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Wirtschaft Karriere
12/05/2011

Elite-Studenten: Langes Warten auf Visum

Auch heuer wieder gibt es massive Probleme bei der Einreise von Studenten aus Nicht-EU-Staaten.

von Philipp Hacker-Walton

Regelmäßig betonen Politiker, wie wichtig es sei, hoch qualifizierte Forscher und Studenten an die heimischen Universitäten zu holen. In der Praxis scheitert das oft an der Bürokratie.

Aktuelles Beispiel ist die PhD School of Informatics an der Technischen Universität Wien, ein Doktorats-Programm. Mehrere Hundert Bewerbungen gibt es jedes Jahr für die rund 20 Plätze. Auch heuer wieder gibt es massive Probleme bei der Einreise von Studenten aus Nicht-EU-Staaten: Weil mehrere Studenten aus Kenia, Russland, Pakistan und dem Iran noch auf ihre Visa warten, wurde nun der Semester-Start verschoben.

"Spätestens Mitte Juli haben alle Kandidaten unsere Zusage, schneller geht es nicht", sagt Hannes Werthner, Leiter der PhD-School. "Die Studenten bekommen von uns ein Stipendium, wir kümmern uns darum, dass sie integriert werden, eine Wohnung finden - was sollen wir denn noch tun?"

"Unwürdig"

Die TU ist mit diesem Problem nicht alleine. "Das ist weit verbreitet", sagt Grünen-Professor Alexander van der Bellen, Uni-Beauftragter der Stadt Wien. Zum Teil würden die Verzögerungen gar Austausch-Programme mit Top-Unis gefährden. Van der Bellen beklagt das "geringe Verständnis dafür, dass es im Interesse Österreichs ist, nicht nur im Interesse der Studenten." Die Situation sei "einer Wissensgesellschaft unwürdig"; das Wissenschaftsministerium müsse "Druck machen", um die Situation zu verbessern.
Im Büro von Minister Töchterle verweist man auf einen Visums-Leitfaden, der für die Studenten erstellt wurde; man habe auch immer wieder bei den zuständigen Stellen urgiert.

Auch im Innenministerium ist die Problematik bekannt; die Landesbehörden, die für die Einreise-Anträge zuständig sind, seien daher angehalten, die gesetzliche Maximal-Frist von sechs Monaten nicht auszuschöpfen. Besserung ist nicht in Sicht: In einem Mail an TU-Professor Werthner empfiehlt das Innenministerium, die Anträge "mindestens drei Monate vor Studienbeginn einzubringen", mit - kein Scherz - der abschließenden Empfehlung: "Je früher, desto besser."