Doku: Work Hard – Play Hard

Work Hard - Play Hard: Seit Ende Juni in den heimischen Kinos © Bild: Hupe Films

Deutsche Aufreger-Doku über die Praktiken in den Personalabteilungen von Konzernen. Einblicke in nüchterne Großraumbüros und Teamtrainings im Wald.

Teambuilding im Stollen: Via Bildschirm wird die Situation verfolgt und bewertet.
© Bild: Hupe Films

Schöne neue Arbeitswelt? Derzeit werden  die  neuen Arbeitskonzepte  wie  flexibles Arbeiten,  Potenzialanalysen, Changemanagement und  Teambuilding bejubelt. Carmen Losmann hat eine  Dokumentation   darüber  gedreht: "Work Hard – Play Hard". Über den Zeitraum von einem  Jahr  filmte sie in Unternehmen wie Unilever oder  der Deutschen Post  das gegenwärtige Human-Resources-Management mit - das ergebnis ist jetzt auch in den österreichischen Kinos zu sehen.

All zu gut kommen die Unternehmen  dabei nicht weg. Das liegt weniger an der gefeierten Doku, als an den  Kritiken in den  Medien.  Die Süddeutsche Zeitung schrieb etwa: "Die Taktiken  der Ausbeutung sind subtiler geworden, um den Preis des Verschwindens der Privatsphäre".     Produzent Erik Winkler erzählt, "eine Zeitung hat sogar  von Stasimethoden geschrieben. Obwohl der Film nicht wertet", fügt er hinzu.

Tatsächlich sind den  Unternehmen die Methoden zur Optimierung der Ressource Mensch nicht als böse Absicht  zu unterstellen.    Nur: Die Realität zwischen Assessment-Center und Teambuilding-Seminaren  wirkt  auf der Leinwand   grau  und abgeklärt.  Es erschreckt, wenn  Männer in einem Seminar im Wald mit verbundenen Augen in Stollen geschickt werden. Sie müssen  eine Aufgabe  erfüllen. Bevor sie sprechen dürfen, müssen sie in eine Pfeife blasen.  Alles im Namen des Teamtrainings. "Es ist ein wahnsinnig tolles Gefühl, mich einfach in die Arme meiner Kollegen fallen zu lassen, das ist ein sehr, sehr schönes Gefühl", sagt ein Teammitglied.     

Unpersönliche Freiheit

Wer im "Flow" ist und "alles um sich herum vergisst" ist leistungsfähig.
© Bild: Hupe Films

Wie sehr Grenzen in der modernen Arbeitswelt verschwinden, zeigt  eine andere Episode: Nackte Schreibtische,  die nur das Notwendigste, einen Anschluss für den Laptop und ein Telefon, bereitstellen. Ungezählt viele stehen davon  in einem  Raum,   Details zur Unterscheidung  fehlen.    Ein Planer   erklärt das  "nonterritoriale Arbeitsplatzkonzept".       Mitarbeiter  haben keinen eigenen Schreibtisch mehr,  sondern  können, gleich einem Hotel, den  Arbeitsplatz je nach Bedürfnis im Netz buchen.   Der Nachteil: Es fehlt  die persönliche Komponente und damit das Zugehörigkeitsgefühl.    Die Lösung: Meeting Points und  Coffee Points  mit Wohnzimmeratmosphäre.

Man weiß, dass  "zufällige, ungeplante Kommunikation", so ein Designer, für "achtzig Prozent" der Kreativität eines Unternehmens verantwortlich sei. Also  plant man mit der Einrichtung zwanglos anmutende  Kommunikationszonen, das Unplanbare. Manche  Räume sind   einem  Wohnzimmer nachempfunden.  Die Mitarbeiter sollen arbeiten, ohne zu merken, dass sie  arbeiten.   Denn  wer im "Flow" ist und "alles um sich herum vergisst"  ist leistungsfähig. Auf die Farbe braun wird bei der Raumgestaltung bewusst verzichtet. Denn  Brauntöne, erfährt man,  würden zu sehr an zu Hause erinnern.      In  einer anderen  Szene werden  Mitarbeiter bei einem Assessment Center gefilmt.   Sie sitzen jeweils vor drei Prüfern und müssen Fragen zu ihren Stärken, Schwächen und Potenzialen beantworten.    

So ist das täglich in Tausenden Unternehmen, rund um den Globus. Es ist der normale Alltag in Konzernen. In einem Zeitalter, in dem die Ressource Mensch den Wert des Unternehmens bestimmt. "Man wendet sich in Unternehmen der Ressource Mensch zu. Es ist das Zeitalter des Menschen", sagt Winkler.   

Die gefilmten Unternehmen  waren von den Reaktionen der Presse nicht  begeistert.      Und sie waren   überrascht von der negativen Wahrnehmung der Kritiker. Denn sie  hatten die Szenen vorab gesichtet.

Zur Regisseurin und dem Österreichstart

Geboren 1978 in Crailsheim, studierte Carmen Losmann von 2003 bis 2008 an der Kunsthochschule für Medien in Köln im Fachbereich Film/Fernsehen. Derzeit arbeitet sie als freiberufliche Regisseurin in Berlin und Köln. Bereits während des Studiums realisierte sie Dokumentarfilme, in denen sie sich mit dem Themenkomplex "Arbeitswelt" befasste. In diesem Themenbereich ist  auch ihr viel beachtetes und gelobtes Langfilmdebüt angesiedelt: Der Dokumentarfilm "Work Hard – Play Hard" beschreibt die Welten des sogenannten "Human Resource Managements" in der modernen Arbeitswelt.

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( Kurier ) Erstellt am 13.07.2012