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Öffi-Sperren in Österreich: Darf man jetzt mehr Homeoffice fordern?

Bei Sommer-Streckensperren wird die Anreise ins Büro schnell zur Qual. In welchen Situationen man mehr Homeoffice einfordern kann und was man unbedingt bedenken sollte.
Frau im Homeoffice vor Laptop und Monitor bei Videokonferenz.

Diesen Sommer darf man wieder mit längeren Fahrzeiten und Umwegen rechnen. Ein wesentlicher Grund dafür sind zahlreiche Öffi-Baustellen und Streckensperren, die über die Sommermonate in ganz Österreich eingerichtet sind. Besonders herausfordernd ist die Situation in Wien mit Bauarbeiten bei der U4 und auf der S-Bahn-Stammstrecke sowie Bim-Haltestellen, die plötzlich woanders stationiert sind.

Spätestens jetzt wünschen sich gestresste Öffi-Nutzer, die in der glühenden Sommerhitze ins Büro eilen müssen, das Homeoffice mehr denn je zurück. So würde man sich immerhin die verlängerte Anreise, Umwege, Verspätungen und Nerven ersparen. Ganz so einfach scheint diese Forderung aktuell jedoch nicht zu sein. Homeoffice wurde in den vergangenen Monaten – nach dem Vorbild des Silicon Valley – vielerorts zurückgefahren. Begründet wird es damit, dass man die Mitarbeiter wieder im Büro sehen wolle, um Kreativität, Teamgeist und Unternehmensbindung zu stärken. Trotzdem: Darf man in gewissen Situationen mehr Homeoffice einfordern?

Wer Gefragtes hat, der kann fordern

Dass Homeoffice nach wie vor ein großes Thema ist, zeigte ein Pressegespräch am Dienstag. Beim ersten Wolkenrot HR-Panorama diskutierten Julie Gruber (CEO, Wolkenrot), Gabriela Loreth-Kurz (CFO, Österreichisches Rotes Kreuz), Reinhard Pachner (Leiter Personal, RAG Austria AG) und Martin Strohschneider (CFO, Insulation Technology Group) über aktuelle Entwicklungen am Arbeitsmarkt. Der Wunsch nach mehr Homeoffice wurde dabei mehrfach angesprochen, besonders im Kontext der „fordernden“ Generation Z.

Laut HR-Expertin Julie Gruber kommt es bei solchen Forderungen stark auf die jeweilige Situation und auch auf die Person an: „Wenn man qualifiziert ist und etwas mitbringt, das gefragt ist, kann man fordern. Es ist eine Verhandlungssache“, meint sie. Nach dem Prinzip: Wer hat, der kann.

Ähnlich erlebt es Martin Strohschneider von der Insulation Technology Group in seinem Unternehmen, wie er während des Pressegesprächs berichtet. „Homeoffice ist in der heutigen Zeit auf jeden Fall möglich“, sagt er. Allerdings teilt er auch die Meinung jener Konzerne, die ihre Mitarbeiter wieder zurück ins Büro rufen. Denn langfristig könne es sich negativ auf das Team auswirken, „wenn man keinen Aufenthaltsort oder Platz hat, an dem man regelmäßig zusammenkommt. Der Zusammenhalt leidet.“

Deswegen sei die Regelung in seinem Unternehmen klar: Man bleibt flexibel. Mitarbeiter können an zwei Tagen pro Woche im Homeoffice arbeiten. Gleichzeitig gibt es aber Kerntage, an denen alle im Büro sein müssen. Und was sagt das Arbeitsrecht zu Homeoffice-Sonderregelungen?

Eine Win-win-Situation für alle Beteiligten 

Die Arbeiterkammer Wien gibt darauf eine recht klare Antwort: Homeoffice ist Vereinbarungssache: „Das heißt, grundsätzlich kann man in jedem Betrieb mit dem Arbeitgeber Homeoffice vereinbaren, aber es gibt kein Recht auf Homeoffice.“

Dennoch ergänzt HR-Expertin Tina Krainer von Wolkenrot, dass es im Sinne moderner Arbeitsformen nützlich sei, wenn Arbeitnehmer das Thema aktiv ansprechen und beim Arbeitgeber mehr Homeoffice anfragen würden. Für verzweifelte Öffi-Nutzer bedeutet das: Ein konstruktives und lösungsorientiertes Gespräch suchen.

„Arbeitnehmer sollten nicht nur den eigenen Wunsch nach mehr Flexibilität in den Vordergrund stellen, sondern auch aufzeigen, welchen Nutzen eine Homeoffice-Regelung für den Betrieb haben kann“, erklärt Krainer. Gerade in besonderen Situationen – etwa bei Streiks, Streckensperren oder anderen Problemen bei der Anreise – könne eine Homeoffice-Vereinbarung für beide Seiten hilfreich sein.

„Arbeitnehmer können dadurch ihre Arbeit zuverlässig erledigen und stehen weiterhin für Kundenanfragen oder betriebliche Aufgaben zur Verfügung. Gleichzeitig vermeidet der Arbeitgeber Ausfälle oder Verspätungen.“

Klar ist für die Expertin: „Wenn Arbeitnehmer ihre Anliegen gut begründen und zeigen, dass sie weiterhin Verantwortung für ihre Aufgaben übernehmen, wird der Wunsch nach mehr Flexibilität oft positiv wahrgenommen.“ Gleichzeitig sollten Betriebe jedoch darauf achten, auch an Beschäftigte zu denken, für die Homeoffice keine Option ist. „Eine ausgewogene Gestaltung der Arbeitsbedingungen und ergänzende Benefits können dazu beitragen, Akzeptanz im gesamten Team zu schaffen und ein faires Miteinander zu fördern.“

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