma Hentschläger in Langenstein in Oberösterreich, 15 km von seinem Elternhaus in Pregarten entfernt. „Das war mir wichtig.“  Sein Tag beginnt um sieben Uhr morgens auf der Baustelle – derzeit eine Jausenstation – und endet um halb fünf am Nachmittag – jeden zweiten Freitag hat er frei.

Die Firma versuche, im Jahr bis zu acht Lehrlinge auszubilden, darunter Maurer und Zimmerer, sagt Daniel Kremplbauer, der selbst eine Lehrlingsausbildung bei Hentschläger durchlaufen hatte und nun die Geschäftsführung im Bau innehat. „Wir haben aber Probleme, genügend zu finden.“

Aus diesem Grund schlossen sich mehrere Betriebe in den Gemeinden Langenstein, Luftenberg und St. Georgen an der Gusen, darunter auch die Hentschläger Bau GmbH, zum sogenannten „Wirtschaftsförderungsverein 4222“ zusammen.

„Um die Jugend abzuholen, gehen wir in  Schulen oder machen Betriebsführungen, um Dritt- bis Viertklässler und ihre Eltern vom Handwerk  zu überzeugen und um Vorurteile abzubauen. Auch eine Lehre beinhaltet viel Fachwissen.“

Eine weitere Hürde für die Betriebe sei der „der Abzug  der Jugend nach Linz“, so Kremplbauer. Die Hauptstadt liege nur wenige Kilometer entfernt. Für den Zimmerer-Lehrling Jakob Reiter war Linz allerdings nie eine  Option, er wollte seinen Freundeskreis behalten. „Ich bin lieber auf dem Land unterwegs, hier kenne ich jeden – die Stadt ist nicht so meins.“ 

Lehrstelle in der Heimat? Das sind die Vorteile: Man behält seinen Freundeskreis, die Wohnungssuche fällt weg,  spart also Geld und Wegzeit. Zudem: weniger Lehrplatz-Konkurrenz.

Das die Nachteile: Irgendwann wird das Dorf zu eng,  man sehnt sich nach neuen Erfahrungen, die Auswahl an Jobangeboten ist überschaubar.

„Für die Lehrstelle war ein Aufnahmetest nötig“

Tina Buschenreiter macht die Lehre zur Großhandelskauffrau bei Spar in St. Pölten

„Ich hab im September 2016 mit meiner Ausbildung zur Großhandelskauffrau bei der Spar begonnen. Jetzt bin ich im dritten Lehrjahr und weiß, dass ich bleiben will – am liebsten im Personalbereich. Mal sehen, ob es klappt!“

Bevor Tina Buschenreiter sich für eine Lehre im Großhandel entschied, schaute sie sich mehrere Betriebe in St. Pölten an. Doch letztendlich überzeugten sie Freunde von der Ausbildung, die  Prämien, die jedem Lehrling bei einem bestandenen „Wissenscheck“ jeden Monat winken  – und, dass das Unternehmen auch eine Lehre mit Matura anbietet.

„Zuerst musste ich aber mit 15 weiteren Bewerbern einen Aufnahmetest machen und bestehen. Dann gab es einen Schnuppertag.“ Bei Spar sei der Anspruch bei der Auswahl hoch, man verlange gute Noten, sagt Personalerin Kerstin Schläger. „Es ist nicht so leicht, eine Lehrstelle in der Spar-Zentrale zu bekommen.“

Ihre Ausbildung begann Tina Buschenreiter schlussendlich mit vier weiteren in St. Pölten. Am Ende des zweiten Lehrjahres dann die Überraschung: ein Auslandspraktikum für vier Wochen in Portsmouth, England. „Mit dem Praktikum werden Lehrlinge belohnt, die positiv aufgefallen sind und gute Noten haben“, erzählt die 19-Jährige nicht ohne Stolz.

Ihre Zeit in England war „der Wahnsinn.“ Gewohnt habe sie bei einer Gastfamilie. In den vier Wochen konnte sie nicht nur ihre Englisch-Kenntnisse verbessern, sondern auch Ausflüge nach London und in der Umgebung unternehmen. 

Suchst du nach einer Lehrstelle in der Stadt? Das sind die Vorteile: Die Stadt lockt mit einer größeren Wahl an Jobs und Ausbildungen, man erweitert seinen Freundeskreis.

Das die Nachteile: Die Konkurrenz in der Stadt ist größer und die Mieten meist höher.

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