Wer bietet noch Homeoffice in Österreich?
Bei Amazon werden die Mitarbeiter überwacht. In Kategorien eingeteilt, wer oft im Büro ist, wer sich selten (oder gar nicht) blicken lässt. Homeoffice ist Geschichte und wer das beim Megakonzern nicht akzeptiert, muss mit den Konsequenzen rechnen. Diese Informationen sind dem Business Insider durch ein internes Dokument kürzlich zugespielt worden. Darin ist von einem Anwesenheits-Dashboard die Rede, mit dem Führungskräfte ihr Team im Auge behalten sollen. „Seit mehr als einem Jahr stellen wir Managern Tools wie dieses zur Verfügung, um herauszufinden, wer in ihrem Team möglicherweise Unterstützung bei der täglichen Arbeit im Büro benötigt“, erklärt ein Amazon-Sprecher dem Online-Medium.
Amazon zählt zu den Extrembeispielen, ist mit diesem Zugang aber nicht allein. Der Meta-Konzern, Google und andere große Firmen fahren einen ähnlichen Kurs. Das Anwesenheits-Dashboard findet man seit vergangenem Jahr auch in Deutschland beim Berater PwC. „Return to Office“ (RTO), also Rückkehr ins Büro, ist mittlerweile ein offizieller und gern genutzter Business-Begriff, der genau ausdrückt, was sich viele Arbeitgeber aber nicht laut aussprechen trauen: Man will die Mitarbeiter nicht zu Hause, sondern im Büro sehen.
So lebt Österreich Homeoffice
Doch nicht alle Firmen ticken so. Neat ist ein international tätiger Anbieter für Videokonferenzen – also ebenfalls ein Tech-Spezialist. Seine Homeoffice-Strategie ist eine gänzlich andere. Persönliche Treffen einmal im Jahr sind „absolut ausreichend“, sagt Talia Hamilton, Director Global Talent Management, zum KURIER. „Wir haben gelernt, dass Zusammenarbeit weit weniger von physischer Nähe abhängt, als viele glauben.“
Zwei extreme Ansätze – doch wie handhaben Unternehmen in Österreich das Homeoffice?
Der KURIER hat nachgefragt, 30 namhafte Unternehmen quer durchs Land kontaktiert. Ergründet, wie Homeoffice aktuell gelebt wird. Ob es ausgebaut, verringert oder ganz eingestellt wurde. Einige wollten sich dazu nicht äußern, das Thema scheint heikel zu sein. Homeoffice gibt es noch überall – es ganz abzuschaffen, hat sich laut Umfrage noch niemand getraut. Doch wer bietet mehr, wer weniger und lassen sich Trends ablesen?
Seit einem Jahr, genauer gesagt seit 1. Jänner 2025, gilt in Österreich ein neues Gesetz für Telearbeit. Es regelt „ortsungebundenes Arbeiten“, geht also über das Arbeiten in den eigenen vier Wänden hinaus. Gearbeitet werden darf also auch in einem Kaffeehaus, in der Wohnung von Angehörigen oder in einem Co-Working-Space. Sofern der Arbeitgeber dem zustimmt.
Denn wie schon zuvor gibt es weder einen Rechtsanspruch auf Homeoffice, noch auf Telearbeit. Im Gegenzug kann ein Arbeitnehmer zu Telearbeit auch nicht gezwungen werden. Wenn im Homeoffice oder anderswo gearbeitet werden soll, braucht es eine schriftliche Vereinbarung, klärt die Arbeiterkammer auf. Häufig passiert das im Rahmen einer Betriebsvereinbarung, in der alle
Rahmenbedingungen festgehalten sind. Diese kann aufgelöst werden – unter Einhaltung einer Frist von einem Monat.
Lieber im Büro, weniger im Homeoffice
„Homeoffice ist bei uns grundsätzlich die Ausnahme, nicht die Regel“, gibt die Werbeagentur Reichl & Partner bekannt, die deshalb stark ins „Vor-Ort-Erlebnis“ investiert. Man setzt „bewusst auf Präsenz“, das fördere die Teamdynamik und kreative Prozesse. Je nach Bereich, gebe es einen Homeoffice-Tag pro Woche. Im Bedarfsfall würde man aber eine „faire, lösungsorientierte Regelung“ finden, heißt es.
Immobilienprofi Limberg ist es wichtig, dass der Hauptanteil der Arbeitszeit im Büro erfolgt. „Nicht, weil wir nicht vertrauen, sondern weil wir der Meinung sind, dass das Miteinander jedes einzelne Limberg-Mitglied stärkt.“ Homeoffice ist deshalb nicht verboten, wird aber je nach Bedürfnis gestaltet. Das dürfte im Team gut ankommen: Limberg wurde im Vorjahr für seine Flexibilität und gelebte Vorbildfunktion von der Initiative „Taten statt Worte“ ausgezeichnet. PwC Österreich hat im vergangenen Jahr eine sanfte „Return-to-Office“-Regelung mit drei Bürotagen eingeführt. „Wir sind ein People Business“, sagt der Unternehmensberater auf Nachfrage.
