Bernhard Wiesinger (A1, li.) schaut auf Reisen oft TV-Berichte in der jeweiligen Landessprache.

© Ornella Wächter

Wirtschaft Karriere
02/20/2019

Beruflich Vielreisende: „Zweck der Reise ist die Arbeit“

Geschäftsreisen gehören in manchen Branchen zum Alltag. Reisende erzählen von ihrem Leben aus dem Koffer und wie sie Entspannung finden.

von Ornella Wächter

Montag um halb sieben Uhr morgens zum Frankfurter Flughafen, auf dem Weg nach Lyon. Am Donnerstagabend wieder zurück. Freitag Homeoffice. Wochenende – frei. Acht Monate lang war das der Arbeits-Rhythmus von Benedikt Niklas, seit vier Jahren IT-Berater bei IBM. Heißt: Vier Nächte in Hotelzimmern, keine persönlichen Gegenstände, zu jeder Mahlzeit essen gehen. Zeit für Hobbys oder das Privatleben bleibt da nur am Wochenende. In seinem Terminkalender sind Samstage und Sonntage bereits bis April verplant, sagt der 28-Jährige. „Viel Spontanität bleibt da nicht. Aber für mich ist das normal. In den Rhythmus kommt man schnell rein. Das Einsamkeitsgefühl, das einige Kollegen haben, habe ich nie.“

"Zweck der Reise ist die Arbeit"

Was Benedikt Niklas macht, ist vielleicht die extreme Version von jemanden, der beruflich viel unterwegs ist. Wenn Bernhard Wiesinger etwa auf Geschäftsreise ist, dauert sie meistens einen Tag. Aber je kürzer die Reise, desto mehr muss an einem Tag abgearbeitet werden. „Jede Minute muss effizient sein. Ich nutze die Flugzeit oder Aufenthalte in Wartebereichen zur Vorbereitung, bereite Unterlagen auf. Alles ist sehr eng getaktet“, sagt der Leiter des A1 Business World Management & Real Estate am Standort in Wien. Zeit, sich nach den Meetings, Konferenzen oder Seminaren, noch die Stadt anzuschauen, gibt es nicht. Und ist auch nicht vorgesehen. „Zweck der Reise ist die Arbeit.“

So kennt es auch Helmut Schnabl, Principal Consultant für Öl und Gas bei Siemens: „Man hat die halbe Stunde im Taxi zum Bürogebäude. Man kennt den Flughafen, das Kundenbüro, vielleicht noch das Siemens Office. Es ist schade – aber es ist ein Business-Trip, da soll man nicht das Land kennenlernen.“ Auch hier: „Zweck der Reise ist die Arbeit. Letztendlich geht es um das Geschäft.“ Helmut Schnabl ist zu Spitzenzeiten jede Woche unterwegs. Einmal für drei Tage nach Abu Dhabi, oder Kuwait. Länder wie Serbien, Kroatien oder Rumänien bereist er für einen Tag. Doch trotz der Kürze seiner Aufenthalte, versucht er zumindest seine Kollegen und Geschäftspartner im Ausland in ihrer Sprache zu begrüßen. „Bei Reisen in Kulturräume, mit denen man nicht vertraut ist, sollte man sich jedenfalls vorbereiten um mit den Gepflogenheiten des Landes vertraut zu sein. Bei Siemens haben wir dafür auch eigene Intercultural Trainings.“

Dass Unternehmen ein paar ihrer Mitarbeiter derart oft um den Globus schicken, ist allerdings nicht die Regel. Und auch oft gar nicht mehr notwendig. Neue Technologien machen Flug-, Bahn- oder Autoreisen überflüssig. Eine aktuelle Erhebung der Austrian Business Travel Association (ABTA) zeigt, dass die Anzahl der Business-Trips in Österreich seit Jahren weniger wird. Im Jahr 2017 waren es 7,7 Millionen, ein Rückgang von 9,4 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Laut Studienleiter Wilfried Kopp ein Phänomen, welches sich auch in anderen Ländern zeigt. Mehr als die Hälfte der erfassten Geschäftsreisen sind zudem Eintagesreisen (4,2 Millionen).

