Simon Huber ist der „Head-Barista“ im Kaffemik. Jedes Monat wird eine andere europäische Kaffeerösterei präsentiert

© KURIER/Gilbert Novy

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08/18/2014

IT-Nerds eröffnen Barista-Bar

Sechs selbsternannte Nerds brauen seit Juni in der Zollergasse besten Filterkaffee.

von Nicole Thurn

Simon Huber hantiert an der La Marzocco, ihr poliertes Edelstahl glänzt im hellen kleinen Raum des "Kaffemik". Doch der wahre Kaffeegenuss kommt hier nicht nur von Melange und Caffe Latte der automatisierten Espressomaschine. Sondern vor allem von einem Keramikfilter oder einem Plastikzylinder namens Aeropress. Im Kaffemik gibt es nämlich auch Filterkaffee der erlesenen Sorte. Am besten ohne Milch. "Third Wave Coffee" nennt man den Kaffee mit Baristaqualität.

"Wenn man Kaffee schmecken will, ist Filterkaffee die bessere Form", sagt Simon Huber. Mit fünf Freunden hat er im Juni die Barista-Bar in der Zollergasse 5 nahe der Wiener Mariahilfer Straße eröffnet. Auf knapp 15 Quadratmetern gibt es nicht viel: eine Theke, drei runde Minitische mit Holzstühlen, eine Stellage mit Zubehör. Mehr braucht es auch nicht, das Kaffemik konzentriert sich auf das Wesentliche – auf internationalen und heimischen Kaffee.

IT und Kaffee

Es begann, als fünf IT-Experten im Gemeinschaftsbüro überlegten, wo sie richtig guten Kaffee herkriegen könnten. "Außer dem Starbucks ums Eck gab es im siebten Bezirk wenig", erzählt Philipp Markovics, einer der fünf. Irgendwann bemerkten sie beim Blick aus dem Fenster, dass das Lokal gegenüber leer stand. Vier Tage später unterschrieben sie. Zehn Tage später folgte die Schlüsselübergabe. Am 11. Tag standen die Gründer mit Bohrmaschine und Malerfarbe im leeren Lokal. Programmierer Michael Huber ist Geschäftsführer, die anderen vier mischen als Teilhaber mit, ihre IT-Jobs haben alle behalten. Ihre Kenntnisse nutzen sie fürs Kaffemik, haben etwa das Kassasystem programmiert.

Den Sechsten im Bunde holte Michael Huber dazu. Sein Bruder, Philosophie-Doktorand Simon , arbeitet täglich im Lokal. Er stieß dazu, "weil wir fünf zwar Kaffee-Nerds waren, aber uns die Expertise fehlte", sagt Markovics. Die hatte Simon Huber als Autodidakt erlangt: "Ich habe Kaffee gern von Röstereien in Wien gekauft und zu Hause Kaffeeverkostungen veranstaltet", erzählt er. Als Chef-Barista ist der 26-Jährige auch für die Einschulung der Mitarbeiter zuständig. Ratschläge holte er sich von Kaffee-Experten wie Robert Gruber vom "POC" in der Josefstadt, Kaffeerösterin Johanna Wechselberger beliefert das Kaffemik mit der Hausmarke.

Groß geplant haben die Sechs nicht. "Erst wenn etwas von den Kunden oft genug gefordert wird, wird es angeschafft", sagt Philipp Markovics. "So verschwenden wir kein Geld für unnötige Sachen."

Neue Röster

Jedes Monat stellt Kaffemik eine andere europäische Rösterei zur Verkostung vor, an die man über die Webseite www.kaffemik.at auch online-Bestellungen abgeben kann. Der Vorteil: "Die Qualität des Kaffees ist hoch, die kleinen Röstereien haben direkten Kontakt zu den Kaffeebauern", sagt Philipp Markovics. Ausfindig machen die Jungs die Röstereien auf ihren Reisen. "Wenn einer von uns auf einer Tagung ist, ist der erste Weg ins beste Café der Stadt", sagt Markovics. Im Juni waren es die Berliner Röster The Barn, im Juli The Coffee Collective aus Dänemark, im August Third Floor Espresso aus Dublin. Mit jeder neuen Kaffeeröstung wird experimentiert und die beste Braumethode dokumentiert. Über die Aromen geraten die "Kaffee-Nerds", wie sie selber sagen, ins Philosophieren: "Kaffee hat mehr Geschmacksnoten als Wein", sagt Simon Huber, "Filterkaffee hat viel mehr Komplexität als Espresso", betont Philipp Markovics.

Das Barista-Equipment gibt es auch zu kaufen: Wasserkannen, Filter, den Tamper, um den Kaffee ins Sieb zu stopfen. "Wir wollen keine Snobs sein, die alles besser wissen", meint Huber. "Wir wollen, dass die Kunden es zuhause selbst ausprobieren." In Zukunft planen sie Verkostungen und ein Kaffee-Abo.

Ansonsten ist ihr Ziel, dass alles so gut läuft wie bisher: Der Break Even ist bereits erreicht.

Simon Huber und Philipp Markovics über wenige Pläne und viele Fragen

  1. Finanziere alles selbst. Wir wollten keine Investoren, die uns die Suppe versalzen oder uns zu viel dreinreden. Damit wir sechs Investoren uns nicht in Diskussionen verlieren, gibt es auch unseren Geschäftsführer Michael Huber – er entscheidet letztlich, wie was gemacht wird.
  2. Hab’ keine Angst davor, selbst anzupacken. Keiner von uns war ein Spezialist bei der Renovierung, beim Deckenabreißen oder beim Ausmalen. Wir haben es einfach gemacht und es hat funktioniert, ohne dass wir viel Geld ausgeben mussten.
  3. Frag’ die Konkurrenz um Rat – und gib dein Wissen weiter. Wir haben viel von anderen Baristas und Café-Betreibern gelernt, einfach, weil wir ihnen Fragen gestellt haben. Alle haben stets bereitwillig geantwortet. Ein Café-Betreiber hat uns beispielsweise eingeladen, ihm beim Rösten zuzuschauen. Wir geben unsere Tipps ebenfalls weiter.
  4. Businessplan muss nicht sein. Wir hatten keinen Businessplan, sondern eine Milchmädchenrechnung. Das heißt aber nicht, dass wir keinen Plan hatten. Wir wollten nur durchs Tun lernen und erst einen Einblick bekommen. Wenn wir genug Parameter haben, werden wir einen Businessplan für die Zukunft machen.
  5. Kenn’ dich gut mit deinem Produkt aus. Auch wenn du dir eine teure Ausbildung nicht leisten kannst – lerne so viel wie möglich über deine Produkte – durch Bücher, Ausprobieren oder Beratung durch erfahrene Unternehmer.
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