Die Coolen an der Schule

Whatchado
Foto: KURIER/Franz Gruber Ali Mahlodji (li.) und Stefan Patak (re.) gründeten 2012 mit Jubin Honarfar und Manuel Bovio whatchado

Ali Mahlodji und Stefan Patak gehen mit ihrer Videoplattform whatchado an Schulen und Unis. Ihr Ziel: Die Berufsorientierung cooler zu machen.

An der Wand des Besprechungszimmers hängt neben  Award-Auszeichnungen auch das Schreiben eines Anwalts. „Anfangs haben sich  viele von uns angegriffen gefühlt“, sagt whatchado-Gründer Ali Mahlodji. Sein Credo: Ich will die Welt verändern. Oder zumindest die Berufsorientierung. Unternehmen bezahlen dafür, dass ihre Mitarbeiter auf whatchado.com über ihren  Werdegang erzählen. Per Matching kann der User  sehen, welcher Beruf zu ihm passt.     Rund 5350 Jobprofile  sind bereits online, auch von Promis. Armin Wolf  akquirierte Ali Mahlodji über Twitter, für Heinz Fischer  brauchte es  „70 Mails“.  
Seine Geschichte, jene des Flüchtlingskindes aus dem Iran, das die Schule abbrach und 40 Jobs später mit Freunden ein erfolgreiches Internet-Start-up gründete, erzählt Mahlodji gern auf  Podien.  In  vier Jahren haben es die  Gründer auf zwei Millionen Euro Jahresumsatz und rund 50 Mitarbeiter gebracht.  Investoren reißen sich um das Start-up. Erst im April haben die Unternehmerinnen Hilde Umdasch und   Nicole Ehrlich-Adam 2,5 Millionen Euro  investiert.  Mit einem weiteren sechsstelligen Betrag einer Stiftung will  Whatchado alle Schulen und Universitäten erobern.

KURIER: Wie schafft man es von der Gründung  unter Kumpels  zum expandierenden Unternehmen?
Ali Mahlodji:
Wir  hatten zur Gründung bereits  Aufträge  in der Höhe von  80.000 Euro.   Nach und nach haben wir alle ehrenamtlichen Mitarbeiter  angestellt. Ich habe früher bei Siemens Teams geleitet. Neu war für mich, mit Freunden etwas aufzubauen. Das war eine ziemliche Challenge.
Stefan Patak: Mit Mitarbeitern diskutiert man auf sachlicher Ebene, unter Freunden wird es emotionaler. Angeschrien haben wir zwei uns  weniger...
Mahlodji: ... gefetzt haben wir uns schon.
Patak: Die Stärke, mit Freunden zu gründen, ist: du hast Leute, denen du vertrauen, auf die du bauen kannst. Anfangs macht jeder alles.

Wie wurde die Verantwortung verteilt?
Patak
: Nach der Firmengründung sind wir im Büro gesessen und haben uns gefragt, was machen wir jetzt? Nach und nach haben sich Verantwortlichkeiten je nach Stärken herausgebildet.
Mahlodji: So schnell ein Team aufzubauen funktioniert nur, wenn man als Chef  die Mitarbeiter in geschütztem Rahmen Fehler machen lässt.  Einmal haben wir   einen Riesendeal mit Sebastian Kurz an Land gezogen. Ich hab  meinen Leuten  alles erklärt und  dann gesagt: Ich hau ab nach Mexiko. Die haben Blut geschwitzt, aber danach haben sie gewusst, wie man so ein  Projekt stemmt.

Könnt Ihr den Start-up Spirit noch erhalten?
Mahlodji:
Es wird schwierig. Aber wir haben immer noch montags unser  gemeinsames Frühstück.
Patak: Ich bin auch Chief Happiness Officer –   demnächst fliegen wir alle  nach Mallorca.  

Wie führt man denn richtig?
Mahlodji:
Die Hirnforschung zeigt: Wir Menschen lieben Begeisterung. In der Arbeitswelt wird das leider ausgeblendet.   Du darfst eine Regierung wählen, ein Auto lenken und in der Arbeit sagt dir jemand, was du zu tun hast.  Das ist doch Bullshit. Dieses Modell der Industrialisierung passt in der  heutigen dynamischen Arbeitswelt nicht mehr.  
Patak: Das  Bildungsystem ist schuld. Dir wird gesagt, was du falsch machst, statt Stärken zu fördern.  In der Schule erklärt keiner, warum man Differentialrechnungen lernen soll. Der Sinn fehlt.
Mahlodji: Ich kenne ein Mädchen, die wurde  in Englisch von der Klassenschlechtesten zur Besten – weil sie ihren  Star-Youtuber  verstehen wollte.

Mit whatchaskool haltet ihr  seit 201 5 auch Vorträge an Schulen. Was erklärt ihr den Kindern?
Mahlodji:
Wir machen ihnen klar, dass ihre Herkunft Zufall ist, dass in  unserer unsicheren Welt keiner  ihre Probleme löst. Sie müssen es selbst tun. Wir sagen ihnen, dass es normal ist, nicht zu wissen, was man werden will. Auf die coole Art,   wir setzen uns ein Kapperl auf, sprechen ihre Sprache.
Patak: Wir wollen unsere Vorträge  auch an den Unis ausbauen. Und Lehrende, Coaches und Karrierezentren   mit Material  unterstützen.

Was ist euer Ziel bis 2020?
Mahlodji: 
Wir wollen mehr Kunden, das Matching verbessern. Jeder, der sich beruflich orientieren will, soll whatchado kennen.

(KURIER) Erstellt am
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