Reisevolumen senken

Eine Umfrage der Statistik Austria zeigt allerdings, dass in den ersten drei Quartalen in 2018 Geschäftsreisen im Vergleich zur Vorjahresperiode wieder um 2,6 Millionen (+2,6 Prozent) angestiegen sind. Dieser Trend zeige sich bezogen auf das Reisevolumen bei Siemens nicht, so ABTA-Präsident Andreas Gruber. Er verantwortet auch das Travel Management der Siemens AG Österreich. In der Unternehmensgruppe versucht man vielmehr das Reisevolumen zu senken. Zum einen um Kosten zu sparen und zum anderen, weil die Hälfte der Geschäftsreisen interne Besprechungen waren. Von Siemens zu Siemens. Statt Mitarbeiter ins Flugzeug steigen zu lassen, werden vielfach Videokonferenz abgehalten. Wiewohl Andreas Gruber betont: „Auch bei internen Projekten ist es notwendig, sich an einen Tisch zu setzen und nicht über Bildschirme zu kommunizieren.“ Zum Netzwerken und Kontakte zu knüpfen sind persönliche Treffen ebenfalls vorteilhafter. Ob gereist wird oder nicht, kommt drauf an, wie „sensibel“ die Branche sei, meint Florian Schütky, Bereichsleiter im Marketing von Österreich Wein.“ Im vergangenen Jahr war er im Schnitt zwei bis drei Mal im Monat unterwegs, auf Messen, in Weingebieten oder auf Events – in Deutschland, Österreich und der Schweiz. „Da wir sehr viel Emotionen brauchen, um unser Produkt zu vermitteln, ist der persönliche Kontakt sehr wichtig. Wein muss man leben und erlebbar machen, da ist es wichtiger, vor Ort zu sein.“

Trotzdem: der Trend in Österreichs Geschäftsreisemarkt geht in eine andere Richtung. Weniger Autofahrten, weniger Flüge, mehr Videokonferenzen. Der Reiseverkehr wird zu virtuellem Datenverkehr. Es ist„zeit-ökologischer“, sagt Bernhard Wiesinger von A1. Übersee-Flüge und Mehrtages-Reisen gebe es nur noch minimiert, Grundlage dafür bietet die moderne IT-Landschaft bei A1. „Wir fördern das Mobile Working über Cloud Systeme bei A1 extrem – es ist dabei völlig irrelevant ob man im Büro sitzt, im Kaffeehaus oder im Park. Was früher wenigen als Privileg vergönnt war, wie von überall aus zu arbeiten, kann heute aufgrund neuer Technologien jeder machen.“

Geschäftsreisen immer teurer

Damit zeigen sich einige strukturelle Veränderungen im Geschäftsreisemarkt. Zum einen, neue Tools der Zusammenarbeit, die das Herumreisen ersetzen. Zum anderen werden Geschäftsreisen aber auch immer teurer. Bucht ein Unternehmen einen Flug für eine Tagesreise zu knapp, zahle ein Unternehmen im Schnitt 421 Euro für das Ticket, so ABTA-Studienleiter Wilfried Kopp. 357 Euro kostet es, wenn das Ticket zwei bis drei Wochen vorher gebucht wird. Die Preise beziehen sich auf Destinationen im europäischen Raum. 2017 gaben österreichische Unternehmen drei Milliarden Euro für Geschäftsreisen aus und davon 1,7 Milliarden für den Transport, rund 800 Millionen für die Unterkunft in Hotels.

Apropos Hotel: Der Koffer von Siemens-Consultant Helmut Schnabl ist wieder gepackt. Am Sonntag geht es nach Kuwait. Und was nie fehlen darf? „Mannerschnitten! Das hat schon ein bisschen Ritualcharakter,“ sagt er und lacht.

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