Bei Porsche zeigt sich seit Anfang 2025 der Trend, dass „Mitarbeitende immer weniger von der Möglichkeit der Telearbeit Gebrauch machen“, gibt der Autohersteller bekannt. Die Anwesenheit im Büro nimmt somit zu, wenn auch in manchen Bereichen (z. B. KFZ-Techniker) logischerweise Homeoffice nie eine Option war. In der Betriebsvereinbarung ist aber noch Folgendes festgehalten: Sie sieht bis zu acht Tage Telearbeit im Monat vor – wer diese konsumieren will, muss sich mit dem Vorgesetzten einigen.
Homeoffice möglich, auf Verhandlungsbasis
Eine Handvoll Unternehmen legt sich auf keine fixen Tage fest. Homeoffice gibt es, aber es gilt, sich das Ausmaß auszuschnapsen. So etwa beim Baukonzern Porr, wie CEO Karl-Heinz Strauss erklärt: „Die Homeoffice-Regelung wird je nach Abteilung und Aufgabenbereich individuell ausgestaltet, da ja unterschiedliche Jobs auch unterschiedliche Anforderungen an die Präsenz stellen.“ Ähnliches meldet auch Verpackungshersteller Mondi zurück: Homeoffice gibt es „in einem klar definierten Rahmen“ und dort, „wo es inhaltlich sinnvoll und mit den jeweiligen Rollenanforderungen vereinbar ist.“
Die Österreichischen Bundesbahnen (ÖBB) praktizieren es aktuell wie folgt: Homeoffice obliege „immer der Vereinbarung von Führungskraft und Mitarbeiter. Es gibt je nach Einsatzgebiet flexible Arbeitszeiten und die Möglichkeit, im Homeoffice zu arbeiten“.
Beim Soßenhersteller Felix wird Remote-Arbeit ebenfalls je nach Bereich unterschiedlich gehandhabt. „Es gibt aber Tage, an denen alle im Büro sein sollten, damit auch das soziale betriebliche Umfeld weiter erhalten bleibt.“
Beim Seilbahnbauer Doppelmayr sei das Homeoffice „voll integriert“. Eingespielt hat sich ein Tag pro Woche. Ist der Arbeitsplatz bis zu 70 Kilometer (oder mehr) vom Wohnort entfernt, dürfen es sogar 50 Prozent Homeoffice oder mehr sein. Den Umfang „bewusst stabil gehalten“ hat der Leiterplattenhersteller AT&S. „Unsere Erfahrungen zeigen, dass das 2/3-Prinzip optimal ist.“ Zwei Tage Homeoffice, drei Tage im Büro. Mehr Homeoffice würde die Teamdynamik beeinträchtigen, weniger Homeoffice würde wiederum die Flexibilität einschränken. So sieht es auch der Technologiekonzern Siemens: „Wir haben die gängige Praxis, die wir seit Jahren so praktizieren, nicht verändert.“ Bedeutet: Zwei bis drei Tage pro Woche im Homeoffice, je nach Absprache.
Immerhin zwei Tage gibt es auch für die Juristen der Kanzlei Dorda – eine Seltenheit in der Branche. Administration und Sekretariat haben Anspruch auf einen Tag die Woche, weil sie stark an Fristen bei Gericht gebunden sind.
Homeoffice? Darf auch gerne mehr sein
Energieversorger EVN hat aktuell drei Modelle implementiert: 20, 40 oder 60 Prozent Homeoffice. „Man kann also maximal drei Tage pro Woche von zu Hause arbeiten“. Das ist seit Langem die fixe Regelung, jetzt aber sollen auch die Mitarbeiter des Außenbereichs von einem Teleworking-Angebot profitieren. „Seit wenigen Monaten ist es so, dass die Monteure der Netz NÖ ihre Aufträge auf ihr digitales Tablet bekommen und sie direkt von zu Hause zu den Kunden und allfälligen Störungen fahren.“
Drei Modelle gibt es auch beim Versicherer Uniqa: Wer sich für das größte Paket entscheidet, kann bis zu 21 Tage im Monat in den eigenen vier Wänden arbeiten. Am beliebtesten ist aber das Mittelmaß – sechs bis 15 Tage Homeoffice pro Monat, so die Auskunft von Uniqa. Palfinger hingegen macht etwas, das nur wenige Betriebe ihm gleichtun. Beim Kranhersteller haben Teilzeitkräfte nämlich genauso viel Anspruch auf Homeoffice-Tage wie Vollzeitmitarbeitende. Konkret sind das bis zu 100 Tage pro Jahr. Das toppt nur noch ein Arbeitgeber.
Es ist Microsoft. Bis zu 70 Prozent der Arbeitszeit können Angestellte von zu Hause aus erbringen – das hält auch die offizielle Betriebsvereinbarung fest. Die Entscheidung, wann und wie viel Homeoffice man nützt, obliegt ihnen selbst, je nach Aufgabenbereich und Absprache. „Es gibt keine starre Vorgabe. Viele Mitarbeitende kommen für persönliche Meetings und den Austausch mit Kollegen ins Büro und wechseln danach ins Homeoffice, um fokussiert weiterarbeiten zu können.“
Der österreichische Ableger von Microsoft ist, anders als US-Gigant Amazon, davon überzeugt, dass ihr Modell „Eigenverantwortung und Motivation fördert. Und schlussendlich dazu beiträgt, die besten Ergebnisse zu erzielen.“
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