Neue Zahlen: Arbeitslosigkeit unter Akademikern drastisch gestiegen
Diese Woche hat das Arbeitsmarktservice (AMS) die neuen Arbeitsmarktdaten für Jänner 2026 veröffentlicht. Die Arbeitslosigkeit ist weiter gestiegen. Ein bemerkenswertes Detail: Vor allem bei Akademikern lässt sich ein deutliches Plus ablesen. Sie verzeichnen im Vergleich zum Vorjahr ein Wachstum von 15,4 Prozent (inklusive Schulungsteilnehmern liegt das Plus bei 12,7 Prozent). Zum Vergleich: Personen mit Pflichtschulausbildung (die größte Gruppe unter den arbeitslosen Personen) haben nur ein Plus von 1,1, Prozent. Jene mit Lehrausbildung 3,6 Prozent und jene mit höherer Ausbildung 7,3 Prozent. Wie es zu diesem drastischen Anstieg der Akademiker-Arbeitslosigkeit kommt? Ursula Löffler der Personalberatung Hill Woltron gibt ihre Einschätzung.
KURIER: Es gibt einen deutlichen Anstieg der Arbeitslosigkeit unter Akademikern. Haben Sie eine Erklärung dafür?
Ursula Löffler: Oft haben Akademiker sehr spezialisierte Studienrichtungen, die in der Wirtschaft gar nicht so gefordert sind, außer man ist wirklich im Bereich der Forschung oder Medizin. Bei vielen Stellen zählt die Praxiserfahrung viel mehr, als sich über Jahre mit einer Thematik zu beschäftigen. Hier haben FH-Absolventen mit ihren Pflichtpraktika deutliche Vorteile.
Das ist kein österreichisches Phänomen. Auch in Deutschland soll sich die Zahl der unter 30-Jährigen, die trotz Uni-Abschluss arbeitslos sind, zwischen 2022 und 2025 fast verdoppelt haben. Wird akademische Kompetenz nicht mehr gebraucht?
Die akademische Ausbildung ist nach wie vor wichtig, aber sie ist nicht ausreichend. Und sie ist keine alleinige Garantie für eine erfolgreiche Karriere. Es gibt viele Akademiker in Bereichen, wo nicht unbedingt ein Bedarf ist – gerade in den Geistes- oder Medienwissenschaften. Also alles, was in PR, Kommunikation und Marketing hineinfällt, ist sehr beliebt als Studienrichtung, aber die Jobangebote sind sehr rar. Da gibt es ein Mismatch zwischen Ausbildung und Arbeitsmarkt.
Gibt es weitere Branchen auf die das zutrifft?
Sicher auch im Bereich Biologie und Umwelt. Das ist eine sehr beliebte Ausbildung. Aber die Jobs – auch wenn das gerne anders propagiert wird – sind gerade im Bereich der Nachhaltigkeit und Umwelt nicht so dicht gesät.
Wo liegt ungenutztes Potenzial?
Viele Akademiker wollen nicht unbedingt in KMU (kleine und mittlere Unternehmen, Anm.), sondern in große Konzerne. Man wird im Studium fast darauf gedrillt. Jetzt haben wir in Österreich aber einen KMU-Anteil von 99,7 Prozent, deshalb bin ich der Meinung, dass Akademiker dort wirklich sehr gute Chancen hätten.
Der Konzern zahlt wiederum traditionell besser.
Ich habe zahlreiche Case Studies über Microsoft, Google und alle möglichen Unternehmen gemacht. Wie viele haben die Möglichkeit in einem dieser Unternehmen in eine Top-Führungsposition zu kommen? In KMU hat man schneller die Chance nach oben zu steigen und auch sich gehaltlich gut zu entwickeln.
Wie sehr achten Arbeitgeber überhaupt noch auf akademische Titel?
Vereinzelt schon, aber es ist deutlich weniger geworden. Vielmehr zählt die Erfahrung. Am österreichischen Markt ist man sehr erfahrungsfixiert. Da beißt sich aber die Katze in den Schwanz: Habe ich keine Berufspraxis, finde ich schwieriger etwas. Und dann kommt hinzu, dass viele Akademiker nicht bereit sind, in Jobs einzusteigen, wo sie gute Chancen hätten. Im Gegenzug sind auch Unternehmen nicht bereit, Akademiker für Jobs zu nehmen, die ein Maturant auch machen könnte.
Weil mit einem Uni-Abschluss auch eine gewisse Gehaltsvorstellung einhergeht.
Genau, wobei Akademiker auch oft mit dem Gehalt runtergehen würden, das Unternehmen aber trotzdem die Angst hat, dass die Person schnell wieder kündigt oder unzufrieden ist.
Wie sehr spielt die Künstliche Intelligenz in die gestiegene Arbeitslosigkeit von Akademikern hinein? Schließlich sind es die kreativen, gut ausgebildeten Jobs, die durch sie wegrationalisiert werden könnten.
Im Moment merken wir davon noch nicht viel, aber meine Vermutung ist, dass sich das in den nächsten drei bis fünf Jahren ändern wird, wenn nicht früher. Gerade wenn es um Dinge wie Übersetzen geht oder juristische Fragen. Also überall, wo die KI sehr viel übernehmen kann.
Bisher galt: Je besser die Ausbildung, desto höher der Verdienst, desto niedriger die Chance auf Arbeitslosigkeit. Ist das immer noch so?
Aus meiner Sicht ist das in Bewegung. Natürlich muss man auch die ganzen öffentlichen Stellen in Betracht ziehen, wo sich die Ausbildung wirklich auf das Gehalt auswirkt. Das darf man auch nicht unterschätzen. Aber es ist schon ein bisschen im Aufbruch.
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