Politik | Inland 19.02.2018

Universitätsbericht: Deutlich mehr Studenten bis 2035

Universität Wien © Bild: KURIER/Franz Gruber

Während das Betreuungsverhältnis an Österreichs Hochschulen kaum verbessert wurde und die Zahl der jährlichen Studienabschlüsse gesunken ist, wird die Zahl der Studierenden von derzeit 370.000 auf 423.000 steigen.

  • Die Zahl der Studienabschlüsse ist zwischen dem Studienjahr 2012/2013 und 2015/2016 um 3,9 Prozent gesunken.
  • Das Betreuungsverhältnis an den Universitäten hat sich kaum verbessert.
  • Die Zahl der Studien, in denen tatsächlich ausreichend Prüfungen abgelegt werden, ist in der Berichtsperiode um 2,3 Prozent angestiegen.
  • Die Zahl der Studenten steigt laut einer Prognose bis 2035 um 14 Prozent.
  • Der Frauenanteil bei Professoren lag 2016 bei 24 Prozent und bei den wissenschaftlichen Mitarbeitern bei 40 Prozent

Das Bildungsministerium übergab dem Parlament am Montag den neuen Universitätsbericht 2017. Darin enthalten ist eine Prognose der Statistik Austria, wonach die Zahl der Studenten an den österreichischen Hochschulen bis 2035 von 370.000 (2015/16) auf 423.000 steigen wird, das wäre ein Plus von 14 Prozent. Noch stärker steigt die Zahl der belegten Studien: an öffentlichen Unis um 18 Prozent, an Fachhochschulen um 24 Prozent, an Pädagogischen Hochschulen um neun Prozent und an Privatunis um 67 Prozent.

Laut dem Universitätsbericht haben sich die Betreuungsrelationen an den Universitäten in den vergangenen Jahren kaum verbessert. Im Studienjahr 2015/16 kamen 118 Studenten (2013: 121) auf eine Professur bzw. 21 Studenten auf einen Uni-Lehrer (Vollzeitäquivalent, Anm.), 2013 waren es ebenfalls 21.

Zieht man nur sogenannte "prüfungsaktive" Studenten heran, entfielen im Studienjahr 2015/16 auf ein Vollzeitäquivalent des universitären Lehrpersonals durchschnittlich 13 Studierende, auf eine Professur durchschnittlich 76. Diese Betreuungsrelationen sind gegenüber dem Studienjahr 2012/13 - dem Vergleichsjahr aus dem letzten Universitätsbericht - konstant geblieben. Als prüfungsaktiv gelten Studenten, die im Studienjahr Prüfungen im Ausmaß von mindestens acht Semesterstunden oder 16 ECTS abgelegt oder einen Studienabschnitt abgeschlossen haben.

Die ungünstigsten Betreuungsrelationen gibt es dabei je nach Bezugsgröße an der Universität Wien sowie der Wirtschaftsuniversität (WU). An der Uni Wien kommen auf einen Professor 214 Studenten bzw. auf einen Uni-Lehrer 39 Studenten (jeweils Vollzeitäquivalente), an der WU sind es pro Professor 244 Studenten und pro Uni-Lehrer 37 Studenten. Zieht man nur die prüfungsaktiven Studenten heran, haben ebenfalls diese beiden Universitäten die schlechtesten Relationen: An der Uni Wien kommt ein Professor auf 124 prüfungsaktive Studenten und ein Uni-Lehrer auf 22 prüfungsaktive Studenten. An der WU betreut ein Professor 142 Prüfungsaktive, ein Uni-Lehrer 21.

Zugangsbeschränkungen wirken sich aus

Am günstigsten sind die Betreuungsverhältnisse naturgemäß an jenen Universitäten, an denen der Zugang beschränkt ist. Die besten Relationen weisen die Kunstuniversitäten auf, gefolgt von den Medizin-Unis und der Veterinärmedizinischen Universität.

Für Bildungsminister Heinz Faßmann (ÖVP) weist der Universitätsbericht "klar die Handlungsfelder auf. So ist das Betreuungsverhältnis in einigen Fächern verbesserungswürdig, die Zahl der Absolventen und Absolventinnen soll gesteigert werden. Mit der neuen Universitätsfinanzierung wollen wir genau diesen Herausforderungen begegnen." Zufrieden zeigte sich Faßmann in einer Aussendung mit der positiven Entwicklung der vergangenen Jahre. Er verweist auf die aufgestockten finanziellen Mittel, die positive Wirkung des eingeführten Zugangsmanagements und die steigende Frauenquote.

