28 Prozent der Studierenden an der Uni Wien stammen aus anderen Ländern

© APA/GEORG HOCHMUTH

Brain Drain
12/02/2013

Die besten Akademiker wandern aus

Und die, die zu uns kommen, haben mit Hürden zu kämpfen, kritisiert die Uni Wien

von Nicole Thurn

Im März dieses Jahres stellte Langui Xie die Dokumente für sein Arbeitsvisum in Österreich zusammen. Erst im Oktober hielt der chinesische Chemiker es in Händen.

Die bürokratischen Mühlen in Österreich mahlen für Drittstaatsangehörige langsamer als anderswo. Das weiß auch Xie’s Chef, der portugiesische Forscher Nuno Maulide. Er bezog im Oktober an der Universität Wien einen Lehrstuhl am Institut für organische Chemie – gemeinsam mit seinem 14-köpfigen Team aus elf Nationen, mit dem er zuvor am Max-Planck-Institut im deutschen Mülheim geforscht hatte. Seine Mitarbeiter aus Drittstaaten wie China, Syrien, Thailand hatten mit Unmengen an Dokumenten zu kämpfen, mussten zum Teil für ihre Originaldokumente in ihr Heimatland fliegen, sechs Wochen auf ihr Arbeitsvisum warten. In Deutschland sei vieles einfacher, dort warte man wenige Tage auf sein Visum, erzählte Maulide am Donnerstag vor Journalisten in Wien.

Anreize für den "idealen Zuwanderer"

36 von hundert Mitarbeitern der Uni Wien haben eine ausländische Staatsbürgerschaft. „Ausländische Absolventen sind die ,idealen Zuwanderer‘. Sie sind eine qualifizierte Ergänzung für die heimische Wirtschaft,“ sagte Heinz Faßmann, Vizerektor für Personalentwicklung und internationale Beziehungen an der Universität Wien und Migrationsforscher. Er forderte eine Nachjustierung der Rot-Weiß-Rot-Card für Akademiker aus Drittstaaten: Die Bürokratie müsse vereinfacht werden – derzeit seien drei Ministerien zuständig. Die Einkommensgrenze von 1998 Euro brutto müsse herabgesetzt werden – denn das Einstiegsgehalt liege für Jungakademiker bei 1530 Euro brutto. Und: Nicht nur Festangestellte und Master-Absolventen, sondern auch Selbstständige und Bachelor-Absolventen sollten Anspruch auf die RWR-Card erhalten.

Das betreffe auch ausländische Studierende, die in Österreich ein Studium absolvieren. An der Uni Wien stammen mehr als 28 Prozent der Studierenden aus dem Ausland – aus 140 Ländern. Viele von ihnen würden Österreich nach dem Studienabschluss verlassen. So blieben nur 16 Prozent der Drittstaatsangehörigen im Land, sagte Faßmann. Andere Länder sind hier attraktiver: In Deutschland bleiben 25 Prozent, in Kanada 33 Prozent der Wirtschaft erhalten. Faßmanns Fazit: „In Zeiten des Fachkräftemangels muss Österreich qualifizierte Arbeitskräfte im Land halten.“ Konzerne wie der Chemiekonzern Baxter setzen längst auf hoch qualifizierte Mitarbeiter aus dem Ausland, bekräftigte auch Susanne Schober-Bendixen, Vorstandsmitglied bei Baxter: „Bei unseren Teams legen wir auf eine multikulturelle Ausrichtung Wert.“

Die Universitäten würden jedenfalls von internationalen Forschern und Studierenden profitieren, so Faßmann: „Ihre Reputation steigt dadurch.“ Umgekehrt seien die Unis ein Integrationsmotor: „Sie müssen mit Budget unterstützt werden.“

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