Wirtschaft | Karriere
02/22/2019

FH-Aufnahme: Warten auf die Zusage

Viele Bewerber, wenig Studienplätze: Drei FH-Studierende erzählen, wie sie die Aufnahmeprüfungen gemeistert haben.

Ein Studium an einer Fachhochschule ist toll – vorausgesetzt, man schafft es durch die Aufnahmeprüfung. Je nach Studienrichtung können bis zu 25 Bewerber auf einen Platz kommen. Von der Anmeldung bis zur Zusage kann sich das Verfahren bis zu einem halben Jahr ziehen.

Fast immer erwarten angehende Studis nach der Anmeldung ein schriftlicher Aufnahmetest unter Zeitdruck und ein Bewerbungsgespräch mit den Studiengangsverantwortlichen – manchmal aber auch ein Assessment Center, Gruppendiskussionen oder eine Präsentation einer Case Study, die man im Vorhinein erarbeiten musste.

Psychisches Rüstzeug

Die große Kunst während eines Aufnahmeverfahrens ist es, die Nerven zu bewahren. Dran zu bleiben. Die Motivation nicht zu verlieren. Der harte Mitbewerb – Fachhochschulen können bei der Auswahl ihrer potenziellen Kandidaten aus dem Vollen schöpfen – und die lange Dauer können einen ordentlich unter Druck setzen. Um dem standzuhalten, braucht es psychisches Rüstzeug.

Die gute Nachricht: Auf Aufnahmetests kann man sich vorbereiten. Auf www.fachhochschulen.com etwa finden sich Übungsbeispiele und Tipps, wie man sie unter Zeitdruck am effizientesten löst. Unter www.aufnahmepruefung.at/kursuebersicht gibt's Infos zu Vorbereitungskursen. Diese kosten zwischen 139 und 1197 Euro und werden von selbstständigen Trainern angeboten.  

Fast alle Fachhochschulen bieten außerdem Informationsabende oder Tage der offenen Tür an. An manchen FHs gibt es außerdem sogar Lehrgänge, die zum Studium auch ohne Matura befähigen. Details unter www.fh-wien.ac.at/bewerben/studieren-ohne-matura.

Sorgfältig vorbereiten

In der ersten Phase sind gute Organisation und das Einhalten der Termine die halbe Miete

Sebastian Pfann, heute Student der Internationalen Wirtschaftsbeziehungen im 5. Semester, hat viel vor seinem Aufnahmeverfahren investiert: Zeit, Gespräche mit Gleichgesinnten, sogar Unterstützung von seinen ehemaligen Lehrern hat er sich für das Aufsetzen seiner Bewerbung für die FH Burgenland geholt. Das Verfassen des Motivationsschreibens, also der allererste Schritt, legte für ihn rückblickend den gedanklichen Grundstein für den ganzen FH-Bewerbungsprozess.

„Viele haben durch das Verfassen des Motivationsschreibens festgestellt, dass sie gar nicht genug für ein FH-Studium motiviert sind. Das hat meinen Denkprozess angekurbelt.“

Sebastian Pfann, Student an der FH Burgenland

„Viele haben durch das Verfassen des Motivationsschreibens festgestellt, dass sie gar nicht genug für ein FH-Studium motiviert sind. Das hat meinen Denkprozess angekurbelt.“ Die Masterstudentin Kristina Kern hat zwei Mal ein Aufnahme-Prozedere mitgemacht: Einmal für ihren Bachelor, später für ihren Master in Wirtschafts- und Finanzkommunikation an der FH St. Pölten.

Für ihren Bachelor nahm sie an einem „Studieren probieren“ Termin teil, der von der ÖH organisiert wird. „Da kannst dir den Studiengang anschauen für den du dich interessierst. Im Prinzip sitzt man da mit einem Buddy in einer Vorlesung und hinterher kann man Fragen zum Studium stellen.“

Studi-Tipp! Abonniere die Social-Media-Kanäle deiner Wunsch-Fachhochschule. „Unsere Studiengangsleiterin hat damals ganz konkrete Tipps für das Bewerbungsverfahren gepostet, das war sehr hilfreich“, sagt Sebastian Pfann. „Außerdem gab es immer wieder Ausblicke auf die Fachhochschul-Studienzeit.“

Souverän umsetzen

Facebook-Gruppen und Vorbereitungs-Kurse beinhalten oft wichtige Tipps zu den Tests

FH-Burgenland-Student Pfann bewarb sich recht spät  – erst Ende März. Sein Aufnahmeverfahren beinhaltete dann einen Computertest, ein Verfassen eines englischen Essays und ein Gruppengespräch mit anderen Bewerbern und der Studiengangsleiterin. Außerdem hat er noch ein Aufnahmegespräch mit einem Englisch-Lektor absolvieren müssen.

