Das Erfolgsgeheimnis des Mr. Tupperware

Mister Tupperware Rick Goings kam nach Wien, um seinen Vertriebspartnern das Geheimnis für Erfolg zu verraten.

Wie getragen von der Jubelmusik aus der Dose, den Standing Ovations und dem rhythmischen Klatschen des Publikums schwingt sich Rick Goings elegant auf die Bühne. Der personifizierte "American Way of Life" bringt den österreichischen Leitern der 16 Tupperware-Bezirkshandlungen im "Elite Seminar" bei, was wahren Erfolg ausmacht. Und gibt den Rat: "Was ihr euch erdenken könnt, könnt ihr auch erreichen." Rick Goings will informieren und unterhalten. Typisch Amerikaner. Allein im Oktober bereiste er Italien, Kanada und Indien, um sein Erfolgsrezept vor Tupperware-Mitarbeitern kundzutun. Was das ist? Das Übliche - Ziele fokussieren, eine positive Einstellung, die Fähigkeit, zu begeistern und die Bereitschaft, mehr zu arbeiten als andere. "In jedem von uns steckt ein schlafender Riese", sagt Goings. Und erklärt die Tupperware-Philosophie: "Du kannst, du darfst, du sollst."

KURIER: Warum machen Sie das Seminar selbst und schicken nicht jemand anderen? Ist ja ungewöhnlich für einen CEO eines Konzerns ...
Rick Goings: Uuuh, weil's viel zu wichtig für mich ist, als dass ich es jemand anderen tun ließe ( lacht ). Ich habe mich 35 Jahre damit beschäftigt, warum so wenige Menschen wirklich erfolgreich sind. Das möchte ich weitergeben.

Warum ist gerade Österreich so Tupperware-affin ?
Ich denke, das ist die Kultur. In den USA haben wir eine Walmart-Kultur, da wird auf Qualität nicht so geachtet. In Österreich ist das anders. Es gibt vielleicht weniger Auswahl, aber dafür gute Qualität.

Tupperware-Partys sind doch - mit Verlaub - old style. Man denkt da an verzweifelte Hausfrauen, die sich ein Zubrot verdienen wollen. Heute wollen Frauen sich im Job verwirklichen.

Die wesentliche Sache bei der jüngeren - Ihrer - Generation ist: Die meisten denken, dass Tupperware ist, was Tupperware einst war. Als ich vor 19 Jahren in das Unternehmen eingetreten war, war das Erste, was wir getan haben, die verlorene Generation zu suchen. Die Produktlinie war nicht an die Gegenwart angepasst, zielte nach wie vor auf die zu Hause bleibenden Mütter ab.

Wie wollen Sie denn urbane junge Frauen erreichen?
Wir haben die Produkte adaptiert, an neue Zielgruppen angepasst - an die urbane Single-Frau, z. B. mit mikrowellentauglichen Produkten. Junge Frauen wollen nicht kochen, aber essen - und sie sind sehr sozial. Und wir haben die Party verändert. Sie hat ein Motto - mexikanisch mit Guacamole -, ist eine "Girls' Night out".

Rick Goings: Boss über 2,8 Millionen Tupperware-Beraterinnen
© Bild: p/m/r@me.com

Frau trinkt Alkohol statt Kaffee?
Zum Beispiel. In der Stadt gibt es ja öffentlichen Transport. Am Land sind die Partys noch anders. Aber was wir noch verändert haben: Die Möglichkeit, Geld zu verdienen. Nach dem Zweiten Weltkrieg, als die Männer von der Front kamen, wurden die Fabriksarbeiterinnen nach Hause geschickt. Damals waren die Frauen glücklich, Tupperware-Beraterin zu werden. Heute haben wir einen Karriereplan: Frauen können zur Teamleiterin, zur Bezirkshändlerin aufsteigen. Ein Teamleiter kann heute 100.000 Euro im Jahr verdienen.

Ihr Erfolgsrezept?
Wie Apple haben wir aus einem bewährten Produkt mit neuer Verkaufsmethode etwas Neues gemacht. Steve Jobs hat mit dem iPod und über iTunes als Verkaufsmethode den Erfolg zu Apple gebracht. Das Problem bei Apple: Niemand außer Steve Jobs hat damit je Geld gemacht.

Sie vergleichen Tupperware im Ernst mit Apple?
Ja, wir haben innovative Produkte und die Tupperware-Party als Verkaufsmethode.

Aber die Party ist ja nicht neu ...
Doch, die Party ist neu! Sie ist ganz anders als früher. Frauen tendieren heute wieder zum sogenannten "Cocooning", sich zurückzuziehen, mit Freunden und Nachbarn zusammen zu sein. Genau darum geht es: um eine Party mit Freunden. Da ist man rund um den Tisch, kocht zusammen, spricht über die Männer, die man loswerden möchte. Manchmal sind die Frauen 60, manchmal 25.

Wie schulen Sie die Mitarbeiterinnen?
2,8 Millionen Frauen arbeiten für uns. In vielen Ländern haben wir eine Tupperware-University, wo die Beraterinnen ein 13-wöchiges Training absolvieren. Viele Leute glauben: "Sie findet keinen Job, also verkauft sie Tupperware". Das stimmt nicht. Unsere Top-Frau hat voriges Jahr 1,8 Millionen US-Dollar verdient. In manchen Ländern ist das Durchschnittsgehalt auf dem Top-Level eine Viertelmillion Dollar. Das ist kein kleines Taschengeld mehr.

Rick Goings: Boss über 2,8 Millionen Tupperware-Beraterinnen
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Aber die meisten machen es als Teilzeitjob ...
Ja, sie arbeiten Teilzeit, verdienen aber 10.000 Dollar pro Jahr. Für eine Party - oft mit Einnahmen von 800 Dollar - erhält die Beraterin eine Kommission von 22,5 Prozent - und das vier Mal die Woche ist nicht wenig.

Auf vier Partys pro Woche muss man erst mal kommen.
Die nächsten Party-Gastgeberinnen findet man als Beraterin ja auf der Party . Ob das wirklich funktioniert? Mmhh ... Wir sind 65 Jahre im Business, alle 1,7 Sekunden gibt es eine Tupperware-Party. Also ich würde sagen: Ja.

Österreich ist Tupperland Nr. 1
In Bezug auf den Verkauf pro Einwohner ist Österreich weltweit Tupperland Nummer eins. Der Grund? "Wir haben seit 46 Jahren eine starke Tupperware-Kultur in Österreich", so Tupperware-Österreich-Chef Thomas Kuchar.
In Österreich gibt es 16 Bezirkshandlungen (Vertriebspartner), 5000 Beraterinnen und 400 Gruppenberaterinnen. Beraterinnen verdienen pro Party 60 bis hundert Euro. Die Beraterinnen rekrutieren selbst: Wer mindestens fünf Beraterinnen rekrutiert, wird Gruppenberaterin und erhält drei Prozent des Gruppenumsatzes und einen Firmenwagen.

( Kurier ) Erstellt am 05.12.2011