Wirtschaft | Karriere
07.12.2011

Denim Dich: Die Gebrüder Stitch

Mike und Moriz waren in der Marketing-Branche. 2009 machten sie einen Nähkurs und sich damit einen Namen.

Sie heißen weder Stitch mit Nachnamen, noch sind sie Brüder. Mike und Moriz sind schlichtweg alte Bekannte aus der Marketing-Branche. Im Kaffeehaus hatten der gebürtige Steirer Moriz und der Salzburger Mike die Idee, customized Jeans aus organischer Baumwolle in Wien zu produzieren. "Mike hat zu der Zeit an einem nachhaltigen Modelabel gearbeitet und angefangen, einen Business Plan zu schreiben. Ich sagte: ,Business Plan schreiben ist mühsam. Da schreibst ein Jahr, dann rennst nochmal ein Jahr bis du die Kohle eingesammelt hast, dann brauchst ein Jahr, bis du in die Gänge kommst und nach drei Jahren kommst möglicherweise d`rauf, dass keiner dein Produkt will", erzählt Moriz (Anm.: Nachnamen sind für die beiden nebensächlich). Der besagte Tag im Kaffeehaus endete um zwei Uhr früh beim Würstelstand.

Drei Tage später machten sie sich auf den Weg nach Berlin zu einer der größten Modemesse Europas, der Bread & Butter. "In Berlin haben wir uns vom Marketing-Standpunkt aus die Jeans-Labels angesehen und gefunden, dass alle Jeanshersteller ziemlich gleich sind. Überall gibt es Cowboys, Zapfsäulen, Tankstellen, Typen, oben ohne. Wir haben Lunte gerochen", sagt Moriz.

Sie entschieden sich, einen Nähkurs zu besuchen. Beide waren 2009 bereits selbstständig, sie mussten daher keinen Job kündigen. Ihr Leben aber dennoch drastisch umstellen, um eine Idee zu realisieren, an deren erfolgreiche Umsetzung nicht viele Menschen in ihrem Umfeld glaubten. "Wir haben trotzdem daran geglaubt, dass es in Wien Leute gibt, die maßgeschneiderte Jeans wollen, dessen Stoff, Garn, Schnitt, Waschung sie selbst aussuchen können und dafür 300, 400 Euro zahlen würden", erzählt Moriz.

Um die Idee umzusetzen, kündigten sie ihre Wohnungen und schliefen bei Freunden, sie kündigten den Handyvertrag und tauschten ihn gegen ein Bob-Handy. Innerhalb von sechs Monaten lernten sie alles, was es über Jeans zu wissen gibt.

Um das gesparte Geld mieteten sie sich im Mai 2010 für drei Monate in eine Kunstgalerie im sechsten Bezirk ein, liehen sich Nähmaschinen, kauften Stoffe, ersteigerten Waschmaschinen auf eBay und holten Möbel vom Sperrmüll. "Wir haben uns für die drei Monate auf der Gumpendorfer Strasse ein fettes Marketing-Programm überlegt. Jede Woche gab es Diskussionen, Vernissagen, Partys und so weiter. Die Leute haben darüber geredet. Die Hütte war vom ersten Tag weg voll." Nachdem der Mietvertrag in der Kunstgalerie abgelaufen war, zogen sie in ihr neues Hosenlabor im 12. Bezirk und stellten die Leute ein, die sie das Nähen gelehrt hatten. Auch Walter.

Heute produzieren sie zu siebent 30 bis 50 Jeans pro Monat. Von der Bestellung bis zum glücklichen Kunden mit einer Jeans, die sitzt wie das Lack-Outfit von Catwoman, dauert es sieben Wochen. Bei Walter kann man im Hosenlabor auch nähen lernen. In zwei Jahren haben sich Mike und Moriz von Marketing-Fuzzis in Jeans-Designer verwandelt. "Ich habe noch nie in meinem Leben so viel gearbeitet", seufzt Moriz.

Wieso das Ganze? Weil es Spaß und Sinn macht.

Die größten Hürden? Den Mut aufzubringen, eine Idee umzusetzen. Und sich das fehlende Knowhow anzueignen. Umso wichtiger ist es, Leute, die das Wissen haben, in das Team zu holen und für die Sache zu begeistern.

Unser Glück war? Der Walter. Unser Walter.

Gescheitert wären wir fast an? Bis jetzt an nichts.

Das haben wir gefeiert? Sobald sich eine Möglichkeit ergibt, feiern wir. Es wird alles und viel gefeiert. Auch Weihnachten. Wir machen einen wesentlichen Teil vom Umsatz im Weihnachtsgeschäft mit unseren Gutscheinen.

Wohin soll`s gehen? Wir wollen das Projekt auf die nächste Ebene führen.