Wir sind ja so gut drauf: Dem Chef gute Laune vorzuspielen, ist menschlich – aber kontraproduktiv.

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Studie
02/06/2015

Immer schön lächeln

Mitarbeiter sind vorm Chef besonders gut drauf – aus reinem Kalkül.

von Nicole Thurn

Die Projektmanagerin ist auf 180. Tagelang hat sie sich mit dem Bericht abgerackert, wenig geschlafen, mit dem Ehemann noch morgens wegen gestritten. Jetzt will auch noch der Chef eine unnötige Lagebesprechung – als ob es nicht schon genug zu tun gäbe. Doch kaum betritt sie das Besprechungszimmer, ist sie bester Laune und flötet ein fröhliches "Guten Morgen" in Chef-Richtung.

Das kennen wir. Von den lieben Kollegen, die supermotiviert und supergutdrauf sind, sobald der Vorgesetzte in Sichtnähe herumschwirrt. Von der bärbeißigen Vorstandssekretärin, die wie Zerberus das Büro des Oberbosses bewacht und zum Lämmchen mutiert, wenn dieser hereinspaziert. Wenn wir ehrlich sind, kennen wir das auch von uns selbst. Obwohl wir uns niemals als Schleimer bezeichnen würden. Niemals.

Das, was wir dunkel erahnen, hat nun auch eine US-Studie der University of North Carolina herausgefunden, wie das Wall Street Journal berichtet: Mitarbeiter machen ihren Chefs beste Laune vor, auch wenn sie in Wahrheit im Keller ist. Der Grund liegt auf der geballten Hand: Sie wollen sich profilieren.

Das Forscherteam rund um Jane Shumski Thomas wählte 150 Vollzeitmitarbeiter aus, die regelmäßig an Besprechungen teilnahmen. Per Fragebogen mussten sie beantworten, ob sie den Kollegen gute Laune vorspielten. Sie mussten auch angeben, wer sonst noch am Meeting teilgenommen hatte. Das Ergebnis: War eine höhergestellte Person im Raum anwesend – egal, ob direkter Vorgesetzter oder jemand anderes in einer höheren Funkion – tendierten die Befragten dazu, ihre wahren Gefühle zu verschleiern und betont gut drauf zu sein.

Mit dem Schönwettergesicht tun die Mitarbeiter aber weder sich selbst noch ihren Vorgesetzten etwas Gutes: Das ungeschminkte Feedback, dass sich Chefs – mehr oder weniger – wünschen, das aber jedenfalls für effiziente Ergebnisse und Zusammenarbeit wichtig wäre, bekommen sie von den Mitarbeitern nicht. Und: Das So-tun-als-ob kann für die Dauerlächler ganz schön anstrengend sein, wie die Studie zeigt: Die Befragten fühlten sich nach dem Schönwetter-Meeting deutlich unzufriedener als davor. Die Ursache liegt daran, dass das Sich-Verstellen viel Energie koste, erklärt Studienleiterin Jane Shumski Thomas dem Wall Street Journal: "Auch wenn die Mitarbeiter positiv agieren, die darunterliegenden negativen Gefühle sind dennoch vorhanden." Vor allem in Jobs, die hauptsächlich aus Meetings bestehen, gilt daher: Das falsche Lächeln lieber einstellen und authentisch sein.

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