Wirtschaft | Karriere
03.06.2017

Andre Heller, das Multitalent

In einem Bühneninterview erzählt er über seine Kindheit, seine Karriere und was ihn immer wieder antreibt, neu zu beginnen.

Er ist ein Meister der Wandlungsfähigkeit. Und hat noch viel vor. Andre Heller, 70 Jahre alt, kennt keinen Stillstand. "Immer wenn etwas ein Erfolg war, wollte ich zu Neuem aufbrechen. Ein Erfolg ist für mich, wenn ich etwas erreicht habe, das kann auch eine Niederlage gewesen sein", erzählt Andre Heller. Er ist Stargast der Siemens Academy of Life Gala. Diese hat sich zum Ziel gesetzt, jungen Menschen die Erfolgsstrategien bedeutender Persönlichkeiten näherzubringen. Die Gala hat bereits zum 17. Mal stattgefunden. Andre Heller ist ein Multitalent. Als Radiomoderator hat er beim damals neu gegründeten Radiosender Ö3, 1967, schnell Berühmtheit erlangt. Wenig später erfolgte der erste Bruch seiner Karriere und er begann, selbst Musik zu machen. Immer wieder setzt er sich neue Hüte auf: Als Gründer eines Zirkus, als Erneuerer von Revuen, als Wiedererwecker des Feuertheaters, als Schauspieler, Bühnenautor und als fantastischer Landschaftsgärtner.

Heller sieht sich nicht als Künstler

"Ich verwehre mich dagegen. Ich bin ein Lernender, alles andere kann ich nicht ohne zu erröten sagen." Seiner Meinung nach stehen Künstler in ständigem Konkurrenzkampf und müssen sich dauernd vor schlechten Kritiken fürchten. "Künstler sind Menschen, die sich selbst den Triumph und anderen den Untergang wünschen." Schlechte Kritiken hat Heller anlässlich seines jüngsten Projekts, seines ersten Romans, auch zu spüren bekommen. Andre Heller sucht sich immer wieder Neues. Gefragt, was ihn denn dazu bewegt, nach einem vollendeten Projekt wieder an einer völlig neuen Idee zu arbeiten, erzählt er von seiner inneren Antriebskraft. Irgendwann ist es dann wieder soweit, dass eine Idee gereift und umgesetzt werden will. "Ich schmeiß mich in jedes neue Projekt vom 40-Meter-Brett hinein", verbildlicht er. Dass jeder noch so glänzende Einfall in der Realität nur mit Abstrichen umgesetzt werden kann, damit kämpft Heller immer. Das hindert ihn aber nicht daran, es wieder und wieder zu versuchen. "Das Leben ist nicht about Ablenkung, sondern about Hinlenkung. Man darf die Herausforderungen und Schwierigkeiten des Lebens nicht schwänzen. Da entgeht einem viel." Heller berichtet im Gespräch mit Andrea Schurian ausführlich über seine Kindheit in einer reichen Industriellenfamilie, über das Gefühl, entwurzelt zu sein. Von der Köchin, der einzigen Person mit Herzensbildung in seinem Umfeld, habe er am meisten mitbekommen. "Mir war als Kind ständig kalt. Damals waren Kinder furchtbar angezogen, pünktlich zum 1. Mai wurden kurze Hosen getragen, egal ob es gehagelt oder geschneit hat. Mit meinem ersten Taschengeld habe ich mir einen Thermofor gekauft", erzählt Heller.

Sein eigentlicher Berufswunsch hat sich nur bedingt erfüllt, erzählt er. "Ich wollte berühmt sein, ich wollte Oscar Werner werden. Das ging nicht, deshalb wurde ich Andre Heller." Jungen Menschen macht Heller Mut. "Man muss zuerst herausfinden: Wo ist mein Platz in der Welt. Es gilt heute als Schande, fünf oder sechs Berufsversuche zu machen. Dabei ist das sehr vernünftig." Man müsse schließlich herausfinden, was das Richtige für die Person ist. Von seinen ersten beruflichen Gehversuchen erzählt Heller ganz offen. "Mit 15 Jahren habe ich das Bühnenbild für eine Oper gemacht. Das ist dann bei der Premiere umgefallen und ich wurde mit nassen Fetzen davon gejagt."

Mit dem Wort Work-Life-Balance kann Heller nicht viel anfangen. "Arbeit ist doch keine Strafe." Ein großes Thema ist für ihn die Zeit, die er für etwas erübrigt. Angst vor dem Tod hat er nicht. Aber bis es so weit ist – das können noch gut 30 Jahre sein, Andre Hellers Mutter Elisabeth ist heute 102 Jahre alt geworden – will er seine Zeit ganz gezielt nutzen. Seine Abschlussworte an das Publikum: "Danke, dass Sie gekommen sind. Ich hoffe, die eineinhalb Stunden hier haben Ihnen etwas gebracht."