„Arbeiterkindern fehlen die Vorbilder“

Katja Urbatsch, selbst aus einfachen Verhältnissen, hat das Mentorenprogramm www.arbeiterkind.de gegründet, das Arbeiterkinder zum Studieren motivieren will. Seit einem Monat gibt es das Projekt auch in Österreich. Unterstützt wird es vom Social-Business-Netzwerk Ashoka.

KURIER: Frau Urbatsch, warum haben Sie arbeiterkind.de 2008 gegründet?

Katja Urbatsch: Ich bin die erste Akademikerin in meiner Familie. Mir wurde eine Lehre nahegelegt, weil alle in meiner Familie eine Lehre gemacht haben. Und viele meiner Freunde hätten nach dem Abitur gerne studiert, hatten aber Angst, ein Studium nicht finanzieren zu können. Das hat mich sehr beschäftigt.

 

Und die Studienwahl selbst?

Sie gegenüber meinen Eltern, aber auch mir selbst zu rechtfertigen, war nicht einfach. Weil ich die Wertvorstellung, dass man ein Berufsbild haben muss, internalisiert habe. In meinem eher abstrakten Nordamerika-Studium waren meine Kommilitonen dann meist Akademikerkinder.

 

Was war für sie einfacher?

Für die war vieles selbstverständlich. Die hatten kein Problem, einen Professor anzusprechen, sie wussten, wie man zu einem Stipendium kommt. Ich hab’ mich durchgewurschtelt.

 

Was hält Arbeiterkinder davon ab zu studieren?

Es sind die fehlenden Vorbilder. Man macht das, was die Eltern gemacht haben. Bei Arbeiterkindern gibt es eine große Unsicherheit gegenüber den Leistungsanforderungen, ob sie es schaffen können. Auch die Studienfinanzierung ist ein großes Thema. Das Studium ist eine langfristige Investition – und man weiß nicht, ob es sich lohnt. Da gibt es auch bei den Eltern große Ängste.

 

Wäre es da nicht wichtiger, bei ihnen anzusetzen?

Es ist viel schwieriger, die Eltern zu beeinflussen. Aber wir versuchen, sie einzubinden. Wir wollen vor allem die Jugendlichen bestärken, ihren Weg zu finden.

 

Die Mentoren dienen als Role Models?

Ja, hauptsächlich sind das Studenten, die Vorträge an den Schulen halten, warum sich studieren lohnt. In Deutschland studiert nur die Hälfte der Abiturienten. In Österreich gucken wir gerade, wo da der Bedarf an den Schulen ist.

 

Wie ist das Feedback in Deutschland?

Ich bin seit drei Jahren im Ausnahmezustand ( lacht ).

 

Die Ziele in Österreich?

Wir wollen in jeder Hochschulstadt eine Gruppe.

 

INFO: Arbeiter-kind.at sucht ehrenamtliche Mentoren und Koordinatoren

 

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( Kurier ) Erstellt am 06.12.2011