Wirtschaft | Karriere
16.08.2018

Gewagt gefragt: „Es gibt viel Augenrollen“

Paartherapeutin Sarah Kleinsasser gibt ehrliche Antworten in Sachen Liebe und Scheitern.

KURIER: Führen Paartherapeuten bessere Beziehungen?

Sarah Kleinsasser: Jein. Psychotherapeuten haben nicht bessere Beziehungen, weil sie ihre Partner therapieren oder gar manipulieren. Ich denke, sie sind tendenziell Menschen mit sicherem Bindungsstil.

Gibt es Paare, bei denen Sie gleich denken: „Die schaffen das nie!“?

Ziel einer Paartherapie kann auch sein, sich gut zu trennen.

Raten Sie das den Klienten auch?

Nicht direkt. Man erarbeitet gemeinsam die unterschiedlichen Möglichkeiten, die das Paar hat. Meiner Erfahrung nach haben es die leichter, die ähnlich gestrickt sind.

Sehen Sie gleich zu Beginn, wer es schafft und wer nicht?

Nein. Es gibt nur Vermutungen oder ein Gefühl. Klar irrt man sich auch einmal. Und wenn sich ein Paar zehn Jahre später trennt, ist es unfair zu sagen: „Das war ja vorprogrammiert.“

Woran scheitern Beziehungen in der Regel am meisten?

An Erwartungen an den Partner, die in Wahrheit von anderen – zum Beispiel von den Eltern – hätten erfüllt werden sollen. An fehlender Nähe durch Intimität oder Gespräche. Oder wenn kein Bemühen da ist, zu sehen, was der andere gibt. Wenn Kränkungen sehr tief sitzen, muss viel Motivation da sein, um weiterzumachen.

Welche Paare sind die schlimmsten?

Jene mit einer Endlosschleife an Vorwürfen – keiner kann oder will aussteigen. Das ist atmosphärisch dann recht wild, vorrangig natürlich für die Betroffenen selbst.

Nehmen Sie die Probleme und wilde Stimmung manchmal mit nach Hause?

Ja, bei diesen Endlosschleifen kann das hin und wieder passieren. Regelmäßige Supervision schafft da Klarheit.

Wie intim kann eine Sitzung werden?

Mit der Zeit kann ´es schon recht offen zugehen. Wenn es um Sex geht, muss auch erst einmal die passende Sprache gefunden werden. „Darüber reden“ hört sich leichter an, als es ist.

Ergreifen Sie in den Sitzungen auch manchmal Partei?

Ja, bei No-Gos wie Gewalt oder Nötigung.

Werden Klienten ausfällig?

Nein, aber Augenrollen gibt es viel. Das ist Gift fürs Gespräch.

Welche Klienten mögen Sie und welche nicht?

Wertschätzung ist immer da, vor allem, weil diese Personen so mutig sind, sich auf neue Erfahrungen und Gespräche einzulassen. Menschen, die grundsätzlich die ungerechte Welt und heutige Gesellschaft für ihre Probleme verantwortlich machen, reagieren besonders ablehnend, wenn ich das Thema Eigenverantwortung anbiete.

Ehe: Ja oder nein?

Ja. Wenn es beiden Partnern entspricht, dann darf sich Liebe gerne auch auf dem Ringfinger widerspiegeln.