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Wirtschaft Karriere
10/30/2012

Emotionale Intelligenz

David Ryback ist Psychologe, emotionale Intelligenz sein Fachgebiet. Wer etwas will, muss nur zuhören.

von Andrea Hlinka

Die Idee eines amerikanischen Intellektuellen wird in David Rybacks Person zum Leben erweckt:  Er ist ein grauhaariger  Mann, höflich,  zurückhaltend  und mit obligatorischen  Patches auf seinem Tweed-Blazer. Nach Wien  ist der Psychologe gekommen, um im Rahmen der Uni Wien Veranstaltungsserie uniMind  einen Vortrag über sein Spezialgebiet "Emotionale Intelligenz" zu halten.    

KURIER: Wer ist  Ihrer Meinung nach emotional intelligenter: Romney oder Obama?

David Ryback: Obama ist einer der  emotional  intelligentesten Präsidenten, die wir je hatten. Er versucht fremde Kulturen und Religionen zu verstehen. Die Konservativen attestieren ihm deswegen Schwäche. Gleichzeitig arbeitet er mit ihnen  und er versucht auch, sie zu verstehen – und sie nennen ihn schwach. Hier sieht man, wie unterschiedlich die Philosophien sind.     

Sie beschäftigen sich in Ihrer Forschung  mit emotionaler Intelligenz. Was sind die Schlüsselerkenntnisse?

 Über allem steht: Menschen haben Angst, sich zu öffnen und zuzuhören. Weil  sie befürchten, dass sie  ihre eigenen Anliegen dann aufgeben müssen. In der Wirtschaft musste man lange vor allem stark und kompetitiv sein.

Hat sich das geändert?

 Man kann in der Wirtschaft kompetitiv sein, aber man sollte dem Kunden zuhören und herausfinden, was er will. Es geht darum, den anderen zu respektieren und versuchen, ihn zu verstehen. Das bedeutet auch, die eigenen Anliegen zurückzustellen – zumindest zu Beginn – und sich dem Gegenübers zu widmen.

Haben Sie das Gefühl, dass  das in  Unternehmen angekommen ist?

Der ehemalige Daimler-Chef Jürgen Schrempp war ein Autokrat, Dieter Zetsche  ist  schon ganz anders. Diese neuen Chefs hören zu. Auch bei Disney, HP, Intel  und Ford waren ähnliche Veränderungen zu beobachten.

Was könnte der Auslöser für diese Veränderungen sein? Ist es die Krise?

Schwierige Zeiten ändern immer das Bewusstsein. Die Finanzunternehmen waren   zu gierig. Die Philosophie ab  2005 war: Scheffel soviel Geld wie du  kannst, die Regierung reguliert nichts. Die Obama-Regierung reguliert mehr und brachte mehr Transparenz.

Was ist mit dem ethisch handelnden Individuum?

Es gibt zwei Arten von Spezies:  Jäger  und Gejagte. Der Mensch aber ist beides.    Menschen haben allerdings die Tendenz, mit der Gruppe  zu laufen – weil sie Beziehungen brauchen. Wir sind mehr wie Pferde, nicht wie Tiger, wir brauchen  eine Herde. Daher ist unsere Version der Wahrheit immer von den uns umgebenden Menschen beeinflusst. Es braucht eine sehr starke Persönlichkeit, auszusprechen, dass etwas nicht  richtig ist, wenn alle anderen davon überzeugt sind.  Emotionale Intelligenz bedeutet, die eigenen Gefühle  wahrzunehmen und zu respektieren.   Auf einer ehrlichen Basis kann mit anderen eine Verbindung eingehen.

Was ist  Ihr Rat, wenn sich  ein Gesprächspartner, ein Geschäftspartner oder der Chef nicht öffnen will?

Manche Menschen fühlen sich im kompetitiven Modus wohler, als im offenen. Auch dem  gegenüber  muss man offen sein, nicht werten, sondern versuchen, zu verstehen, wieso sie diese Wand aufgebaut haben. Je mehr man das Gegenüber  versteht und je mehr man ihm das Gefühl gibt, verstanden zu werden, desto  eher wird er aufmachen.  

Braucht das nicht viel Zeit?

Wie viel Zeit man dem widmet, hängt sicher von der Bedeutsamkeit der Beziehung ab.  

Gerade im digitalen Zeitalter bleibt aber oft nicht viel Zeit, um Beziehungen zu vertiefen.

Social Media hat zwei Effekte: Menschen öffnen sich, nehmen sich  auf der anderen Seite aber wenig Zeit für reelle Kontakte. Außerdem müssen  Entscheidungen immer schneller getroffen werden. Wer seine Gefühle gut kennt, kann schneller entscheiden.

Sollten Entscheidungen auf der Gefühlsebene getroffen werden?  

Aus einer Mischung von Verstand  und Gefühl. Wir bewerten oft sehr schnell, ob  etwas bedrohlich ist oder ob wir uns wohlfühlen. Daraus ergeben sich drei Möglichkeiten:  Weglaufen, angreifen oder  zurücklehnen. Die eigenen Gefühle geben alle Informationen für diese Entscheidung. Es braucht nur  zehn, 15  Minuten, um in sich hineinzuhören.

Der Psychologe: David Ryback

Herkunft David Ryback wurde in Montreal geboren. Als Teenager  wusste  Ryback  nicht, was er beruflich machen sollte. Er gab sich  ein Jahr Zeit, um das herauszufinden und  besuchte Kurse in Psychologie. Ryback erkannte bald, dass  es die  einzige   Profession ist, wo er Menschen direkt helfen kann. Inzwischen ist Ryback amerikanischer Staatsbürger und ein international anerkannter Experte für emotionale und soziale Intelligenz im beruflichen Kontext.
 
Vorträge und Bücher Ryback ist Autor zahlreicher Bücher, darunter die Bestseller „Putting Emotional Intelligence to Work“ und „Successful Leadership is More Than IQ“. Das Postgraduate Center der Universität  Wien hat  David Ryback  für den Auftakt der Serie uniMind  nach Wien geholt.

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