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Wirtschaft Karriere
08/07/2020

Frauen, vor den Vorhang

Die Studie „Frauen Politik Medien“ hat die Sichtbarkeit von Frauen im Digitalisierungskontext analysiert. Das Ergebnis fiel ernüchternd aus.

von Ornella Wächter

„Frauen müssen sich öfter und auch mehr behaupten als Männer, um sichtbar zu sein“, sagt Romy-Sophie Katz, die als Digitalisierungs-Projektleiterin bei RHI Magnesita arbeitet.

Ein Konzern, der in Jobausschreibungen aufgrund seiner Tätigkeit in der Stahl- bzw. Schwerindustrie nicht unbedingt viele Frauen anspricht – so erlebte es zumindest die Projektleiterin Katz.

Schieflage in der Präsenz

Auch Digitalisierung werde schnell mit Programmier- oder IT-Kenntnissen verbunden – dabei sei für ihre Tätigkeit als Project Owner Digital Initiatives keines von beiden nötig, erzählt Katz. So war sie eine der wenigen Frauen unter den Bewerbern und ist mit diesem Verhalten heute ein Rolemodel für andere.

Was Katz in der Praxis erlebt, nämlich, dass in gewissen Bereichen in der Wirtschaft Frauen massiv unterrepräsentiert sind, gießt die neue Studie „Frauen Politik Medien 2019“ in Zahlen.

In der aktuellen Erhebung wurde die Berichterstattung von sechs österreichischen Tageszeitungen, darunter auch der KURIER, ein Jahr lang wortgenau analysiert und im Kontext Digitalisierung und digitaler Wandel ausgewertet. Unterstützt wurde die Studie von RHI Magnesita, der Arbeiterkammer (AK) und der Industriellenvereinigung (IV).

Branchen mit Aufholbedarf

In Bezug auf den Digitalisierungsfokus zeigte sich großer Aufholbedarf in den Bereichen Justiz- und Verwaltung, Energie und Logistik – hier bewegt sich die Frauenbeteiligung an Digitalisierungsthemen zwischen null und ein Prozent.

Was auch daran liege, dass wenig Frauen in diesen Bereichen arbeiten, erklärte die Studienautorin und MediaAffairs-Geschäftsführerin Maria Pernegger bei der Vorstellung der Studie.

„Aber selbst in Branchen mit hohem Frauenanteil wie dem Handel oder der Medizin, sind Frauen im Digitalbereich noch stark unterrepräsentiert.“ Im Handel sind es 14 Prozent, in der Medizin zehn Prozent.

Große Sichtbarkeit in Industrie

Positiv überrascht war man indes von der Industrie, hier erreichte die Sichtbarkeit von Frauen 46 Prozent. „Dass in Österreichs großen Industrie- und Technologiekonzernen, darunter Infineon, IBM oder Microsoft, Frauen an der Spitze stehen, die auch stark in den Medien präsent sind, zeigt damit Wirkung“, so Pernegger.

Insgesamt fiel die Präsenz von Frauenpolitik in der politischen Debatte aber relativ gering aus, wie Pernegger betont. Themen wie Gewalt gegen Frauen, Väterkarenz, die Frauenquote in de Politik, Frauen am Arbeitsmarkt oder Lohngerechtigkeit, nahmen nur 1,6 Prozent der Berichterstattung der sechs untersuchten Printmedien ein.

Zu kleine Schritte

„Die Schritte in Richtung Gleichberechtigung sind einfach zu klein“, kommentiert Präsidentin der AK Wien Renate Anderl das Ergebnis. Nach wie vor würden Frauen aufgrund ungeeigneter Rahmenbedingungen aus männerdominierten Branchen fallen, wenig Aufstiegschancen finden, Spitzenjobs unter Männern vergeben werden.

Damit Frauen und Frauenpolitik sichtbarer werden, reichen Quoten nicht aus. Studienautorin Pernegger formuliert es so: „Wir müssen ins Machtzentrum.“

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