GenZ versetzt ihre Arbeitgeber in eine Schockstarre
„Erfahrene und qualifizierte HR-Leute sind auf Jobsuche. Das empfinden wir als besorgniserregend“, sagte Julie Gruber, CEO von Wolkenrot, beim ersten Wolkenrot HR-Panorama am Dienstag. Eine Aussage, die zum Nachdenken anregt. Denn der Trend zeigt sich längst auch in vielen anderen Branchen, nicht nur im Personalmanagement: Der Arbeitsmarkt hat sich gedreht, Arbeitgeber sitzen wieder am längeren Ast.
Umso mehr stellt sich die Frage, wie viel man als Arbeitnehmer derzeit überhaupt fordern kann – wenn selbst topausgebildete Kräfte ins Straucheln geraten und junge Akademiker nur schwer in den Arbeitsmarkt finden.
Die fordernde GenZ
Es wird trotzdem weiter gefordert, wie aus dem Expertengespräch hervorgeht. Vor allem die jüngeren Generationen lassen sich von Krisen offenbar nicht beirren. Gabriela Loreth-Kurz, CFO des Österreichischen Roten Kreuzes, beobachtet bei manchen Unternehmen sogar eine gewisse Schockstarre, wenn junge Mitarbeiter mehr fordern. „Sie haben ganz klare Vorstellungen – sie wissen, was sie wollen oder nicht wollen.“
Damit seien manche Führungskräfte überfordert, weil sie sich bislang zu wenig damit beschäftigt hätten. Das müsse sich ändern: „Eine Beziehung funktioniert nur dann gut, wenn es eine Balance, einen Ausgleich gibt zwischen denen, die etwas wollen, und denen, die etwas geben“, sagt sie.
Hätten junge Menschen klare Vorstellungen, müssten Führungskräfte auch klare Botschaften senden. „Es ist eine Führungsaufgabe, die jungen Leute abzuholen und dafür zu sorgen, dass alle gut andocken können.“ Zugleich sei nicht jede Forderung allein über Gehalt oder Benefits zu lösen. „Wenn das Umfeld passt und man mit dem Team und der Arbeit glücklich ist, kann vieles auch ein bisschen schlechter sein.“ Entscheidend seien dafür eine gute Feedbackkultur und eine solide Kommunikationsbasis.
Ein weiterer Wandel
Laut Reinhard Pachner, Leiter Personal bei der RAG Austria AG, werde sich der Arbeitsmarkt ohnehin weiter wandeln. „Wir haben einen Arbeitgebermarkt. Jetzt wechselt es wieder. Gesucht werden nun Mitarbeiter mit Qualifikationen, die selten sind. In gewissen Bereichen gibt es noch nicht so viele ausgebildete Leute, schon gar nicht mit Erfahrung.“
Hinzu komme der demografische Wandel: „Mittel- bis langfristig wird man überlegen müssen, die Unternehmenskultur auch Gen-Z-freundlich zu gestalten.“ Schwierig sei das aus seiner Sicht nicht. Es brauche idealerweise mehr Einbindung in Entscheidungen, regelmäßiges Feedback und sinnstiftende Arbeit. „Mit diesen drei Themen ist man schon gut dabei.“
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