kununu-CEO: „Es wird weniger Einstiegsjobs in Österreich geben"
Kununu-CEO Nina Zimmermann über die Gehälter in Österreich und warum Einstiegsjobs weniger werden. Das Gespräch in voller Länge Sehen Sie unten im Video oder am Samstag, 24. Jänner, um 17.30 Uhr in KURIER TV.
KURIER: Ein neuer Gehaltscheck für Österreich ist da – wie lautet Ihr Fazit?
Nina Zimmermann: Es gibt ein paar Dinge, die typisch sind. Ballungszentren wie Wien oder Linz haben höhere Durchschnittsgehälter als ländliche Regionen. Eine andere Erkenntnis ist, dass größere Unternehmen oder gewisse Bereiche weiterhin in der Top-Drei unterwegs sind. Das sind Industrie, Finanz und Versicherung. Da sieht man eine Stabilität in den Daten über die Jahre.
Gibt es aber etwas, das sich verändert hat?
Man sieht, dass gewisse Industrien sich deutlich nach oben bewegen. Energie oder Rüstung. Was mich freut, ist, dass manche Branchen in der Gehaltstransparenz deutlich gestiegen sind. Zum Beispiel der Pflegebereich. Der Fachkräftemangel ist überall ein Thema und weil es eine Knappheit gibt, sieht man die Bewegung, dass Gehälter im Durchschnitt steigen.
Gibt es einen Bereich, der Fahrt auf die obersten Plätze im Gehaltsranking aufnimmt?
Die öffentliche Verwaltung. Das ist insbesondere spannend, weil man ein bisschen ein staubiges Bild davon hat. Aber zum Beispiel bei Administrationstätigkeiten sehen wir deutliche Steigerungen, weil die Attraktivität fehlt. Sie müssen die Jungen anziehen und da müssen auch die Gehälter nach oben gehen.
Mit einer Berufserfahrung von null bis drei Jahren verdienen die Österreicher laut kununu-Daten im Schnitt 3.104 Euro brutto. Für Berufseinsteiger scheint das hoch angesetzt zu sein. Schürt das falsche Erwartungen?
Das kann durchaus sein. Bei Einstiegsgehältern muss man sehr aufpassen. Die Industrie, das Umfeld, das Bundesland, das spielt alles eine Rolle. Und leider gibt es auch den Trend, dass es weniger Einstiegsjobs geben wird. Es wird eher darum gehen, wie Mitarbeiter behalten oder umgeschult werden können. Was tendenziell heißt, dass es zu einer Knappheit von Einstiegsjobs kommt. Und auch die Erwartungshaltung an Einsteiger wird größer sein. Man erwartet eine verkürzte Lernzeit, sie sollen sofort arbeitsfähig sein.
Eine weitere Entwicklung, die 2026 auf Gehälter zukommt, ist mehr Transparenz. Ab Juni muss die EU-Richtlinie zur Entgelttransparenz in Österreich umgesetzt sein, um unter anderem die Gehaltslücke zwischen Männern und Frauen zu schließen. Wird sich in Ihrem nächsten Gehaltscheck bereits eine Veränderung abzeichnen?
Wäre es nicht großartig, wenn wir beim Gender-Pay-Gap zwischen Männern und Frauen wirklich eine Verkleinerung sehen würden? Aber wir können nur ein Scheinwerferlicht auf die Daten legen – bewegen können wir selbst nichts. Da sind die Unternehmen in der Pflicht. Deswegen finde ich es großartig, weil Transparenz ist etwas Gutes. Man nimmt Unternehmen in die Pflicht, etwas zu erklären. Es heißt nicht, dass Person A nicht mehr verdienen darf als Person B. Aber man muss dazu stehen. Diese Transparenz zwingt Unternehmen, das zu machen.
Business Gespräch: Nina Zimmermann
Kununu sammelt seit 2007 nicht nur Gehaltsdaten, sondern Arbeitgeber-Bewertungen. Die fallen nicht immer positiv aus. Wie viel Reibung gibt es da und wie oft muss man sich auf Klagen einstellen?
Uns ist durchaus bewusst, dass wir bei Unternehmen oft polarisieren. Die Arbeitgeber-Bewertung ist der wichtigste Teil der Plattform. Auch hier sind wir ein großer Fan von Transparenz. Dazu gehört, dass man Mitarbeitern eine Plattform gibt, wo sie über den Arbeitgeber reden können. Da gibt es nicht immer Gutes. Aber ich sage immer wieder: Es gibt kein perfektes Unternehmen. Es gibt auch niemals den perfekten Mitarbeiter. Da plädiere ich immer für eine gewisse Lockerheit. Feedback ist ein Geschenk und man darf es nicht immer so persönlich nehmen.
Kommentare