Wirtschaft | Karriere
12.04.2018

Gewagt gefragt: Friseurin Gerti Mayer gibt ehrliche Antworten

"Ich verschneide mich nie" - Friseurin Gerti Mayer gibt ehrliche Antworten zu ihrem Beruf.

KURIER: Friseurinnen müssen selbst Trendsetter sein. Wie viele Haar-Stylings hatten Sie schon?

Gerti Mayer: Von Schwarz bis Blond, die ganze Palette. Auch Rot habe ich meine Haare gefärbt, aber knallige Farben habe ich ausgelassen. Ich bin eher ein klassischer Typ.

Warum sind Sie Friseurin geworden?

Weil mich jemand verschnitten hat und ich mich revanchieren wollte (lacht). Nein, Spaß. Es ist ein kreativer, abwechslungsreicher Beruf. Das hat mir gefallen.

Haben Sie schon einmal ein Styling abgelehnt und nicht geschnitten?

Ja, schon oft. Wenn es die Haarstruktur nicht erlaubt und von der Behandlung geschädigt werden würde, mache ich es nicht.Für uns Friseure steht die Qualität der Haare immer im Vordergrund.

Und wenn die Wunschfrisur nicht zum Typ passt, lehnen Sie dann auch ab?

Ich sage, was besser passt aber wenn sie es trotzdem wollen, dann sollen sie es auch haben.

Haben Kunden schon einmal geweint, weil ihnen die Frisur nicht gefallen hat?

Ja, klar. Aber noch nie bei mir.

Wie gehen Sie damit um?

Wenn Kunden wirklich unzufrieden sind, muss man das Gespräch suchen und sich entschuldigen. Das kommt aber sehr selten vor. Die oberste Regel ist, dass man den Kunden versteht und der Kunde muss auch mich als Friseurin verstehen. Solange das nicht geschehen ist, fange ich auch nicht an zu schneiden.

Was war Ihr schlimmstes Missgeschick?

Mir fällt eigentlich nichts ein. In der Lernphase am Anfang ist schon einmal was schief gegangen an den Modellen. Aber das ist lange her. Ich bin seit 38 Jahren in der Branche, da passiert nichts mehr.

Die ausgefallenste Frisur, die Sie je kreieren durften?

Ein paar Burschen sind gekommen, weil sie eine Wette verloren haben. Jeder von ihnen wollte eine andere Farbe des Regenbogens. Das war eine lustige Episode.

Man sagt, Friseure sind auch Therapeuten. Erzählen die Kunden viel aus ihrem Privatleben?

Ja, sehr viel. Die Leute sprechen über den Beruf, die Beziehung und Freunde. Ich glaube, weil wir außenstehende Personen sind und die Kunden wissen, dass nichts weitergegeben wird.

Geben Sie den Kunden auch Ratschläge zu ihren Problemen?

Ja, ich gebe Tipps und erzähle aus den Erfahrungen in meinem Leben. Es kommt darauf an, wie gut man die Kunden kennt. Mit vielen entwickelt sich auch ein freundschaftliches Verhältnis.

Kommen eigentlich viele Leute ungepflegt, mit ungewaschenen Haaren?

Heute sind es nur noch ganz wenige, früher waren es mehr. Aber wenn sie sich die Haare nicht waschen lassen, dann greifen wir sie auch nicht an. Fettige Haare werden nicht geschnitten.

Was lieben Sie an Ihrem Beruf?

Dass er abwechslungsreich ist. Ich lerne spannende Leute kennen. Ich würde zugrunde gehen, wenn ich in einem Büro sitzen müsste und jeden Tag nur die drei gleichen Arbeitskollegen sehen würde.

Was hassen Sie an Ihrem Beruf?

Da ich selbstständig bin, wäre ich froh, wenn die Buchhaltung wegfallen würde. Aber an dem Beruf gefällt mir alles.