Geteilter Job: Halbe oder doppelte Freude?

Business people using tablet in the office
Foto: Getty Images/martin-dm/iStockphoto Wenn sich zwei eine Position teilen.

Jobsharing wird viel gewünscht aber selten praktiziert. Warum eigentlich?

Zwei oder mehr Mitarbeiter teilen sich eine Vollzeitstelle, damit den Arbeitsplatz und das Gehalt – das Modell Jobsharing wird von rund einem Fünftel der österreichischen Unternehmen angeboten, deutlich mehr als in Deutschland. In Großbritannien und den Niederlanden ist das Modell weit verbreitet. Meist wird die Wochenarbeitszeit in Vor- und Nachmittag oder in einzelne Tage geteilt, etwas so: Eine Person arbeitet Montag und Mittwoch, die andere Dienstag und Donnerstag, am Freitag sind beide da. Das Gehalt wird, je nach Arbeitszeit, anteilsmäßig berechnet. Dasselbe gilt für den Urlaubsanspruch. Wie bei einer Teilzeitstelle.

Bekannte Jobsharer in Österreich sind die Chefinnen von IKEA Haid (OÖ). Michaela Foißner-Riegler und Nicole Reitinger sind zu gleichen Teilen Einrichtungshauschefinnen und führen 300 Mitarbeiter. Auch bei der Telekom Austria und abz Austria wird diese Form des flexiblen Arbeitens seit ein paar Jahren angeboten. "Mobile Working, Flextime, Jobsharing und Jobrotation gehören bei uns schon zum Arbeitsalltag", sagt Jesper Smith, Leitung HR bei der Telekom Austria Group. Seit einiger Zeit teilen sich auch Hausärzte Kassenverträge und Volksschullehrer Vollzeitstellen.

Was bringt's?

Doch was bringt das Modell Arbeitgebern und Arbeitnehmern? Für erstere bedeutet es langfristig positive Effekte wie Mitarbeiterbindung, Vertretungsmöglichkeiten und höhere Produktivität. Denn es können die oft unterschiedlichen Talente von zwei Fachkräften genutzt werden. Zusammen könnten zwei Bewerber mit unterschiedlichen Talenten das sein, was in Stellenanzeigen gesucht wird. Doch die Vorurteile vonseiten der Chefs sind immer noch groß. Denn in Österreich ist die Präsenzkultur weit verbreitet. Viele Chefs sind überzeugt, Mitarbeiter machen nur dann einen guten Job, wenn sie in Vollzeit anwesend sind. Außerdem gibt es finanzielle Nachteile: Arbeitgeber müssen für Jobsharer ab einer bestimmten Einkommensgrenze mehr Abgaben bezahlen.

Der große Vorteil für ArbeitnehmerInnen ist, dass Sie einen Führungsjob ausüben können, aber gleichzeitig mehr Freizeit haben. So kann etwa der Karriereknick nach einem Kind verhindert werden. Auch immer mehr jüngere Männer (etwa ein Drittel der Interessenten) erkennen die Vorteile des Modells und schätzen es, Zeit für die Familie oder Hobbys zu haben.

Die Initiative, im Tandem zu arbeiten, muss in der Regel jedoch von den Arbeitnehmern ausgehen. Der Chef muss dem Jobsharing zustimmen. Meist geht mit der geänderten Arbeitsweise ein erhöhter Abstimmungsbedarf einher. Es macht also Sinn, wenn sich zumindest ein paar Stunden die Woche die Arbeitszeiten überschneiden. Rechtlich basiert das Modell auf der Teilzeitarbeit.

Doch bis jetzt scheitert die Umsetzung häufig an den ungelösten Problemen: Was passiert, wenn einer der Jobsharer einen Fehler macht? Wird der andere dann auch in die Verantwortung gezogen? Wer bekommt Leistungsprämien?

Doch die Vorbehalte könnten sich in Zukunft abschwächen. Firmen erkennen zunehmend, dass sie die besten Köpfe nicht mehr bekommen, wenn sie keine Zugeständnisse machen. Außerdem werden in einigen Jahren Fachkräfte fehlen. Frauen mit Kindern können mittels Jobsharing besser in den Arbeitsmarkt integriert werden. Die Berliner Plattform Tandemploy bringt Menschen zusammen, die sich eine Vollzeitstelle teilen wollen und vermittelt an Firmen. "Am Anfang mussten wir viel Aufklärungsarbeit leisten", erzählt Jana Tepe von Tandemploy. "Doch jetzt merken wir, wie der Markt sich öffnet."

(kurier) Erstellt am
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