Stephan Schmidt-Wulffen zieht es in die Lehre

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Wirtschaft Karriere
06/24/2016

Ein Rektor wird wieder Professor

14 Jahre Rektor, bald Kunst-Professor: Stephan Schmidt-Wulffen über Höhen und Tiefen des höchsten Uni-Amts.

von Nicole Thurn

Mit seiner intellektuellen Schärfe könnte er als Andrè Heller der Rektoren durchgehen. Nicht mehr lange: Von 2002 bis 2011 war Stephan Schmidt-Wulffen Rektor der Akademie der bildenden Künste in Wien, danach war er Rektor an der New Design University (NDU). Ab Juli kehrt er zurück zu seinen Wurzeln – als Professor für Kunsttheorie an der Freien Universität Bozen.

KURIER: Warum brechen Sie Ihre Rektorenkarriere ab und werden wieder Professor?

Stephan Schmidt-Wulffen: Stärke und Schwäche meiner Rektorstätigkeit war, neue intellektuelle Konzepte einzubringen. Das führt zu neuen Studienplänen, nervt aber manchmal die Lehrenden. Ich bin froh, mich nach 15 Jahren administrativer Probleme auf den intellektuellen Anspruch zu konzentrieren. Zu einem Zeitpunkt, wo andere in Pension gehen, spendiert man mir noch ein Ordinariat, eine Professur mit drei Ärmelstreifen sozusagen. In Bozen wird mich ein neues Bachelorprogramm für Kunst beschäftigen.

Würden Sie Ihren Kindern raten, Kunst zu studieren?

Ich selbst habe es anfangs mit Theater versucht, doch mir fehlt die Risikofreude, ohneAbsicherung für die eigenen Ideen radikal einzustehen. Man wäre erschrocken, würde das Kind diese Karriere wählen.

Warum wechselt ein Rektor der staatlichen Kunst-Akademie an die private New Design University?

Die Kunst hat sich in den vergangenen 15, 20 Jahren stark sozial orientiert und politisiert. Für mich wurde die gesellschaftliche Relevanz der Künstler fragwürdig. Der Kunst-Markt bezahlt für Ikonen unangemessene Preise. Umgekehrt gibt es Formen von Design, die sich viel radikaler mit der Gesellschaft auseinandersetzen.

An der Akademie verweigerte das Kollegium die Einführung des Bachelors. Ein Grund, warum Sie 2011 gingen?

Der Dissens war mit ein Grund. Ich habe früh auf das Bolognasystem gesetzt. 80 Prozent der Welt bildet sehr gute Künstler im Bachelor aus. Das Kollegium nahm Bologna als Ausdruck der Neoliberalisierung der Universität.

Wie viel Gestaltungsraum hatten Sie?

Man hat ihn über Personalentscheidungen. Ich habe viele internationale Leute an die Akademie geholt. Teil der Kämpfe war, dass Österreicher das Feld räumen mussten. Es gibt Kräfte des Beharrens, die die Unis geschlossen halten wollen.

Damals sagten Sie: Wenn man kritisches Potenzial schafft, kann es sich auch gegen einen wenden.

Personen, die ich holte, unterstützten meine Position irgendwann nicht mehr. Aber: Hätte ich weitere fünf Jahre verlängert, wäre nur die Pension geblieben. Jetzt habe ich fünf Jahre Erfahrung an der Privatuniversität, die größere Gestaltungsräume bot. An der NDU gelang es uns, einen experimentellen Studiengang der materiellen Kultur einzuführen: Studierende lernen ein Handwerk parallel zum Bachelor.

Was gelang Ihnen an der NDU nicht?

Ich dachte, die öffentliche Resonanz auf unser Studienangebot würde größer sein, zumal wir einen eindrucksvollen Neubau haben. Auch ist es einfacher, Personal nach Wien zu holen als nach St. Pölten. Eine Schattenseite der Privatuni ist: Wir kämpfen mit der Akkreditierungsbehörde. Mit dem Bachelor-Studium Management by Design wollen wir ab 2017 Manager ausbilden. Die Mischung aus BWL und Design ist nicht einfach durchzusetzen.

Sie hofften an der NDU auf mehr Zeit für die Lehre. Dem war nicht so?

Nein, als Rektor ist man Troubleshooter. Das beginnt im Jänner mit dem Ringen um Studierendenzahlen, dann folgt die ständige Arbeit an Studienplänen. Ich unterrichtete parallel an der Zeppelin-Universität in Friedrichshafen: Man schiebt zwei Tage für Lehre ein, dann ist man wieder im Alltagsgeschäft, neue Anschaffungen, die Kollegin kündigt. Unliebsame Dinge. Ich denke, wir haben vieles bewegt, aber ich freue mich auf die Rückkehr in die Kunst.

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