Investorinnen: "Glaubt an die Weltherrschaft"

Andrea Hlinka…
Foto: /Andrea Hlinka Diskutierten am Pioneers Festival  in der Wiener Hofburg über „Women Entrepreneurs, Access to Capital  and the hard Truth“: Anne Ravanona, Aurore Belfrage,  Anu Bhardwaj und Urska Srsen (v. li.)

Frauen spielen eine zunehmend wichtige Rolle als Investorinnen und Gründerinnen

Die Investoren- und die Entrepreneur-Szene ist nach wie vor von Männern dominiert: 80 bis 95 Prozent des Kapitals, das in Start-ups investiert wird, liegt in Männerhand – und die wiederum investieren, aus den unterschiedlichsten Gründen, eher in Männer. Doch wo sind die Frauen? Immerhin haben sie laut Anu Bhardwaj, Gründerin der Initiative "Women Investing in Women", weltweit über ungezählte Milliarden Dollar die Entscheidungsmacht. Obwohl sie auch in der Start-up- und Investorenszene eine zunehmend wichtige Rolle spielen, sind sie noch immer kaum sichtbar. Das muss sich ändern , findet Bhardwaj und diskutierte darüber mit Anne Ravanona, Aurore Belfrage und Urska Srsen. Nirgends wäre die Diskussion besser aufgehoben als auf einem Podium im Rahmen des Pioneers Festivals in der Wiener Hofburg. Schade nur, dass an diesem Mittwoch Vormittag nur eine Handvoll Männer zuhörte. Hier ihre Erfahrungen und Tipps für Gründerinnen:

  1. Frauen sollen größer denken Männer investieren großteils in Männer, weil die investstarken Tech-Start-ups eben nicht von Frauen gegründet werden, weil Frauen zu detailverloren sind und weil sie zu wenig selbstbewusst verhandeln. "In meinen Interviews hat sich gezeigt, dass Gründerinnen viel weniger Kapital fordern als Gründer", sagt Anne Ravanona. Ravanona ist CEO von "Global Invest Her", einer Plattform, die Gründerinnen dabei hilft, schneller an Kapital zu kommen. 500.000 Dollar, mehr an Finanzierung würden Frauen laut Ravanona nicht fordern. Das Problem dahinter: Ist das zu wenig, muss in einer neuen Finanzierungsrunde erneut Geld eingesammelt werden. Das kostet Energie und nicht zuletzt Unternehmensanteile. "Frauen sollen nach dem großen Geld fragen", sagt Ravanona. Frauen würden sich bei Investorengesprächen zudem gerne in Details verlieren, während die Investoren gerne direkt zum Punkt kämen. "Global Invest Her" launcht daher demnächst ein Webinar, dass Frauen dabei helfen sollen, zu verstehen, wie Männer ticken – um diese beim Pitch überzeugen zu können.
  2. Glaubt an die Weltherrschaft "Entrepreneurin zu sein ist beängstigend – jeden Tag. Aber traut es euch zu und gebt euch die Freiheit, an die Weltherrschaft zu glauben", sagt Aurora Belfrage. Die Schwedin weiß wovon sie spricht: Gründete sie doch zuerst Wrapp, ein globales Gift-Card-Start-up und erst kürzlich die Online-Nachrichten-Seite www.yourmiddleeast.com. Mit der Webseite legt Belfrage einen Fokus auf den positiven Wandel in der Region und versucht Entrepreneurinnen vor den Vorhang zu holen. Denn Frauen sind oft zu schüchtern und warten auf eine Einladung, sich präsentieren zu dürfen – während Männer einfach durch die Tür gehen. Belfrage rät, sich immer und überall als Entrepreneurin zu outen und mit jedem über das Start-up zu sprechen, auf Konferenzen, beim Abendessen oder im Supermarkt.
  3. Sucht den richtigen Investor Urska Srsen gewann mit ihrem Start-up Bellabeat vergangenes Jahr die Pioneers Festival Start-up Competition. Seit ihrem Sieg vor einem Jahr ist bei der Mittzwanzigerin und ihrem Co-Gründer viel passiert: Bellabeat, mit dem Schwangere unter anderem den Herzschlag ihres Babys verfolgen können, wurde in den Start-up-Accelerator Y-Combinator aufgenommen. Sie expandierten in die USA und sammelten im vergangenen Mai satte 4,5 Millionen Dollar in einer Finanzierungsrunde ein. Srsen rät: "Nur der richtige Investor macht dich stark – man muss sich genau überlegen, wen man im Unternehmen haben will." Ob man einen Scheck von einem unsympathischen Investor annehmen soll? "Niemals."
(kurier) Erstellt am
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