Studentenzahlen im Detail

Laut der Hochschulprognose der Statistik Austria geht der Anstieg der Studentenzahlen größtenteils auf den Zuwachs österreichischer Studenten zurück (von 282.000 auf rund 314.000). Der Anteil ausländischer Studierender bleibt über den Prognosezeitraum dagegen nahezu konstant. Bei Fortbestehen der geltenden Zugangsregelungen werden im Studienjahr 2035/36 rund neun Prozent der Studenten Deutsche sein, weitere acht Prozent aus anderen EU-Staaten kommen sowie neun Prozent aus Ländern außerhalb der EU.

"Verursacht" wird die steigende Studentenzahl vor allem durch die prognostizierten zusätzlichen Maturanten in Österreich. Die Prognose geht von einem Anstieg der Maturantenzahl von derzeit jährlich rund 41.000 auf 48.000 im Schuljahr 2034/35 aus. Zwar soll die Zahl der Personen im typischen Maturaalter tendenziell abnehmen - dies wird aber durch den Umstand kompensiert, dass sich von Jahr zu Jahr anteilsmäßig mehr Personen für maturaführende Schulen entscheiden. Der Anteil der Maturanten an einem durchschnittlichen Altersjahrgang steigt laut Prognose von rund 43 Prozent im Jahr 2015 auf rund 51 Prozent im Jahr 2035.

Für die Hochschulen selbst noch bedeutsamer ist die Prognose der sogenannten "Studienfälle", also die Zahl der belegten Studien (eine Person kann auch mehrere Studien inskribieren, Anm.). Diese sollen von 440.000 im Studienjahr 2015/16 auf 526.000 im Studienjahr 2035/36 anwachsen (plus 20 Prozent). Die öffentlichen Unis kommen auf ein Plus von 65.000 Studien (plus 18 Prozent), die Fachhochschulen auf ein Anwachsen um 12.000 (24 Prozent), die Pädagogischen Hochschulen auf einen Zuwachs von 2.000 (neun Prozent) und die Privatunis auf einen Anstieg von mehr als 7.000 Studien (67 Prozent).

Die Zahl der jährlichen Studienabschlüsse wächst laut der Prognose von derzeit rund 68.000 auf 79.000 (2035/36). Rund 61 Prozent davon sind derzeit den öffentlichen Universitäten zuzurechnen, rund 22 Prozent den Fachhochschule, rund 14 Prozent den Pädagogischen Hochschulen und drei Prozent den Privatuniversitäten. Dieses Verhältnis soll bis ins Studienjahr 2035/36 in etwa gleich bleiben.

Ebenfalls praktisch unverändert bleibt der Frauenanteil an den Studenten: Er soll über den gesamten Zeitraum bei rund 54 Prozent liegen.

Der Universitätsbericht auf einen Blick

ABSCHLÜSSE: Die Zahl der Studienabschlüsse ist zwischen dem Studienjahr 2012/2013 und 2015/2016 um 3,9 Prozent auf 35.864 gesunken. Grund dafür war das Auslaufen zahlreicher "alter" Diplomstudien mit dem Studienjahr 2013/14 und das damit verbundene "Vorziehen" von Abschlüssen: Im Studienjahr 2012/13 war ein neues Maximum von 37.312 Studienabschlüssen erreicht worden.

AKADEMIKERQUOTE: Der Anteil der 25- bis 64-Jährigen mit "echtem" Hochschulabschluss lag 2016 mit 16 Prozent deutlich unter dem EU-Schnitt. Anders dagegen die seit kurzem erhobene "Tertiärquote", die neben Hochschulabschlüssen unter anderem auch BHS-Maturanten miteinbezieht: Sie bewegt sich mit rund 31 Prozent im EU-Schnitt.

ARBEITSLOSIGKEIT: Akademiker sind deutlich seltener von Arbeitslosigkeit betroffen als formal niedriger Qualifizierte. Im September 2017 lag die Akademiker-Arbeitslosenquote (nach nationaler Definition) mit 3,6 Prozent deutlich unter dem Österreichschnitt von 7,6 Prozent und den Arbeitslosenquoten für höhere Sekundarabschlüsse (AHS 6,0 Prozent bzw. BHS 4,1 Prozent). Im internationalen Vergleich sind Akademiker in Österreich ebenfalls deutlich seltener arbeitslos: Im Schnitt sind in den EU-28 5,1 Prozent der Hochschulabsolventen ohne Job.

