Oliver Holle

© KURIER/Jeff Mangione

Karrierewege
02/22/2013

Der IT-Entwicklungshelfer

Oliver Holle verkaufte seine Firma, heute investiert er Millionen und Können in Start-ups.

von Andrea Hlinka

Hier sitzt er, die Seite gewechselt, aber immer noch unter ihnen. Im riesigen Raum, der durch Wände aus Glas zur Disziplin aufruft, hat Oliver Holle einen Fensterplatz. Vor ihm, hinter ihm und neben ihm sitzen Junge und Ältere, Gründer, wie er früher einer war, und Investoren, wie er heute ist.

Oliver Holle sammelt beruflich Geld. Sehr viel Geld. Gemeinsam mit seinem Team hat er zehn Millionen Euro zusammengetragen und einen Business Angel Fond gegründet, „SpeedInvest“. Bis zu 500.000 Euro werden in Start-ups, Prädikat erfolgversprechend, investiert. Aber SpeedInvest ist mehr als der Geldesel. Das Team arbeitet operativ mit, unterstützt tatkräftig.

Gitarrenklänge à la Jack Johnson unterbrechen Oliver Holles Erzählungen vom Wasserskifahrern und dem Silicon Valley. Er greift zum Handy, sieht auf das Display, würgt Jack Johnson ab und erzählt weiter: Sie waren noch Studenten damals, Anfang der 90er- Jahre, als sie das erste Unternehmen gründeten: Sysis hieß es, der Internet-Simulations- und Spieleentwickler. Es war ein Nebenprojekt, aus Spaß an der Sache. So wuchs Sysis mäßig. Bis zum Internet-Boom Ende der 1990er. Das Unternehmen war plötzlich Millionen wert und Oliver Holle CEO mit 70 Mitarbeitern. Doch wer hoch steigt, der fällt auch tief, wie Holle bald zu spüren bekam.

Die Start-up-Szene

Markus Wagner, eine andere Größe der österreichischen Start-up-Szene und langjähriger Weggefährte Holles, unterbricht dessen Ausführungen. In fünf Minuten braucht er den einzigen Raum mit Sichtschutz für eine Besprechung. Die Entrepreneur- beziehungsweise Business-Angel-Szene ist in Österreich überschaubar. Noch, denn sie wächst dynamisch: Gründer werden immer professioneller und weniger verträumt, ehemalige Entrepreneure werden zu Business Angels – wie Holle oder Wagner. Vielleicht wäre Holle mit einem Berater damals nicht fast pleitegegangen.

2000 kam es zum großen Finale in der IT-Branche, die Dotcom-Blase platzte, die Aufträge blieben aus. Ächzend konnte sich Sysis zusammenschrumpfen, mit rund 20 Mitarbeitern war man in der Lage, weiterzumachen. „Ein wilder Ritt, über weite Phasen absurd“, sagt Holle heute. Demut habe ihn das gelehrt, und dass man immer derselbe Mensch ist.

Der 60 Millionen Exit

2004 fusionierte Sysis mit zwei weiteren Start-ups zu 3united, 2006 kam der Traum-Exit: VeriSign kaufte das Unternehmen für knapp 60 Millionen Euro. Was machte Holle? Er lud die Familie zum Essen ein. Von den Söhnen seiner Frau bekam Holle eine Urkunde: „Der beste Geldbeschaffer“.

Wasserski-Weltmeister

Oliver Holle war Geld, wie den meisten Kindern, recht gleichgültig. Er wollte nur Weltmeister im Wasserskifahren werden. Dafür trainierte er, auch in den USA. Der Amerikanophile sollte später auch an der Columbia University in New York studieren. „Ich kann nicht einmal sagen, dass mir die Kultur so gefallen hat. Es hat sich eben ergeben“, sagt er, wie alles, sehr ruhig. Wichtig, wenn man Brücken bauen will, wenn man vermittelt will zwischen Investoren und der teilweise hysterischen Start-up-Szene.

Der ruhige Rastlose hat nur noch wenig Zeit, er muss zum Notar, am nächsten Morgen fliegt er nach Berlin. Dort unterstützt er das erfolgreiche österreichische Start-up kochabo.at auf dem Weg in die Oberliga.

Bewegen will er, das ist sein Ziel. „Das Lässige an SpeedInvest ist, dass man etwas gesellschaftlich Relevantes macht, dass man die Region belebt und dass man Teil von Erfolgsgeschichten sein kann“, sagt Holle.

Er schnappt die Tasche von seinem Schreibtisch am Fenster und verschwimmt hinter Glaswänden.

Oliver Holle

Als Kind wollte ich ...

... Wasserski-Weltmeister werden.

Erfolg ist für mich, ...

... mit sich selbst und seinem Umfeld zufrieden zu sein.

Die größte Herausforderung ist, ...

... Familie und Beruf unter einen Hut zu bringen.

Ein Fehler war, ...

... keine Auszeit nach dem Exit genommen zu haben.

Mein Führungsstil ...

...ich bin der Chef, aber es ist mir wichtig, das nicht betonen zu müssen, sondern kooperativ zusammenzuarbeiten.

Mein Luxus ...

...ist, viel Zeit mit meiner Tochter verbringen zu können.

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