Frauen holen auf: So stark hat sich die Gehaltsschere verändert

Laut Wifo verringerte sich die Lohnlücke in Österreich seit 2011 um 7 Prozentpunkte. Familiengründung bleibt entscheidender Faktor.
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Die Einkommenslücke zwischen Frauen und Männern in Österreich ist in den vergangenen Jahren etwas kleiner geworden. Laut einer Analyse des Wirtschaftsforschungsinstituts (Wifo) sank der unbereinigte Gender Pay Gap zwischen 2011 und 2024 von 19,6 auf 12,6 Prozent – ein Rückgang um sieben Prozentpunkte.

Grund dafür ist laut Studie vor allem, dass sich Frauen und Männer am Arbeitsmarkt stärker angenähert haben. „Frauen unterbrechen ihre Erwerbskarriere heute seltener und sammeln mehr Berufserfahrung“, erklärt Ökonomin Christine Zulehner, Co-Autorin der Analyse und Forscherin an der Universität Wien. Auch die Unterschiede bei der Berufswahl hätten sich etwas verringert, zudem gebe es mehr Frauen in Führungspositionen.

Familiengründung vergrößert die Schere

Ein Wendepunkt zeigt sich jedoch bei der Familiengründung. Mit Anfang 30 wächst die Lohnlücke deutlich, weil viele Frauen nach der Geburt ihres ersten Kindes längere Erwerbsunterbrechungen einlegen und später häufiger in Teilzeit arbeiten. Das bremst oft Karrierechancen und Aufstiegsmöglichkeiten. Väter unterbrechen ihre Berufstätigkeit hingegen seltener und kürzer.

Bereinigter Gender Pay Gap bei 6,2 Prozent

Neben dem unbereinigten berechnete das Wifo auch einen bereinigten Gender Pay Gap, bei dem strukturelle Unterschiede wie Branche, Berufserfahrung, Teilzeit oder Führungspositionen herausgerechnet werden. Für 2024 bleibt dabei eine Lohnlücke von 6,2 Prozent bestehen. Sie könnte laut Zulehner unter anderem mit Diskriminierung oder Unterschieden bei Gehaltsverhandlungen zusammenhängen, da Männer häufiger aktiv höhere Löhne einfordern.

Lohntransparenz soll Ungleichheit verringern

Als mögliche Gegenmaßnahmen nennt die Expertin mehr Lohntransparenz sowie bessere Rahmenbedingungen für die Vereinbarkeit von Beruf und Familie. Auch eine stärkere Beteiligung von Vätern an der Elternkarenz könnte helfen, die Lücke zu verkleinern.

Nicht nur das Wifo berechnet den Gender Pay Gap. Unterschiedliche Berechnungsarten auf Basis unterschiedlicher Daten ergeben verschieden hohe Lohnlücken. Die Statistik Austria beziffert den Gender Pay Gap in der Privatwirtschaft für 2024 mit 17,6 Prozent. Das Netzwerk Business and Professional Women Austria kommt für ganzjährig Vollzeitbeschäftigte auf 11,6 Prozent. Die Tendenz ist laut Wifo jedoch eindeutig: Die Lohnlücke wird kleiner.

Lebenslange Lücke

Die Allianz Research hat die lebenslange Einkommenslücke zwischen Männern und Frauen berechnet. Für Österreich beträgt diese für den Jahrgang 2025 noch 19,4 Prozent. „Das ist eine klare Verbesserung gegenüber früheren Generationen, aber die Dynamik lässt nach“, kommentierte Ludovic Subran, Chief Investment Officer und Chefvolkswirt der Allianz, die Ergebnisse. Für die Geburtenjahrgänge beträgt die Lücke noch 31,4 Prozent. Hauptgrund ist vor allem die hohe Teilzeitquote. 

Im Ländervergleich liegt Österreich beim verbleibenden Einkommensabstand des Jahrgangs 2025 auf Rang 11 von 14. Im Gegensatz dazu könnten in Schweden Frauen dieses Jahrgangs über das gesamte Erwerbsleben sogar ein leicht höheres Einkommen erzielen als Männer (-2,4 %). Die größte Lücke gibt es in der Schweiz mit 32,1 Prozent.  

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