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Wirtschaft Karriere
12/05/2011

"Konflikte salonfähig machen"

Das World Mediation Center hat in Wien seine Pforten geöffnet. Hier kann man Konflikten nicht aus dem Weg gehen.

von Andrea Hlinka

In Österreich streitet man gern, in Österreich kuschelt man gern. Von zivilisierter Konfliktkultur kann man hierzulande jedoch nicht sprechen. "Vor allem was die politische Kommunikation betrifft, haben wir hierzulande keine Konfliktkultur. Die gibt es de facto nicht", sagt Stefan Szalachy, frischgebackener Geschäftsführer des World Mediation Centers in Wien. Er plädiert dafür Konflikte salonfähig zu machen.

Die nötige Erfahrung bringt er mit, immerhin ist der studierte Jurist Kommunikationsberater. "Im Zuge meiner Tätigkeit habe ich mich immer mehr für die Konflikte in der Kommunikation interessiert, denn die größten Konflikte sind in der Kommunikation", sagt er. Und Konflikte gibt es in jedem Bereich: im zwischenmenschlichen, im innerbetrieblichen und per saldo vermehrt dort, wo es um Politik geht. "Wir kennen die Parteien, die sich mit harten Worten abgrenzen wollen. Politik besteht hierzulande aus dem Rezept, der kantigen Abgrenzung gegen andere. Das kann nicht konfliktfrei gehen", sagt er. Und wenn die Toleranz gegenüber der Gewalt im Wort vorhanden ist, ist auch die physische Gewalt nicht mehr weit.

Im World Mediation Center können Akademiker lernen mit Konflikten umzugehen und erlernen deeskalierende Strategien. 257 Menschen haben seit der Gründung vor zwei Jahren die Ausbildung abgeschlossen. Voraussetzung, um an dem Programm teilzunehmen, ist ein akademischer Abschluss und fließendes Englisch. Man arbeitet eng mit der EUCLID-Uni mit Standorten in Brüssel und in den USA zusammen, das Programm richtet sich an Menschen, die sich im UNO-Mandat in Krisengebieten aller Art einsetzen lassen wollen.

Konflikte in Krisengebieten

Die Teams, die in die Krisenregionen entsendet werden, variieren je nach Konflikt und Region. "Die Teams bestehen aus den unterschiedlichsten Menschen mit den unterschiedlichsten Hintergründen: Es sind Ärzte dabei, Psychotherapeuten, Politiker, et cetera. Wenn man in Afrika vermitteln will, braucht man natürlich ein Team das grosso modo aus der Region kommt", erklärt Szalachy.

Einzigartig am World Mediation Center ist, dass das Seminar auch in rein virtueller Form
abgeschlossen werden kann. Ein Paradoxon, da sich ein wesentlicher Teil von Kommunikation jenseits des gesprochenen Wortes abspielt. "Es hat den Vorteil, dass die Ausbildung sehr flexibel gestaltet ist", sagt Szalachy. Beweisen muss man sich eben auch online und dann vor allem vor Ort.

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