Büroarchitek­tur: "Ihr habt es schön"

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Foto: /Monika Nguyen honorarfrei - Immobilienbüro Hammerl

Gewollte Architektur und Design im Büro ist in vielen heimischen Firmen noch kein Thema. Das sollte sich ändern.

Kleider machen Leute, heißt es. Und Architektur macht Unternehmen. Corporate Architecture nennen Experten den Ansatz, die Werte, die Identität, das Image eines Unternehmens auch in dessen Architektur auszudrücken. Als Pionier gilt die deutsche AEG, für die Architekt Peter Behrens schon in den 1910er-Jahren Fabriksbauten als Teil der Corporate Identity entwarf. Beispiele dafür sind das BMW-Gebäude in Gestalt eines Vierzylinders in München oder Niketown in New York. Doch nicht nur die Öffentlichkeit und potenzielle Kunden sollen von moderner Konzernarchitektur angesprochen werden, auch die Mitarbeiter selbst sollen sich zugehöriger fühlen.

Dass die Büroumgebung einen starken Einfluss auf das Wohlbefinden, Motivation und Leistung der Mitarbeiter hat, bestätigt auch die Studie "Office Settings" des deutschen Fraunhofer Instituts IAO. 40 Prozent der Mitarbeiter sehen noch Optimierungspotenzial bei der Bürogestaltung. Das Design- und Forschungszentrum adidas Laces etwa will mit gläserner Luftigkeit, Verbindungsstegen und offenen Kommunikationsräumen den Austausch unter den Mitarbeitern fördern.

Design für den Mittelstand

Nicht nur für finanzkräftige Konzerne, auch für mittelständische Unternehmen kann Büro-Architektur einen Vorteil in der Mitarbeiterzufriedenheit und Imagewirkung bringen. "Viele mittelständische Firmen in Österreich sind wenig darauf sensibilisiert, ihre Werte über die Gestaltung der Büros und Foyers zu präsentieren", sagt Thomas Neuber vom Wiener Architekturbüro destilat. Er zeigt Fotos von Kunden vor dem Umbau: Da gibt es Weltmarktführer, die ihre Kunden in Foyers mit der Tristesse eines Lagerraums empfangen.Viele heimische Büros haben den Charme von Abstellkammern: Schreibtische und Regale sind gern in Buche oder Billigimitat gehalten, Teppich- oder Laminatböden in undefinierbaren Farben tun ihr Übriges. Gern würden Manager Wände und Böden in den knalligen Logofarben färben lassen, so Neuber, "doch Rot, Blau oder Gelb sind wenig geeignet für die Raumgestaltung."

Das destilat-Team hat das Büro für die Wiener Immobilienfirma Hammerl neu designt (siehe Bild oben). Parkettboden und weiße Wände sorgen für Helligkeit, Paneele mit Tapetenmuster verbergen die Aktenordner. "Die Neugestaltung hat sich positiv ausgewirkt, die Mitarbeiter freuen sich, wenn Kunden sagen: ,Ihr habt es schön‘", sagt Senior-Chef Robert Hammerl. "Verändert man das Corporate Design, verändert sich auch die Geisteshaltung der Mitarbeiter."

(kurier) Erstellt am
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