Statt Liebe machen: Was 29-jährige Österreicher wirklich tun sollten

Macron ruft 29-Jährige in einem Brief zum Kinderkriegen auf. Was man den Jungen stattdessen für ihren Lebensweg mitgeben könnte.
Business Gespräch

Vor knapp einem Monat wurde publik: Der französische Präsident Emmanuel Macron verfasst gerade einen Brief für die 29-Jährigen seines Landes. „Faites l'amour!“, will er ihnen mitteilen – in anderen Worten: Zeugt Kinder. Eine Entscheidung, die Frau wohlüberlegt treffen muss. Denn die Zahlen versehen das Thema Familienplanung fast mit einem Warnhinweis.

Vollzeitbeschäftigte Frauen verdienen in Österreich immer noch zwölf Prozent weniger als vollzeitbeschäftigte Männer. Inklusive der Teilzeitbeschäftigten klafft eine Einkommenslücke von 34 Prozent. Addiert man die unbezahlte Care-Arbeit, soll sich die Lücke laut Momentum Institut sogar auf 45 Prozent belaufen. Bis heute ist es so, dass sich die durchschnittliche Erwerbskarriere der Frau nach der Geburt des ersten Kindes nie mehr erholt. 

Das zeigt sich auch in den Führungsebenen. Dort, wo der Einfluss, die Sichtbarkeit und das Einkommen tendenziell höher sind, aber der Frauenanteil erschreckend gering ist. 
Die CEOs von großen, börsennotierten Unternehmen hierzulande sind ausschließlich männlich. Mit einer höheren Frauenquote von 40 Prozent in den Aufsichtsräten (ab Juni 2026), erhofft man sich, dass endlich genug Bewegung ins Spiel kommt, um einen höheren Frauenanteil auf die Vorstandsebene überschwappen zu lassen. Klar ist: In Sachen Gleichstellung ist noch viel zu tun – darauf macht auch der morgige Weltfrauentag aufmerksam. 

Wo es den größten Aufholbedarf gibt und was man den 29-jährigen Österreicherinnen und Österreichern statt „Liebe machen“ tatsächlich in einem Brief mitteilen könnte, hat der KURIER drei Frauen  aus unterschiedlichen beruflichen Feldern gefragt.

Drei Frauen stehen Frauen stehen mit verschränkten Armen

Martina Hirsch, Schima Labitsch und Christina Fadler (v.li.) im KURIER Business Gespräch.

Martina Hirsch: Mehr Wertschätzung

Martina Hirsch, Geschäftsführerin von s Real Immobilien, würde die Familienplanung zwar mit keinem Warnhinweis versehen – als zweifache Mutter betont sie aber, dass es ohne private Hilfe nicht möglich gewesen wäre, den Karriereeinbruch abzuwenden. Sie pocht deshalb auf weitreichende Kinderbetreuung auch außerhalb der Ballungszentren. Was in ihrem Brief an 29-Jährige stehen würde? „Sei wertschätzend“, sagt sie und bezieht sich dabei nicht nur auf das Mann- und Frausein, sondern auch auf Wertschätzung gegenüber unterschiedlicher Altersgruppen oder Nationalitäten. Ihr Karrieretipp an die Jungen: Sich nicht auf die Schwächen konzentrieren. „Erkenne, was deine Stärken sind, was du liebst, und das treibe voran.“

Business Gespräch mit Christina Fadler, Martina Hirsch, Schima Labitsch

Schima Labitsch: Fühler ausstrecken

Schima Labitsch, Chief Supply and Operations Officer des Online-Marktplatzes refurbed, würde in einem Brief raten, die Fühler auszustrecken – und zwar über die Landesgrenzen hinaus. „Blickt man in den Norden Europas, ist die Gleichberechtigung deutlich weiter“, erklärt sie. Egal, ob beim Thema Väterkarenz oder Gehalt, ließen sich viele Perspektiven mitnehmen, die für die eigene Jobwahl relevant wären. Auch Schima habe durch diesen Weitblick ihre Umfelder immer sehr genau ausgesucht und dafür teilweise Kritik erfahren, berichtet sie. 

Punkte, die sie bei der Wahl des Arbeitgebers berücksichtigt hat? Ob es Frauen im mittleren Management oder auch in den höheren Führungsetagen gibt. Wie Gehalt verhandelt wird und ob firmeninterne Vorgaben für ein balanciertes  Genderverhältnis vorhanden sind. Firmen, in denen „das Gehalt nicht erkämpft oder neu verhandelt werden muss“ gebe es auch in Österreich, spricht Schima aus Erfahrung. Dort wäre das Spielfeld für alle Arbeitenden eben, ganz gleich welchen Geschlechts, und die Ausgangsbasis für einen fairen Aufstieg besser.

Christina Fadler: Mehr Offenheit

Christina Fadler ist Obfrau des Vereins „Die Fruchtbar“, der das Thema unerfüllter Kinderwunsch aus der Tabuzone holen will. Denn Familienplanung ist bis heute ein Thema, das in der Karriere zu wenig Platz findet, kritisiert sie. Dabei dauere der Kinderwunsch oft Jahre und wirke sich stark auf den Job aus. Seien es berufliche Schritte, die nicht gegangen werden oder die emotionale Belastung, über die nicht gesprochen wird. Aus Angst vor Konsequenzen. „Kinderwunsch ist ein sehr sensibles Thema, weil eigentlich keine Frau will, dass der Arbeitgeber weiß, dass sie schwanger werden möchte“, sagt Fadler. Dabei läge genau in dieser Phase eine große Chance für Unternehmen, ist die Vereinsobfrau überzeugt. „Über den Kinderwunsch habe ich wenig Kontrolle. Die Arbeit kann in dieser Zeit ein Anker sein“, sagt sie. Sofern die Kommunikation offen ist – und Führungskräfte entsprechend gebrieft sind.  

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