BETREUUNGSVERHÄLTNIS: Im Studienjahr 2015/16 kamen im Schnitt 118 Studenten (2013: 121) auf eine Professur bzw. 21 Studenten auf einen Uni-Lehrer (Vollzeitäquivalent, Anm.; 2013: ebenfalls 21). Am ungünstigsten sind die Betreuungsrelationen an der Uni Wien (214 Studenten pro Professor bzw. 39 pro Uni-Lehrer) und der Wirtschaftsuniversität (244 Studenten pro Professor bzw. 37 pro Uni-Lehrer), am besten an den Kunstuniversitäten, den Medizin-Unis und der Veterinärmedizinischen Universität.

FRAUENANTEIL: Der Frauenanteil bei Professoren lag 2016 bei 24 Prozent und bei den wissenschaftlichen bzw. künstlerischen Mitarbeitern bei 40 Prozent. In Rektoraten betrug er 48 Prozent, in Universitätsräten 49 Prozent und in Senaten 46 Prozent.

MOBILITÄT: Rund 7.900 Studenten österreichischer Hochschulen absolvierten 2016/17 einen Auslandsaufenthalt im Rahmen eines internationalen Mobilitätsprogramms (z.B. Erasmus). Das ist ein Plus von neun Prozent gegenüber 2013/14. Auch die jährliche Zahl an Incoming-Studierenden in Mobilitätsprogrammen hat sich weiter erhöht und lag 2016/17 bei rund 8.500 (ebenfalls plus neun Prozent gegenüber 2013/14).

PROGNOSE: Die Zahl der Studenten an allen österreichischen Hochschulen soll von 370.000 (2015/16) bis 2035/36 auf 423.000 steigen. Laut Prognose wächst die Zahl der belegten Studien an den öffentlichen Unis um 18 Prozent, an Fachhochschulen um 24 Prozent, an Pädagogischen Hochschulen um neun Prozent und an Privatunis um 67 Prozent.

PRÜFUNGSAKTIVITÄT: Die Zahl der prüfungsaktiven Studien ist in der Berichtsperiode um 2,3 Prozent angestiegen. Als prüfungsaktiv betrieben gilt ein Studium, wenn im Studienjahr Prüfungen im Ausmaß von mindestens acht Semesterstunden oder 16 ECTS abgelegt wurden oder ein Studienabschnitt abgeschlossen wurde. Insgesamt wurden 2016 53 Prozent aller Studien prüfungsaktiv betrieben. Am höchsten ist der Anteil erwartungsgemäß bei Studien mit Zugangsbeschränkung (an Medizin-Unis und Kunstunis liegt er zwischen 76 und 87 Prozent). Die Unis mit dem geringsten Anteil an prüfungsaktiv betriebenen Studien sind die Universität Linz (46 Prozent), die Universität Wien und die Wirtschaftsuniversität (je 48 Prozent).

STUDENTENZAHL: Die Gesamtstudentenzahl an den Unis hat sich zwischen 2013 und 2016 um 3,3 Prozent auf rund 308.000 weiter erhöht. Der Zuwachs ging dabei überwiegend auf ausländische Studenten zurück. Im Rahmen eines ordentlichen Studiums studierten rund 281.000 Personen, davon 205.000 Österreicher, der Ausländeranteil liegt hier bei 27 Prozent. Die Zahl der inländischen ordentlichen Studenten war in den letzten beiden Jahren sogar leicht rückläufig, während die Zahl der ausländischen ordentlichen Hörer seit 2013 um 10,2 Prozent gestiegen ist. Zwei Drittel der ausländischen Studenten kommen aus der EU.

STUDIENANFÄNGER: Im Studienjahr 2016/17 wurden rund 50.000 erstzugelassene in­ und ausländische Studenten an den österreichischen Universitäten gezählt. Davon wurden rund 41.000 zu einem ordentlichen Studium zugelassen. Gegenüber den Jahren davor wurden damit leichte Rückgänge verzeichnet - verantwortlich dafür sind aber vor allem zähltechnische Änderungen durch die neue Lehrerausbildung, die gemeinsam eingerichtete Studien an Unis und Pädagogischen Hochschulen vorsieht.

ÜBERTRITTSRATEN: 48 Prozent der Maturanten beginnen innerhalb von drei Semestern nach erworbener Hochschulzugangsberechtigung ein Studium an einer Universität. Die höchste Übertrittsrate weisen Absolventen einer AHS-Langform auf (75 Prozent nach drei Semestern). Die Übertrittsrate von BHS-Maturanten liegt bei 35 Prozent.

( Agenturen , tem ) Erstellt am 19.02.2018