Betrug ist nie ausgeschlossen

Was ein Compliance Officer gegen korrupte Führungskräfte tun kann und wann er sich an die Polizei wenden sollte, erklärt Strafrechtler Peter Lewisch.

Peter Lewisch vom Institut für Strafrecht ist Herausgeber des Buches  "Zauberwort Compliance?" (Manz Verlag).  Er spricht über Betrug, Haftung, dubiose Geschäfte.

KURIER: Compliance ist ein Trend in Firmen. Warum?

Peter Lewisch: Für Unternehmen ist die Rechtstreue der Mitarbeiter ein wichtiges Thema. Aber viele Wege führen zu diesem Ziel. Compliance ist kein "Zauberwort", das alle Probleme verschwinden lässt. Es ist ein internes Regelwerk zu Vermeidung rechtlicher Nachteile für Unternehmen – das können Schädigungen  durch Mitarbeiter oder Dritte sein oder indirekt auch Strafen oder Haftungen wegen des Fehlverhaltens eines Mitarbeiters.   

Müssen dem Compliance Officer alle Firmenentscheidungen vorgelegt werden?

Gesetzlich gibt es  keine Vorgaben. Eine umfassende Einbindung in alle maßgeblichen Abläufe  ist aber erstrebenswert.  

Was kann er  tun, wenn ihm die Einsicht in Abläufe verwehrt wird?

Die Gefahr, dass sich einzelne Abteilungen oder Mitarbeiter abschotten, besteht immer. Daher muss Compliance von der Unternehmensspitze getragen  werden – nötigenfalls durch Vorgaben.

Der Compliance Officer  haftet persönlich für seine Entscheidungen. Was bedeutet das im Ernstfall?

Wenn der Compliance-Officer  Missstände nicht abstellt und es dadurch zu einem Schaden des Unternehmens kommt, ist er dafür auch verantwortlich. Das  ergibt sich schon aus den allgemeinen Regeln. Dieses Thema wird aber überschätzt.

Und wenn der Compliance Officer  betrogen wird?

Davor ist niemand gefeit. Ein gutes Compliance-System wird es kriminellen Mitarbeitern erschweren – völlig ausgeschlossen ist das aber nie.

Wann sollte sich der Compliance Officer an die Polizei wenden?

Der Compliance Officer ist kein Unternehmenspolizist. Er ist nicht dazu verpflichtet, sich an die Behörden zu wenden, das entscheidet die Unternehmensführung.

Was, wenn die Führungsriege in dubiose Geschäfte involviert ist?

Bei größeren Unternehmen kann der Compliance Officer  den Aufsichtsrat informieren. Wenn Korruption die gesamte Führungsebene umfasst, ist die Situation für ihn schwierig. Kriminelle Organisationen sind in der heimischen Wirtschaft aber selten.

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( Kurier ) Erstellt am 23.04.2012