Das beste Ich: So kriegen Sie's hin.

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Das beste Ich
11/07/2014

Die Kunst, sich richtig zu präsentieren

Sich zu präsentieren gehört zum erfolgreichen Leben: Wer das gut kann, kriegt Jobs, Geld und Liebe. Das Geheimnis ist die eigene Geschichte. Man muss wissen, wer man ist und was man kann.

von Andrea Hlinka

Denen, die die Welt in den Abgrund stürzen wollen, sage ich: Wir werden euch besiegen. Denen, die Frieden suchen, sage ich: Wir unterstützen euch. Und all denen, die sich gefragt haben, ob Amerikas Signalfeuer immer noch leuchtet, sage ich: Heute Nacht haben wir einmal mehr bewiesen, dass die Stärke unserer Nation nicht von der Macht unserer Waffen oder unserem Reichtum abhängt, sondern von der andauernden Kraft unserer Ideale: Demokratie, Freiheit, Entfaltungsmöglichkeiten und nicht enden wollende Hoffnung" – mit diesen Worten bei seiner Antrittsrede 2008 festigte Barack Obama seine Position als mächtigster Mann der Welt. Dieser Mann, der alle begeisterte, gilt heute als abgehoben, als einer, dessen Glanz verloren ist.

Was für Obama gilt, ist allgemeingültig: Jeden Tag müssen wir uns bewerben und verkaufen und die beste Version unseres Selbst sein, um einen Job zu bekommen, um als Start-up Geld von Investoren zu lukrieren, den Chef davon zu überzeugen, dass man mehr Geld wert ist. Alles ist möglich, wenn man mitreißen kann. Und es wird verlieren, wer enttäuscht.

Einer aktuellen Studie zufolge wissen nur wenige Österreicher, wer sie sind und was sie können. Sie zotteln zu Vorstellungsgesprächen, verunsichert, wie ein kleines, unbestimmbares Wesen , wie das kleine Ichbinich zu Beginn der Kindergeschichte. Der börsenotierte Personaldienstleister Robert Half hat 100 Personalmanager in Österreich befragt, was sie von ihren Bewerbern halten: 49 Prozent beklagen, dass Bewerber mit weniger als fünf Jahren Berufserfahrung zu wenig auf ihre Kompetenzen und Erfahrungen eingehen. "Viele Jobsuchende glauben, es reiche, die eigenen Fähigkeiten im Lebenslauf zu beschreiben. Da liegen sie falsch. Denn auch im Vorstellungsgespräch dreht sich vieles um die Kompetenzen des Bewerbers. Es ist Aufgabe des Kandidaten, diese durch anschauliche Beispiele zu vertiefen", sagt Robert Szvetecz von Robert Half.

Wer bist du?

Ein Gespräch über einen Job soll so klingen: "Junge Dame, was wollen sie sein, wenn sie erwachsen sind?" "Ich möchte Journalistin sein. Ich will Geschichten von Menschen so erzählen, sodass sich ihr Leben verändert. Ich will die Welt bewegen" – sagte Oprah Winfrey. Im Alter von 19 Jahren hatte sie ihr TV-Debüt. Wer bei einem Vorstellungsgespräch Erfolg haben will, muss nicht nur pünktlich und adrett gekleidet sein und das Unternehmen kennen, sondern seine eigenen Ziele und Pläne. Muss sie wahrhaftig vermitteln können. Wer seine Idee präsentiert, muss mehr tun, als nur auf der Bühne zu stehen. Am Ende soll sich das Publikum denken: souverän und eloquent, positiv und ansteckend, klug und deutlich. Und nicht: Was für ein Dilettant.

"Stellt man einen langweiligen Mann auf eine Bühne, steht ein langweiliger Mann auf der Bühne. Fertig." Georg Wawschinek MedientrainerWie man das macht, weiß Georg Wawschinek. Seit 15 Jahren holt der Medientrainer und Keynote-Speaker das beste Ich aus Menschen heraus. Mehr als 10.000 Klienten hat er dabei zugesehen, wie sie sich präsentieren und ihnen erbarmungslos offenbart, wie sie beim Gegenüber ankommen. "Manchmal habe ich mir gewünscht, vorspulen zu können. Bitte komm einfach zum Punkt! Tatsache ist: Charisma fällt nicht vom Himmel. Stellt man einen langweiligen Mann auf die Bühne, steht ein langweiliger Mann auf der Bühne. Fertig." Menschen, die uns fesseln, sind laut Wawschinek jene, die Geschichten erzählen können. "Sie kommen auf den Punkt und sind sich ihrer Wirkung bewusst." Wie man lernt, Geschichten zu erzählen? "Witzeerzählen ist eine gute Möglichkeit, das zu üben. Denn sie haben immer ein oder zwei handelnde Personen, eine Bühne, eine Szene, einen kurzen Dialog und eine Pointe. Das braucht jede Geschichte: Sie muss lehrreich, neu und unterhaltsam sein." Was Geschichten keinesfalls sein dürfen: unwahr oder bis zum Unkenntlichen aufgerüscht. Das muss auch nicht sein, denn laut Wawschinek hat jeder Mensch eine Geschichte zu erzählen. Man müsse nur den Kern finden und die Emotion, die einen antreibt.

