„Ich komme aus dem Umfeld punkiger Autodidakten“

David Schalko, Superfilm, Zieglergasse 1 © Bild: gilbert novy

Regisseur und Buchautor David Schalko wäre fast ein Wirtschaftsfuzzi geworden

Sein Büro sieht aus wie eine Studentenbude: Laptop und loses Papier, ein Unterleiberl hängt am Sessel, Zeugs auf dem Boden, an der Wand lehnt Thomas Bernhard. Hunderte Bücher stehen im Regal. Alle gelesen? „Fast“, sagt David Schalko, „das macht einen aber auch nicht g‘scheiter.“ Der Filmemacher und Schriftsteller ist zurückhaltend, leise. Er ist kein Egomane. Politisch bezeichnet er sich als „rational-links“. Als Kind wollte der Inhaber der Produktionsfirma „Superfilm“ Atlantis entdecken, heute will er nur „schöne Kinofilme und schöne Bücher“ machen. Ein Buch, ein Film, lautet sein Arbeitsrhythmus.

KURIER: Dein neuer Roman KNOI ist fertig. Worum geht’s?

David Schalko: Sag’ ich noch nicht. Erst wenn er rauskommt, im Herbst.

Igelst du dich fürs Schreiben ein?

Regelmäßig. Ich schreibe meist hier im Büro. Am Anfang und am Ende fahr’ ich auch aufs Land oder in ein Hotel – wo man was zu essen kriegt und einem das Bett gemacht wird.

Du bist als 20-Jähriger am Reinhardt-Seminar gescheitert.

Das war ein halbherziger Versuch. Aus mir wäre ein mittelmäßiger Schauspieler geworden.

Dann hast du Wirtschaft an der WU studiert. Deinem Vater, dem Banker, zuliebe?

Damit aus dem Buben was wird. Ich wollte schreiben, aber nicht arbeiten. Also hab’ ich mir ein leichtes Studium gesucht, das mich nicht interessiert.

Und du hast es durchgezogen?

Fast. Zehn Semester lang. Zwei Prüfungen haben noch gefehlt. Zehn Jahre später haben meine Eltern aufgehört, zu fragen, wann ich fertig studiere (lacht).

Wie hast du das Studentenleben in Erinnerung?

Viele Feste, wenig Schlaf. Eine unbeschwerte Zeit.

Dein Ausstiegsszenario war die Sendung „ Zap“ auf Wien 1.

Ja, der Schwager meines besten Freundes hatte eine Produktionsfirma. Ich habe ihm ein Konzept geschrieben. Damals bei Wien1 haben sie eh jeden genommen. Ich kannte niemanden beim Fernsehen und hab’ den Robert Palfrader gefragt, ob er moderieren will.

… der sein Cafe Thorberg verkauft hat, um nicht Alkoholiker zu werden, hat er mir mal erzählt.

Ja, das war für alle Beteiligten besser so (lacht). Ich war dort Stammgast.

Wärst du ohne „ Zap“ ein Wirtschaftsfuzzi geworden?

(überlegt) Versicherungen … Puuh, schwer zu sagen.

Bist du eher Schriftsteller oder Regisseur und Produzent?

Ich sehe mich als Schreibenden. Eigentlich wollte ich nur schreiben und nix mit Film machen. Aber davon konnte ich nicht leben. Regie mach’ ich, um meine Texte zu beschützen. Ich fühle mich zu wenig als Regisseur, um fremde Texte umzusetzen, schreibe aber gern mit anderen ein Drehbuch.

Wie war das Drehbuchschreiben mit Josef Hader für „Der Aufschneider“?

Harmonisch, fruchtbar. Wir kennen uns ja schon länger, ich habe viel von ihm gelernt. Wir hatten nicht viel Gesprächsbedarf – wo der eine dem anderen sagt: Das ist ein irrsinniger Schas.

Wie hast du es geschafft, Schriftsteller zu werden?

Naja, geschafft. Ich kann ja auch nicht davon leben. Die Verlage sind kommerzieller geworden, jeder will den Buchpreis gewinnen. Keine leichten Zeiten, wenn man experimentell schreibt.

Nach „ Zap “ wurde es eine „Sendung ohne Namen“ ...

Der ORF hatte die Idee zur Donnerstag Nacht. Fred Schreiber und ich haben das Konzept geliefert – hätten aber nicht gedacht, dass es irgendwer haben will. Es war ja sehr avantgardistisch.

Auch die Serie „Braunschlag“ war sehr schräg. Warum kommt das bei der breiten Masse an?

Die Leute wollen nicht immer das Gleiche sehen. Ich denke, der Zuschauer wird hier oft unterschätzt.

Braucht es Kontakte, um in die Filmszene zu kommen?

Die ergeben sich durchs Tun. Gute Arbeit ist die beste Rezeptur, um weiterzukommen. Es ist halt schwierig, es gibt wenig Geld. Ich habe auch lange gekämpft. Aber da muss jeder durch, da braucht es auch Glück. Und die Filmakademie? Du bist ja Autodidakt.

Ja, wir kommen aus einem punkigen Autodidakten­umfeld. Kunst ist ein weites Feld. Es schadet nicht, auf der Filmakademie gewesen zu sein. Aber ich kenne wunderbare Regisseure, die keine Ausbildung haben.

Deine Eltern?

Sind mittlerweile eh zufrieden, glaube ich.

David Schalko wuchs in Wien auf. Nach Ablehnung durch das Reinhardt-Seminar studierte der heute 40-Jährige Wirtschaft, veröffentlichte einen Lyrikband. 1997 führte er Regie bei der Sendung „ Zap“ auf Wien1, kam 2002 für die „Sendung ohne Namen“ zum ORF. TV-Formate: „Sunshine Airlines“, „Willkommen Österreich“, „Donnerstag Nacht“. Filme: „Heaven“, „Das Wunder von Wien“, „Der Aufschneider“, Serien: „Die 4 da“, „Braunschlag“. Bücher: „Frühstück in Helsinki“, „Die weiße Nacht“. Er hat soeben ein Filmdrehbuch mit Daniel Kehlmann verfasst, arbeitet an einer TV-Serie. Sein Roman „KNOI“ erscheint im Herbst.

Erstellt am 11.03.2013