Design Thinking

© Kay Herschelmann (2)

Design Thinking
07/16/2013

Hab Spaß, aber nimm ihn ernst

Eine vielversprechende Methode für bahnbrechende Innovationen

von Andrea Hlinka

Wird in einer Bank nach einer Lösung für das Wertpapiergeschäft der Zukunft gesucht, arbeiten in der Regel Experten zusammen, Analysten eben, Controller und Manager. Alle aus demselben Dunstkreis.

Was würde passieren, würde man einen Schüler und einen einfachen Kunden in diese Szene setzen? Zusätzlich könnte man Hierarchien abschaffen, Kritik vermeiden und Stehtische, Whiteboards, Post-its oder Bausteine zur Verfügung stellen. Das Ergebnis wäre zweifellos spannender als die Lösung des homogenen Teams, das (meist) von Männern dominiert wird, die alle einen ähnlichen Hintergrund haben.

Genau hier setzt Design Thinking an: Die Methode nutzt die schöpferische Kraft heterogener Teams. Immer mehr namhafte Firmen wenden Design Thinking an, in der Hoffnung, wahre Innovation zu entwickeln.

Regeln

Der Weg zur Innovation erfolgt in sechs Schritten: Verstehen, beobachten, Ideen entwickeln, Prototypen entwerfen, dann direkt auf der Straße testen und verfeinern. Wobei der Vorgang nicht linear ist, sondern iterativ – man springt also zwischen den Arbeitsschritten hin und her. Man probiert viel aus, testet, verwirft oder bessert nach. Die dynamische Arbeitsweise verlangt nach einem geeigneten Arbeitsklima. Im neu erschienenen Buch „Durch die Decke denken. Design Thinking in der Praxis“ finden sich etwa folgende Regeln:

Quantität vor Qualität

In der ersten Phase zählt die Quantität, nicht die Qualität der Einfälle. Der erste Einfall ist selten der große Wurf.

Keine guten Ideen

Es gibt keine guten Ideen und nur weil sie vom Chef kommen, sind sie nicht per se gut.

Scheitere oft

Fail early and often – wie ein Kind das Laufen lernt. Schwachstellen sind Chancen, um Innovation aufzuzeigen.

Keine Hierarchie

Titel bleiben vor der Tür. Alle sind auf Augenhöhe.

Keine Kritik

Erst wenn das Konzept fertig ist, kann gewertet werden.

Hab Spaß

Es ist wichtig, Spaß zu haben, aber Design Thinking heißt nicht nur spielen. Am Ende soll ein konkretes Ergebnis vorliegen, nur der Weg dahin ist offen.

Spiel Pingpong

Baue auf Ideen anderer. Ideen werden besser, wenn man sie kombiniert.

Lass dich gehen

In der Ideenfindung möglichst wild werden, über den Prototypen und die Tests kommt man wieder in die Realität.

Don’t talk – do

Mach es einfach, sprich nicht nur darüber.

Ausbildung

Ulrich Weinberg ist Leiter der Hasso-Plattner-Schule für Design Thinking, die der berühmten d.school an der University of Stanford in Kalifornien nachempfunden ist. Pro Semester werden 80 Studierende aufgenommen, 120 sind es gesamt. Sie stammen aus 75 unterschiedlichen Disziplinen, 60 Hochschulen und 25 Nationen – Diversität im Reinformat. Betreut werden sie von 35 Professoren und Assistenten. An der d.school wird nicht benotet, man setzt auf die intrinsische Motivation. „Wir fördern Eigenverantwortung. Das sind Erwachsene mit Expertise“, sagt Weinberg.

Gearbeitet wird hier nicht im Elfenbeinturm, sondern mit realen Aufträgen von großen Unternehmen, wie der Deutschen Bank, der Deutschen Telekom, DHL, VW oder Daimler – alle auf der Suche nach neuen Konzepten.

Spricht man mit Ulrich Weinberg, wird deutlich, dass es bei Design Thinking um viel mehr geht, als eine Methode, innovative Produkte, Strategien oder Systeme zu entwickeln. Vielmehr erzählt Design Thinking von einem neuen Umgang mit Menschen, Bildung und Informationen. „Die einzige Chance die wir haben, um komplexe Probleme zu lösen ist, dies gemeinsam zu tun.“

Der Bildungsapparat wird sich, glaubt Weinberg, in den kommenden Jahren massiv ändern. Muss er, denn derzeit „bereiten wir unsere Kinder auf eine Welt vor, die es gar nicht mehr gibt.“

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