„Stellt man einen langweiligen Mann auf eine Bühne, steht ein langweiliger Mann auf der Bühne. Fertig.“

Georg Wawschinek, Medientrainer

Das heißt konkret: Hinsetzen, das Leben Revue passieren lassen, Werte, Ziele, Stärken resümieren. Und diese dann zu einer ins sich konsistenten Geschichte gießen. "Sei, was du scheinen willst", stammt von Sokrates. Eine Weltreise kann so zum Beispiel zu einem fabelhaften Beleg für Neugierde und Offenheit werden. Ein gescheitertes Unternehmen wird zu einem Attest für Mut und reichen Erfahrungsschatz. Die Schulsprechertätigkeit steht dann für Organisationstalent und die Fähigkeit, zwischen Menschen vermitteln zu können. Das fördert das Selbstbewusstsein, man bekommt eher, was man will: Sei es Geld, Job oder Liebe.

Wichtiger denn je ist es heute, Menschen nicht die Zeit zu stehlen und nicht zu labern. Denn obwohl es immer wichtig war, sich zu präsentieren, funktioniert die Selbstvermarktung heute aufgrund von YouTube, Facebook und Google nach einem anderen Prinzip. "Unsere Aufmerksamkeitsspanne hat abgenommen. Präsentationen müssen daher kürzer, kompakter und knackiger sein", sagt Wawschinek. Die beliebtesten YouTube-Clips und TedX-Talks sind die, die nicht lang dauern. Das Gute daran: Die Möglichkeiten zu glänzen sind heute zahlreich, vor allem, weil gute Lehrer heute dank Internet eben kein Privileg mehr sind.

INFO: Die KURIER Karrieren starten online einen neuen Kanal, der die besten Anleitungen und Schablonen zu Bewerbungen, Vorstellungsgesprächen und den ersten Tagen im Job beinhaltet.

Was beeindruckt Sie an Bewerbern?

Mariusz Jan Demner prägt mit seiner Agentur Demner, Merlicek & Bergmann die heimische Werbewelt: „Eine der originellsten Bewerbungen, die mir je unter gekommen ist, ist jene von Wolf Haas: Er hat sich und seine bisherigen Arbeiten auf den ersten Seiten eines Buches in humorvoller und kreativer Weise beschrieben – nach dem Motto „dass der Demner das liest und sich denkt: das Bürschchen kauf ich mir!“ Haas hat dann einige Jahre lang großartige Werbung bei uns gemacht – bis er als Schriftsteller so erfolgreich wurde, dass er von seinen Büchern leben konnte.“

Was tun gegen Lampenfieber?

Valérie Sajdik ist eine österreichische Popsängerin, Chanteuse und Schauspielerin: „Wichtig vor einem Bühnenauftritt ist, den Raum der Bühne für sich zu erobern, um ihn ausfüllen zu können. Und sich bewusst zu sein, dass die Strahlkraft auch bis in die hinterste Reihe reichen muss. Ein paar Mal tief durchatmen, dehnen, Stimme wie Körper. Den Glücksbringer drücken. Ein paar Minuten vor dem Auftritt setzt bei mir das Lampenfieber ein, und dann weiß ich, ich bin bereit. Das Adrenalin ist mein Freund, der mich gegen alles wappnet. Zu sicher sein, ist auf Dauer nicht von Vorteil.“

Worauf kommt’s beim Pitchen an?

Runtastic ist die große Erfolgsstory Österreichs – das Start-up wurde 2009 von Florian Gschwandtner gegründet: „Erstens: Man muss möglichst schnell die Herausforderung und die Lösung darstellen. Zweitens muss man das Team gut präsentieren – zeigen, wer sind die Gründer. Drittens: Track Record – was wurde bis dato geschaffen und welche Zahlen gibt es. Viertens: Wer ist die Konkurrenz und wie differenziert man sich. Und fünftens: Eine kurze Darstellung der Businessplanung – was passiert die nächsten 18 Monate und wie sieht das Businessmodell aus.“

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