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Wirtschaft Karriere
12/05/2011

Echte Blamage mit falschem Vettel

Mentaltrainerin Marlene Krenn coachte über ein Jahr lang einen falschen Sebastian Vettel. "Ein Kollege hat intrigiert", behauptet sie.

von Nicole Thurn

In einem Vortrag auf einer Business-Veranstaltung kürzlich bei Wien ließ sie sich vom Moderator als "wohl beste Mentaltrainerin der Welt" ankündigen, ihr Image ist nun aber mehr als angekratzt: Nach einem Bericht der BILD-Zeitung hat Marlene Krenn nicht, wie sie selbst gegenüber Medien mehrfach behauptet hat, mit Formel1-Weltmeister Sebastian Vettel zusammengearbeitet. Der kennt Krenn nämlich gar nicht, wie sein Management über die BILD ausrichten ließ.

Krenn droht jetzt eine Klage, sie selbst meint, auf einen falschen Vettel hereingefallen zu sein - habe sie doch ausschließlich Kontakt per Mail und Telefon zu ihm gehabt. Mit großem Aufwand, da der falsche Vettel in Hotels im Umfeld der Formel1 eingecheckt hatte, Krenn ihn dort telefonisch kontaktierte. Der falsche Vettel - Krenn vermutet einen erfolglosen Kollegen dahinter - habe sich nach den Medienberichten nun bei ihr per Mail entschuldigt. Einen konkreten Verdacht hat Krenn nicht, "es ist nur so, dass mein Workshop immer voll ausgebucht ist, bei manchen anderen Trainern läuft es mittelmäßig", sagt sie gegenüber KURIER.at.

Falscher Vettel

Krenn gilt als Top-Coach für Spitzensportler, arbeitete laut eigenen Angaben auch mit der spanischen Nationalmannschaft: "Ich habe einzelne Top-Fußballer privat betreut, die über Sponsoren über Mundpropaganda zu mir gekommen sind", sagt sie. Stimmt's, oder werden sich jetzt gar falsche Villas, Xavis und Iniestas melden? Auch Triathleten coacht sie laut eigenen Angaben aktuell. Wie Triathletin Irina Kirchler, die sich seit Sommer von Krenn coachen lässt. "Ich bin total zufrieden mit ihr, sie ist ein sehr ehrliche und authentische Person, die gute Arbeit leistet. Mein Erfolg im mentalen Bereich spricht für sich", so Kirchler gegenüber KURIER.at.

Den falschen Vettel habe Krenn offiziell erst als Referenz genannt, "nachdem ich von ihm per Mail eine Bestätigung dazu erhalten habe. Das würde ich nie tun, wenn ich nicht davon überzeugt wäre." Dem KURIER legte Krenn nun eine e-Mail vor, die beweisen soll, dass der falsche Vettel Reue zeigt:

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Von: Sebastian Vettel [mailto:s.vettel@gmx.ch]
Gesendet: Sonntag, 16. Oktober 2011 10:27
An: marlene@verabredungmitdemleben.at
Betreff: Geschafft oder doch nicht

heut ist Sonntag 16. Okt. im Jahr 2011 und ich les gerade die Artikel die über dich geschrieben wurden. So schlimm wollt ich nicht das es kommt - ich wollt dich eigentlich nuhr ein klein wenig dämpfen.Deine Vorträge Seminare und Workshops sind regelrecht ausgebucht - schon immer - auch vor Vettel - wärhend ich mich mit Durchschnitt zufrieden geben muss. Die Arbeit wars mir wert - nachreisen zu den Rennen um von dort anzurufen - meine Stimme technisch anzupassen und viele Mails zu schreiben. Ich dacht ich wär dann irgendwann auch so erfolgreich und beliebt wie du es bist.

Warum lieben dich die Menschen?

Das du mit Vettel arbeitest habe ich in facebook aufgebracht und von dort musste es sich wohl verbreiten. Dann mußtest es übernehmen! Ich weis das du viel mit prominenten Menschen privat arbeitest - auch mit Top-Fußballern - da hab ich ein paar weitere Referenzen aufgebracht. Wer nachschaut sieht das du selber das nie gesagt hast und du bist wieder frei. Informier alle!!! Sorry - du warst leider immer besser und irgendwie so unerreichbar!


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Der Kontakt mit dem falschen Vettel entstand im Frühjahr 2010 - Krenn erhielt demnach eine Anfrage von der Mailadresse s.vettel.@gmx.ch. Dabei gedacht habe sie sich nichts: "Es ist für mich normal, dass ein Prominenter mir Mails schickt."

Das ausständige Honorar an Vettel - 60.000 bis 80.000 Euro - wäre erst jetzt fällig geworden. Darauf muss Frau Krenn nun wohl verzichten, eine Anzeige gegen Unbekannt will sie nicht einreichen.

In dem eingangs erwähnten Vortrag sprach die Mentaltrainerin übrigens davon, dem falschen Vettel zu Smileys im Cockpit geraten zu haben - um Erfolg zu "ankern" - das zeigt auch ein Mail von obiger Adresse vom 9. Oktober. "Die Smileys selbst waren aber seine Idee, ich habe ihm nur zu Ankern (Anm. Hilfsmittel für positive Stimmung) geraten", sagt sie gegenüber KURIER.at. Tatsächlich verwendet der echte Vettel Smileys in seinem Cockpit, wie er der Bild-Zeitung schon im September sagte. Schon 2004 habe er sich demnach nach jedem Sieg einen Smiley ins Cockpit geklebt.

Auch wenn die Mentaltrainerin nun wohl nicht viel zu lachen hat, sieht sie die Lage um ihr Image nicht allzu dramatisch: "Die Leute, die mit mir arbeiten, wissen, dass ich ehrlich bin. Und ich kriege viel Zuspruch aus aller Welt."