Keine Lust auf Bildung? Das kann am hart umkämpften Jobmarkt schnell zur Falle werden.

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Jobmarkt
01/09/2015

Bildungsmuffel gehen unter

2015 wird’s brenzlig – wer da auf Weiterbildung pfeift, gerät (noch) schneller ins Aus.

von Nicole Thurn

Der SAP-Spezialist hat zehn Jahre Berufserfahrung. Er kennt das Programm in- und auswendig. Nur hat er nicht mit der neuesten Version gearbeitet. Als er gekündigt wird, stehen seine Chancen am Jobmarkt schlecht.

Dieses Szenario kommt laut Bernhard Otti, Personalberater mit Schwerpunkt kaufmännischer und technischer Bereich, immer wieder vor. Gegangen wird, wer leicht ersetzbar ist. Höchstens wer fachlich fähig und up to date ist, darf bleiben.

Zwar bilden sich überdurchschnittlich viele Österreicher im Europa-Vergleich fort – 2013 waren 13,9 Prozent zum Befragungszeitpunkt in Weiterbildung, EU-weit nur 10,5 Prozent. Je höher der Bildungsgrad, desto eher bilden sich Mitarbeiter fort, bestätigt auch Otti. Doch: "Die Mitarbeiter bilden sich bei weitem nicht so häufig weiter, wie es der Arbeitsmarkt erfordert", sagt Otti.

Ein fataler Fehler, denn der Wind weht 2015 am Arbeitsmarkt eisig. Die Arbeitslosenrate übertraf sich schon im Vorjahr jedes Monat aufs Neue selbst. Im vergangenen Oktober musste Österreich seinen europaweiten Spitzenplatz als Land mit der niedrigsten Arbeitslosenrate an Deutschland abgeben. 10,1 Prozent der Österreicher waren im Dezember arbeitslos (nationale Berechnung). Heuer werden die Unternehmen weiter restrukturieren – und Mitarbeiter abbauen. Schnell trifft es da die weniger Qualifizierten. "Im Controlling und Rechnungswesen gibt es den Trend zu Shared Services", erläutert Bernhard Otti ein Beispiel. Die Firmen lagern einfache Arbeitsprozesse ins kostengünstigere Indien aus. "Der Kreditor, der nur Zahlen in den PC eingibt, verliert seinen Job. Hätte er sich in Bilanzierung weitergebildet, wäre er eher im Unternehmen geblieben", so Otti.

Investieren? Lieber nicht

Bei den guten Neujahrsvorsätzen stehe Weiterbildung stets ganz oben, meint Martin Röhsner, Geschäftsführer von "die Berater", das Unternehmen und Privatpersonen zu Weiterbildung und Karriere berät. Tatsächlich in ihre eigene Weiterbildung investieren würden Österreichs Arbeitnehmer im Gegensatz zu anderen Ländern dann doch nicht so. "Viele erwarten vom Unternehmen, dass es die Weiterbildungskosten bezahlt", sagt Röhsner. Ob man selbst Geld für Weiterbildung ausgibt, sei natürlich eine Frage der Kaufkraft. Die Investition zahle sich aber jedenfalls aus, denn: "Ist mein Wissen veraltet, sinkt mein Wert am Arbeitsmarkt", so Röhsner.

"Ist mein Wissen veraltet, sinkt mein Wert am Arbeitsmarkt." Martin Röhsner, Geschäftsführer die Berater

Gerade Niedrigqualifizierte müssen ihre Qualifikationen verbessern, um überhaupt eine Chance auf einen Job zu bekommen. Denn in schwierigen Zeiten kommt es zu einer Entwertung von Bildung – Akademiker nehmen laut Röhsner dann auch Maturantenjobs, die Spirale dreht nach unten, die Schwächsten fallen aus dem Arbeitsmarkt. In der Weiterbildungsstudie 2014 bemängelten mehr als ein Drittel der befragten Unternehmen, dass bei Bewerbern mit Pflichtschulabschluss fachliche Qualifikationen und Kenntnisse in Lesen, Schreiben, Rechnen fehlten. Wer diese Basics nicht beherrscht, ist definitiv raus aus dem Spiel. Doch auch Hochschulabsolventen würden sich laut Bernhard Otti gern auf ihrer akademischen Hängematte ausruhen: "Nach dem Uni-Abschluss drei, vier Jahre nichts zu tun ist ein Fehler", sagt er. Sich dann erst in der Arbeitslosigkeit weiterzubilden, sei zu spät. "Dann ist man mehrere Monate in AMS-Schulung und rutscht schnell in die Langzeitarbeitslosigkeit."

Und auch wenn 87 Prozent der heimischen Unternehmen Weiterbildung anbieten – hier liegen wir im EU-Spitzenfeld – nutzen nur etwas mehr als ein Drittel der Mitarbeiter das Angebot. Ausgeschöpft ist es damit nicht. Das sollten die Mitarbeiter tun, solange es möglich ist, denn: Das Weiterbildungsbudget fällt in konjunkturell schwachen Zeiten schnell dem Rotstift zum Opfer.

Mit Kurs auf gute Jobaussichten

Automatisierungstechnik

Die WIFI-Fachakademie in St. Pölten bietet in vier Semestern berufsbegleitende Weiterbildung für Lehrabsolventen aus Mechanik und Technik. 1930 Euro pro Semester, Start: 13. 2. Infoabend am 19.1. um 18 Uhr im WIFI St. Pölten.


General Management für Hotellerie und Gastronomie

Das WIFI NÖ startet in Wien am 9. 3. einen Diplom-Lehrgang für Hoteliers und Gastronomie-Manager. Kosten: 3900 Euro. Infoabend: 15. 1., WIFI Wien, 18 Uhr.


Microsoft Certified Solutions Developer – Web Applications

Zielgruppe des international zertifizierten Kurses am WIFI Wien sind erfahrene Webentwickler. Von 9. 2. bis 27. 4. 2015. Kosten: 4890 Euro inkl. Examen.


Diplomlehrgang Generationenmanagement

Die Österreicher müssen künftig länger arbeiten. Experten für Generationenmanagement begleiten Unternehmen bei den künftigen Herausforderungen. Das BFI WIEN bietet von 10. 3. bis 9. 7. einen Lehrgang um 2450 Euro. Infoabend: 22. 1. 2015, 17.30–18.30 Uhr, BFI Wien Catamaran / Handelskai 348, 1020 Wien, Johann-Böhm-Platz 1/B/5.OG.

Ausbildung zur PflegehelferIn


Pflegehelfer werden dringend gesucht. Das BFI WIEN bietet eine einjährige Ausbildung mit je 800 Stunden Theorie und Praxis, Kosten: 4800 Euro. Lehrgangsstart am 16. 2. oder 13. 4. Infoabend: 12. 1. 2015, Bildungszentrum des BFI Wien, 1020 Wien, Holzhausergasse 4.

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