myVeeta-Team: Günther Pfeffer, die Gründer Sascha Mundstein und Jan Pichler, Praktikant Peter Schiffmann und Ananda Stimm (v.li.)

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Das gibt’s Neues
12/04/2015

Ein Manager für jeden Bewerber

myVeeta.com verwaltet Bewerbungen – und die Kontakte zu Wunsch-Arbeitgebern.

von Nicole Thurn

"So etwas muss es doch längst schon geben." Das war der erste Gedanke von Jan Pichler und Sascha Mundstein, als sie im Jahr 2013 die Idee zu einem Bewerbungshelfer hatten. Nach einer weltweiten Recherche bemerkten sie: Das standardisierte Erstellen von Lebensläufen boten zwar einige Plattformen an. "Aber einen umfassenden Bewerbungsmanager gab es nicht", erzählt der frühere IT-Entwickler Sascha Mundstein. Die beiden hatten sich bei ihrer Zusammenarbeit in einem eMarketing-Center der Pharma-Firma Pfizer kennengelernt. Irgendwann im Jahr 2013 sprachen sie über mühsame Bewerbungen und beschlossen, ihre grundsätzliche Idee ein Mal die Woche am Feierabend weiterzuspinnen. Im Mai 2014 gründeten sie die Talent Solutions GmbH. "In der HR hat sich in Sachen Innovation wenig getan, wir wollten die Bewerbung ins 21. Jahrhundert bringen", erklärt Jan Pichler das Motiv für die Gründung. Seit zehn Tagen ist der Bewerbungsmanager myVeeta.com online.

Online-Helfer

Im Vorfeld recherchierten die beiden bei diversen Firmen, was sie am Bewerbungsprozess verändern sollten. "85 Prozent der Bewerbungen passieren übers Internet. 75 Prozent der Unternehmen haben aber gar kein Online-Bewerbungssystem, sondern nehmen Bewerbungen per eMail an", sagt Jan Pichler. Auch die Online-Systeme, die einige Firmen anbieten, hätten Nachteile: "30 Prozent brechen den Bewerbungsprozess ab, weil er zu lange dauert", so Pichler. myVeeta soll Hürden beseitigen – damit Bewerber sich nicht mit Formatierungen herumschlagen müssen und Firmen zu passenden Bewerbern kommen. "Die Firmen können einsehen, ob der Bewerber sich schon einmal bei ihnen beworben haben", sagt Mundstein.

Interessierte Bewerber können sich gratis registrieren und die Datenmasken für Lebenslauf, Motivationsschreiben und Anschreiben ausfüllen. Damit das nicht zu sehr Einheitsbrei wird, können Farbe und Schriftart gewählt werden. Die Art des Lebenslaufs wird je nach beruflicher Erfahrung generiert: "Für einen Lehrling wird oben die Ausbildung angezeigt, weil sie wichtiger ist, für einen erfahrenen Manager die Berufserfahrung", sagt Jan Pichler. Weitere Dokumente, Portfolios kann man uploaden.

Kontakt halten

Eine Sache war den Gründern wichtig: "Wenn man den Job nicht bekommt, hält man den Kontakt zur Firma im Normalfall nicht aufrecht. Bei myVeeta.com kann man alle Firmenkontakte verwalten und hat so einen Überblick über bisherige Bewerbungen", sagt Pichler. Die Firmen erhalten auch die aktualisierten Lebensläufe ihrer (früheren) Bewerber.

150.000 Euro haben die beiden aus privater Kassa – auch von "friends and family" – bisher finanziert. Der Datenschutz war teuer: "Die Daten sind sehr intim und vertraulich, wir haben sie SSL-verschlüsselt", versichert Mundstein. "Wir testen unsere Firewall mit Hackern einer IT-Security-Firma", ergänzt Pichler. Die Daten würden nur jene Firmen erhalten, bei denen man sich bewirbt.

Geld verdient myVeeta über die Firmen, die ein Nutzungsabo bezahlen. In den nächsten Monaten will man weitere Firmen und Recruiter akquirieren, die myVeeta monatlich günstig abonnieren. "Wir haben Gespräche mit einem globalen Konzern", verrät Mundstein.

Anfang 2016 will man auf andere EU-Märkte ausweiten. Im zweiten Quartal auch günstiges Lebenslauf-Coaching anbieten. Trends wie Videobewerbungen wollen sie bei Bedarf in ihre Plattform integrieren.

Wo sie in einem Jahr sein wollen? "Wir hätten gern unseren hundertmillionsten Nutzer", lacht Jan Pichler. "In einem Jahr soll die myVeeta-Bewerbung in Österreich zum guten Ton gehören – bei Firmen und Bewerbern", ergänzt Mundstein. Investoren werden für dieses Ziel noch gesucht.

Was jeder Entrepreneur wissen muss

1. Binde von Anfang an deine User ein. Jan Pichler: Wir haben mit 60 Testusern eine aufwendige Evaluierung der Plattform durchgeführt. Jede noch so kleine Sache wurde von ihnen bewertet.

2. Man muss viel Wert für andere schaffen. Pichler: Welchen Wert schaffe ich für Bewerber, welchen für Firmen? Man sollte immer mit denen arbeiten, für die man den Wert schafft. Sascha Mundstein: Wir dürfen aber nicht den ganzen Wert für uns abschöpfen, nur so können wir wachsen.

3. Recherchiere den Marktbedarf, bevor du deine Geschäftsidee umsetzt. Mundstein: Wir haben viele Firmen gefragt, ob sie an unserer Idee interessiert sind und was sie gerne konkret hätten. Das haben wir gemacht, bevor wir an myVeeta zu arbeiten begonnen haben. Viele Start-ups gehen mit einem Produkt auf den Markt, das gar nicht gebraucht wird.

4. Nimm Geld und Zeit mal zwei. Auch wenn du glaubst, großzügig zu planen und zu kalkulieren: Nimm dein angepeiltes Budget und die Zeitspanne bis zur Umsetzung mal zwei. Wir haben 150.000 Euro Eigenkapital investiert, haben schon vor einem Jahr zwei Entwickler angestellt, die auch am Unternehmen beteiligt sind.

5. Versink nicht im Start-up-Lifestyle. Mundstein: Viele Start-ups glauben, sie müssen ständig auf Konferenzen und pitchen. Nicht, dass das unwichtig ist, aber: konzentriert euch auf die Arbeit. Pichler: Wir gehen mit befreundeten Gründern oft auf ein Bier und suchen für Förderungen an, das reicht uns.

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