Wirtschaft | Karriere
22.06.2017

Karriere nach der Flucht

Eine Reihe von Unternehmen hat gute Erfahrungen mit der Integration von Flüchtlingen gemacht. Spar und Ströck sind zwei davon. In zehn Wochen werden Flüchtlinge dort auf die Lehraufnahmsprüfung vorbereitet.

Wissen sie überhaupt, was eine Lehre ist? Wie und wo kann man sie am besten einsetzen? Wer ist für eine Lehre geeignet? Wie ist das rechtlich? Es gibt viele Unbekannte, wenn Arbeitgeber asylberechtigten Jugendlichen eine Chance in ihrem Unternehmen geben wollen. Und trotzdem lassen sich manche Firmen nicht davon abhalten. Spar ist so ein Unternehmen, ebenso wie Ströck.

Beide Unternehmen sind Partner in einem neuen Qualifizierungsprojekt für asylberechtigten Jugendliche. Es trägt den passenden Namen: "Step in". An zwei Tagen der Woche absolvieren seit 27. Februar bei Spar und Ströck gesamt 40 Jugendliche mit großteils Fluchthintergrund, in Wien und der Steiermark (zehn davon sind bei Ströck) ein Betriebspraktikum. An den anderen Wochentagen müssen sie Deutsch- und Wertekurse besuchen. Zehn Wochen dauert das Programm insgesamt. Das Ziel ist, die Lehraufnahmsprüfung, die am kommenden Montag stattfindet, zu schaffen. Diese Prüfung und ein Gespräch entscheiden, ob sie eine Lehre beginnen können oder nicht – und damit einen ersten Schritt in den österreichischen Arbeitsmarkt setzen werden.

chancen:reich

Erste Kontakte knüpfte Spar vergangenes Jahr bei chancen:reich, der ersten Berufsmesse für Menschen mit Fluchthintergrund. Vor Ort war damals Robert Renz, Leiter der Spar-Akademie. Er sagt: "Dort war die Masse. Uns wurde schnell klar, dass es unsere Möglichkeiten überschreitet, so ein Programm selbst zu organisieren."

Man holte sich einen Profi: den Bildungsträger ibis.acam, der das Pilotprogramm gemeinsam mit der WKO Inhouse GmbH entwickelte, gefördert wird es durch den Bund. 160 geflüchtete Jugendliche wurden vom AMS zu einem Infotag geschickt, 120 sind hingegangen, 40 wurden genommen.

Mojiba Farhan aus Afghanistan ist bereits im ersten Lehrjahr bei Spar und spricht fließend Deutsch. Und das, obwohl er erst 2013 nach Österreich gekommen ist. Renz hat ihn bei chancen:reich angesprochen und ihn ermutigt, eine Bewerbung zu schicken. Er traute sich am Anfang nicht, tat es dann doch. Heute wirkt Mojiba Farhan zufrieden: "Ich habe die Chance bekommen, eine Lehre zu machen."

Tatsache ist, dass Unternehmen oft Schwierigkeiten haben, offene Lehrstellen zu besetzen. Es ginge ums Wollen, sagt Alois Huber, Spar-Geschäftsführer der Sparzentrale St. Pölten. "Und das ist nicht von der Nationalität abhängig." 2017 werden 400 Mitarbeiter alleine für die Feinkost, alleine für die Region Wien, Niederösterreich und das nördliche Burgenland gesucht.

Diejenigen, die dann tatsächlich eine Lehre in den Betrieben machen, könnten nicht besser darauf vorbereitet sein. "Sie wissen, was auf sie zukommt, wie wir ticken und was sie wollen", sagt Huber. Effektiver kann Rekrutierung kaum sein.

„Step in“ bringt Betriebe und potenzielle Lehrlinge zusammen

Bei „Step in“ handelt es sich um eine österreichweite Privatinitiative, die gezielt mit dem Arbeitsmarktservice und verschiedenen Betreuungseinrichtungen zusammenarbeitet. Das Pilotprojekt bietet eine enge Kooperation mit großen Betrieben, die Bedarf an Lehrlingen aufweisen. Den Teilnehmern entsteht so der Vorteil eines konkreten Anknüpfungspunktes für ein Lehrverhältnis. Die Betriebe sind ihrerseits in die Auswahl und Qualifizierung der potenziellen Kandidaten aktiv eingebunden. Diese werden an den Unternehmenstyp angepasst ausgewählt und gezielt auf die berufliche Tätigkeit vorbereitet. Der Verein Wirtschaft für Integration hat ein Format gegründet, wo Initiativen wie „Step in“ in kleinem Rahmen vorgestellt werden : die „Tea Time“.