Es sei mühsam gewesen,  so viele Schritte zu durchlaufen, aber: „Ich habe alles auf eine Karte gesetzt und hatte über das gesamte Verfahren über das Gefühl, es sieht gut aus.“ Die Zeit zwischen Wissenstest und Aufnahmegespräch kann jedoch etwas länger dauern. Obwohl Sebastian Matznetter nicht wirklich wusste, ob er den Test bestanden hatte, nutzte er die Zeit zur Vorbereitung der letzten Bewerbungsstufe. Er bewarb sich 2017 für den Bachelor in Immobilienwirtschaft an der FHWien der WKW.

"Es gab viele Fragen zu meinem Lebenslauf, zu persönlichen Eigenschaften und meiner Motivation zum Studium.“

Sebastian Matznetter, Student an der FHWien der WKW

Für das persönliche Gespräch mit der Studiengangsleitung  hat er sich sehr gut vorbereitet und war vor dem Termin deshalb recht locker. Gut zu wissen: „Es waren keine facheinschlägigen Fragen – das Wissen wird ja nicht vorausgesetzt. Es gab viele Fragen zu meinem Lebenslauf, zu persönlichen Eigenschaften und meiner Motivation zum Studium.“ 

Studi-Tipp! Jede Fachhochschule hat ein anderes AufnahmeverfahrenAssessment-Center oder Gespräche vor einer Jury. „Das kann einen schon einschüchtern. Wichtig ist, bei all diesen Runden zu zeigen, dass man echtes Interesse an der Sache hat“, sagt Sebastian Pfann

Ruhe bewahren

Ausdauer währt am längsten, wenn man  sich nicht verstellt und ganz natürlich verhält

Wie verdeckt man Unsicherheit, wie wirkt man extrovertiert und sympathisch – obwohl man es nicht ist? Kristina Kern, die  ihre beiden Bewerbungen an der FH in St. Pölten beim ersten Antritt gemeistert hat, glaubt nicht, dass man der Jury etwas vorgaukeln muss. Wer nervös ist, soll nervös sein. Aber:  „Glaub an dich“, betont Kristina Kern. Das heiße aber nicht, dass man schauspielern muss.

Bei Sebastian Pfann war der Druck besonders groß: Er hatte keinen Plan B.  „Ich wollte wirklich nur an die FH“, erzählt er. Das Gute an dem früh beginnenden Aufnahmeprozess: „Schafft man es nicht, läuft die Zulassungsfrist an der Uni immer noch.“ Kristina Kern hatte auch keine Alternative. Dabei stand das Aufnahmegespräch unter keinem guten Stern – sie kam zu spät, weil man ihr eine andere Uhrzeit nannte, als der Jury der FH.

„Das hat natürlich die Ausgangslage für das Gespräch echt schwierig gemacht. Aber die Jury war dann trotzdem sehr nett."

Kristina Kern, Studentin an der FH St. Pölten

„Das hat natürlich die Ausgangslage für das Gespräch echt schwierig gemacht. Aber die Jury war dann trotzdem sehr nett und das Gespräch entspannt. Das hat mir dann die Angst genommen.“ Manche ihrer Kollegen wurden bei der Aufnahme aber auch etwas unangenehmer befragt –  man wollte wohl schauen, wie sie mit Druck umgehen, so die Studentin.

Studi-Tipp! „Mach dir am Anfang so viele Gedanken wie möglich und zweifle während des Aufnahmeverfahrens nicht mehr an deiner Entscheidung“, rät Sebastian Pfann. Was hilft: „Sein Motivationsschreiben durchlesen und sich die Argumente vor Augen zu halten, warum das nach wie vor eine gute Entscheidung ist.“